Atopische Dermatitis: S3-Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF / DDG / DGAKI Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Basistherapie mit Emollienzien ist das Fundament der Behandlung und soll auch im schubfreien Intervall erfolgen.
  • Ein ungezieltes Allergie-Screening wird nicht empfohlen; Diagnostik erfolgt nur bei klinischem Verdacht.
  • Die Therapie richtet sich nach einem 4-stufigen Schema, adaptiert an den individuellen Schweregrad.
  • Reguläre Impfungen nach STIKO werden empfohlen, sollten bei akuter Exazerbation jedoch verschoben werden.
  • Topische Glukokortikosteroide und Calcineurininhibitoren sind die First-Line-Therapie bei entzündlichen Schüben.
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Hintergrund

Die atopische Dermatitis (AD), auch Neurodermitis oder atopisches Ekzem genannt, ist eine chronisch-rezidivierende Hauterkrankung. In Deutschland sind ca. 13 % der Kinder und 2 % der Erwachsenen betroffen. Die Pathogenese ist polygenetisch und polyätiologisch, wobei Barrieredefekte (z. B. durch Filaggrin-Mutationen) und immunologische Faktoren (Th2-Zytokine) eine zentrale Rolle spielen.

Diagnostik und Allergietestung

Die Diagnose wird primär klinisch gestellt. Zur Objektivierung des Schweregrades, insbesondere vor Einleitung von Systemtherapien, sollen validierte Scores wie SCORAD oder EASI verwendet werden. Laborparameter (z. B. IgE, TARC) sollten nicht zur Schweregradbestimmung im klinischen Alltag genutzt werden.

Diagnostische MaßnahmeEmpfehlungBemerkung
Anamnese & GanzkörperuntersuchungsollInklusive atopischer Eigen- und Familienanamnese
Ungezieltes Allergie-Screeningsoll nichtKeine Routinediagnostik ohne klinischen Verdacht
Pricktest / spezifisches IgEsoll erwogen werdenNur bei klinischem Verdacht oder suggestiver Anamnese
Atopie-Patch-Testsoll nichtNicht im Rahmen der Routinediagnostik
EpikutantestungsollBei Verdacht auf zusätzliche Kontaktallergie

Provokationsfaktoren

Individuelle Triggerfaktoren sollen identifiziert und gemieden werden, um Remissionsphasen zu verlängern.

  • Aeroallergene: Kontakt bei Sensibilisierung so weit wie möglich reduzieren (soll).
  • Kleidung: Hautreizende Textilien mit rauen Fasern (z. B. Wolle) meiden (soll).
  • Tabakrauch: Zur Prävention von Schüben meiden (soll).
  • Psychischer Stress: Strategien zur Stressbewältigung erlernen (sollte).
  • Körperliche Aktivität: Soll nicht eingeschränkt werden, Schweiß sollte jedoch abwaschen werden.

Stufenschema der Therapie

Die Behandlung richtet sich nach dem individuellen Schweregrad und Verlauf und wird in vier Stufen unterteilt:

StufeSchweregradTherapieoptionenBemerkung
1Trockene HautBasistherapie, TriggervermeidungDauerhafte Anwendung
2Leichtes bis moderates EkzemTopische Glukokortikosteroide (TCS) oder topische Calcineurininhibitoren (TCI)First-Line bei Entzündung
3Moderates bis schweres EkzemStärkere TCS/TCI, UV-TherapieUV-Therapie v.a. bei Erwachsenen
4Schweres, persistierendes EkzemSystemtherapie (Biologika, JAK-Inhibitoren, Ciclosporin)Bei unzureichender topischer Kontrolle

Basistherapie und Hautreinigung

Die Basistherapie der gestörten Hautbarriere mit Emollienzien ist das Fundament der Behandlung und soll bedarfsgerecht auch im schubfreien Intervall eingesetzt werden.

  • Auftragen: Unmittelbar nach dem Baden oder Duschen auf die trockengetupfte, noch leicht feuchte Haut (soll).
  • Baden/Duschen: Möglichst kurz und mit mäßig warmem Wasser (27-30 °C) (sollte).
  • Seifen: Alkalische Seifen sollten nicht verwendet werden.
  • Galenik: Jahreszeitlich anpassen (z. B. hydrophiler im Sommer, fettreicher im Winter) (sollte).

Impfungen

Patienten mit AD sollen nach den regulären STIKO-Empfehlungen geimpft werden. Bei einer akuten Exazerbation sollte die Impfung bis zur bestmöglichen Stabilisierung des Hautbefundes verschoben werden.

💡Praxis-Tipp

Tragen Sie Emollienzien idealerweise direkt nach dem Duschen oder Baden auf die noch leicht feuchte Haut auf (nach dem Trockentupfen), um den Feuchtigkeitsverlust optimal zu minimieren. Verzichten Sie zudem auf die Bestimmung von Laborparametern wie IgE zur reinen Schweregradbestimmung im Alltag.

Häufig gestellte Fragen

Ja, Patienten mit atopischer Dermatitis sollen nach den regulären STIKO-Empfehlungen geimpft werden. Lediglich bei einem akuten Schub sollte die Impfung bis zur Stabilisierung verschoben werden.
Nein, ein ungezieltes Allergie-Screening soll nicht erfolgen. Eine Diagnostik (z.B. Pricktest, spezifisches IgE) wird nur bei klinischem Verdacht oder suggestiver Anamnese empfohlen.
Patienten sollten hautreizende Textilien mit rauen, groben Fasern wie Wolle meiden. Baumwolle und Seide werden meist gut vertragen.
Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten für wirkstofffreie Basistherapeutika in der Regel nur für Kinder bis zum vollendeten 12. Lebensjahr (bei Entwicklungsstörungen bis zum 18. Lebensjahr).

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