Screening und Diagnose alkoholbezogener Störungen (AWMF)
Hintergrund
Alkoholbezogene Störungen gehören zu den häufigsten und folgenreichsten Erkrankungen in Deutschland. Laut der S3-Leitlinie der AWMF konsumieren etwa 18 Prozent der deutschen Erwachsenen Alkohol in riskanten Mengen. Die Leitlinie betont, dass der Alkoholkonsum maßgeblich an über 40 Diagnosen der ICD-10 kausal beteiligt ist und jährlich für rund 74.000 Todesfälle in Deutschland mitverantwortlich gemacht wird. Trotz dieser enormen Relevanz für die öffentliche Gesundheit wird die ursächliche Suchterkrankung im klinischen Alltag häufig übersehen oder nicht adäquat behandelt. Die Leitliniengruppe sieht daher einen erheblichen Optimierungsbedarf in der Früherkennung und Frühintervention in allen medizinischen Versorgungsbereichen.
Empfehlungen
Die AWMF S3-Leitlinie formuliert klare Empfehlungen zur Früherkennung und Diagnostik von alkoholbezogenen Störungen. Für das Screening auf riskanten Alkoholkonsum, schädlichen Gebrauch oder Alkoholabhängigkeit wird der Einsatz von validierten Fragebogenverfahren empfohlen (Empfehlungsgrad A). Laut Leitlinie soll hierfür primär der Alcohol Use Disorders Identification Test (AUDIT) verwendet werden. Ist dieser im Praxisalltag zu aufwendig, empfiehlt die Leitlinie die Nutzung der Kurzform AUDIT-C. Gemaess der Leitlinie sollten diese Screening-Instrumente allen Patientinnen und Patienten in sämtlichen medizinischen und psychosozialen Settings proaktiv angeboten werden. Zur Objektivierung des Konsums empfiehlt die Leitlinie den Einsatz von Zustandsmarkern. Für den Nachweis eines akuten Alkoholkonsums sollen laut Expertenkonsens direkte Marker wie Ethanol in der Atemluft oder im Blut sowie Ethylglukuronid (EtG) und Ethylsulfat (EtS) im Urin herangezogen werden (Empfehlungsgrad A). Geht es um den Nachweis eines chronischen Alkoholkonsums, empfiehlt die S3-Leitlinie die Bestimmung von Phosphatidylethanol (PEth) im Blut oder EtG in den Haaren (Empfehlungsgrad B). Alternativ wird die Kombination indirekter Zustandsmarker wie GGT, MCV und CDT empfohlen, um die diagnostische Sensitivität und Spezifität zu erhöhen. Für die Erhebung der genauen Trinkmenge rät die Leitlinie zur Nutzung eines Menge-Frequenz-Indexes oder tageweise rückblickender Anamnesen. Bei Schwangeren weist die Leitlinie darauf hin, dass Fragebögen eine unzureichende Sensitivität besitzen; hier sollen bei Bedarf maternale Proben auf EtG, FAEEs oder PEth untersucht werden (Empfehlungsgrad A).
💡Praxis-Tipp
Laut der S3-Leitlinie ist bei der Auswertung des AUDIT-Fragebogens in Deutschland eine Anpassung der Cut-off-Werte sinnvoll. Die Leitlinie weist darauf hin, dass für Männer ein Cut-off von fünf Punkten und für Frauen ein Cut-off von vier Punkten die größte Evidenz aufweist, um riskanten Konsum zuverlässig zu identifizieren.
Häufig gestellte Fragen
Die S3-Leitlinie empfiehlt primär den Alcohol Use Disorders Identification Test (AUDIT). Bei Zeitmangel kann laut Leitlinie auch die Kurzform AUDIT-C eingesetzt werden.
Gemaess der Leitlinie sollen für den akuten Nachweis direkte Zustandsmarker wie Ethanol in Blut oder Atemluft sowie Ethylglukuronid (EtG) und Ethylsulfat (EtS) im Urin verwendet werden.
Die Leitlinie empfiehlt hierfür die Bestimmung von Phosphatidylethanol (PEth) im Blut oder EtG in den Haaren. Alternativ wird eine Kombination indirekter Marker wie GGT, MCV und CDT empfohlen.
Laut Leitlinie weisen Fragebögen bei Schwangeren eine unzureichende Sensitivität auf. Es wird empfohlen, bei Bedarf laborchemische Untersuchungen wie EtG im Urin oder PEth im Blut durchzuführen.
Die Leitlinie definiert riskanten Konsum in Anlehnung an die WHO bei gesunden Erwachsenen als eine tägliche Aufnahme von mehr als 24 Gramm Reinalkohol bei Männern und mehr als 12 Gramm bei Frauen.
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Quelle: S3-Leitlinie Screening, Diagnose und Behandlung alkoholbezogener Störungen (AWMF, 2021). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.