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AWMFS32017Psychiatrie

S3-Leitlinie Angststörungen: Diagnostik und Therapie

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Kombination aus Psychotherapie und Pharmakotherapie wird für die meisten Angststörungen empfohlen.
  • Kognitive Verhaltenstherapie (KVT) ist die psychotherapeutische Methode der ersten Wahl (Empfehlungsgrad A+).
  • SSRI und SNRI sind die medikamentösen Mittel der ersten Wahl; Benzodiazepine sollen aufgrund des Abhängigkeitsrisikos vermieden werden.
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Die S3-Leitlinie zur Behandlung von Angststörungen (Version 2, 2021) bietet evidenzbasierte Empfehlungen für die Diagnostik und Therapie der Panikstörung/Agoraphobie, der generalisierten Angststörung, der sozialen Phobie sowie spezifischer Phobien.

Diagnostik und Differenzialdiagnostik

Die Diagnosestellung erfolgt nach den Kriterien der ICD-10-GM. Da Angststörungen in der Primärversorgung häufig nicht erkannt werden, empfiehlt die Leitlinie gezielte Screening-Fragen.

AngststörungScreening-Fragen (Beispiele)
Panikstörung / AgoraphobieHaben Sie plötzliche Zustände von Angst und Schrecken mit Symptomen wie Herzrasen oder Luftnot? Vermeiden Sie Menschenmengen oder enge Räume?
Generalisierte AngststörungFühlen Sie sich oft nervös? Machen Sie sich ständig Sorgen, die Sie nicht kontrollieren können?
Soziale PhobieHaben Sie Angst, dass andere negativ über Sie urteilen oder Ihr Verhalten als peinlich ansehen könnten?
Spezifische PhobieHaben Sie starke Angst vor bestimmten Dingen wie Spinnen, Höhen oder Spritzen?

Zum Ausschluss somatischer Ursachen (z. B. kardiovaskuläre, neurologische oder endokrine Erkrankungen) müssen eine ausführliche Anamnese, eine körperliche Untersuchung, ein EKG sowie Basis-Laborwerte (Blutbild, Blutzucker, Elektrolyte, TSH) erhoben werden.

Allgemeine Therapieprinzipien

Eine Behandlung ist indiziert bei mittlerem bis schwerem Leidensdruck, psychosozialen Einschränkungen oder drohenden Komplikationen. Die Therapieauswahl sollte patientenorientiert erfolgen und Präferenzen, Wartezeiten sowie mögliche Nebenwirkungen berücksichtigen. Bei komorbiden Störungen (z. B. Depressionen) muss eine leitliniengerechte Mitbehandlung erfolgen.

Panikstörung und Agoraphobie

Patienten soll eine Kombination aus Psychotherapie und Pharmakotherapie angeboten werden (Empfehlungsgrad A+).

Psychotherapie

Die Kognitive Verhaltenstherapie (KVT) ist die Methode der ersten Wahl (A+). Bei Agoraphobie soll sie Expositionselemente in Begleitung eines Therapeuten umfassen (KKP). Ist eine KVT nicht wirksam oder nicht verfügbar, sollte eine psychodynamische Psychotherapie angeboten werden (B+). Zur Überbrückung der Wartezeit können KVT-basierte Internetinterventionen oder Sport (Ausdauertraining) als ergänzende Maßnahmen empfohlen werden (KKP+).

Pharmakotherapie

Benzodiazepine sollen aufgrund des Abhängigkeitsrisikos grundsätzlich nicht angeboten werden (KKP), außer in streng begründeten Ausnahmefällen.

WirkstoffklasseMedikamentTagesdosisEmpfehlungsgrad
SSRICitalopram20–40 mgA+
SSRIEscitalopram10–20 mgA+
SSRIParoxetin20–50 mgA+
SSRISertralin50–150 mgA+
SNRIVenlafaxin75–225 mgA+
TZAClomipramin75–250 mgB+

Generalisierte Angststörung (GAD)

Auch hier wird primär eine KVT (A+) oder bei Nichtansprechen eine psychodynamische Psychotherapie (B+) empfohlen.

WirkstoffklasseMedikamentTagesdosisEmpfehlungsgrad
SSRIEscitalopram10–20 mgA+
SSRIParoxetin20–50 mgA+
SNRIDuloxetin60–120 mgA+
SNRIVenlafaxin75–225 mgA+
KalziummodulatorPregabalin150–600 mgB+
TZAOpipramol50–300 mg0+
AzapironBuspiron15–60 mg0+

Soziale Phobie

Die KVT ist die psychotherapeutische Erstlinientherapie (A+). Alternativ kommen psychodynamische Psychotherapie (B+) oder Systemische Therapie (0+) in Betracht.

WirkstoffklasseMedikamentTagesdosisEmpfehlungsgrad
SSRIEscitalopram10–20 mgA+
SSRIParoxetin20–50 mgA+
SSRISertralin50–150 mgA+
SNRIVenlafaxin75–225 mgA+
RIMAMoclobemid300–600 mgKKP+

Spezifische Phobie

Die Behandlung der Wahl ist die KVT mit Expositionstherapie (A+). Wenn eine In-vivo-Exposition nicht möglich ist, kann bei Spinnen-, Höhen- oder Flugphobie eine Virtuelle-Realität-Expositionstherapie angeboten werden (KKP+).

💡Praxis-Tipp

Führen Sie bei Verdacht auf eine Angststörung stets eine Basisdiagnostik (EKG, Schilddrüsenwerte, Blutbild) durch, um somatische Ursachen auszuschließen. Verzichten Sie auf die Verordnung von Benzodiazepinen, es sei denn, es liegen absolute, streng befristete Ausnahmesituationen vor.

Häufig gestellte Fragen

SSRI (wie Citalopram, Escitalopram, Paroxetin, Sertralin) und der SNRI Venlafaxin werden als Erstlinientherapie mit dem Empfehlungsgrad A+ empfohlen.
Nein, aufgrund des hohen Abhängigkeitsrisikos sollen Benzodiazepine generell nicht angeboten werden (KKP). Sie sind nur in streng begründeten Ausnahmefällen und zeitlich befristet zulässig.
Die Kognitive Verhaltenstherapie (KVT) mit Expositionstherapie ist die Behandlung der Wahl (Empfehlungsgrad A+). Alternativ kann bei bestimmten Phobien eine Virtuelle-Realität-Expositionstherapie erwogen werden.

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