Atopische Dermatitis: S3-Leitlinie (AWMF)
📋Auf einen Blick
- •Die Basistherapie mit Emollienzien ist das Fundament der Behandlung und soll auch im schubfreien Intervall erfolgen.
- •Ein ungezieltes Allergie-Screening wird nicht empfohlen; Diagnostik erfolgt nur bei klinischem Verdacht.
- •Die Therapie richtet sich nach einem 4-stufigen Schema, adaptiert an den individuellen Schweregrad.
- •Reguläre Impfungen nach STIKO werden empfohlen, sollten bei akuter Exazerbation jedoch verschoben werden.
- •Topische Glukokortikosteroide und Calcineurininhibitoren sind die First-Line-Therapie bei entzündlichen Schüben.
Hintergrund
Die atopische Dermatitis (AD), auch Neurodermitis oder atopisches Ekzem genannt, ist eine chronisch-rezidivierende Hauterkrankung. In Deutschland sind ca. 13 % der Kinder und 2 % der Erwachsenen betroffen. Die Pathogenese ist polygenetisch und polyätiologisch, wobei Barrieredefekte (z. B. durch Filaggrin-Mutationen) und immunologische Faktoren (Th2-Zytokine) eine zentrale Rolle spielen.
Diagnostik und Allergietestung
Die Diagnose wird primär klinisch gestellt. Zur Objektivierung des Schweregrades, insbesondere vor Einleitung von Systemtherapien, sollen validierte Scores wie SCORAD oder EASI verwendet werden. Laborparameter (z. B. IgE, TARC) sollten nicht zur Schweregradbestimmung im klinischen Alltag genutzt werden.
| Diagnostische Maßnahme | Empfehlung | Bemerkung |
|---|---|---|
| Anamnese & Ganzkörperuntersuchung | soll | Inklusive atopischer Eigen- und Familienanamnese |
| Ungezieltes Allergie-Screening | soll nicht | Keine Routinediagnostik ohne klinischen Verdacht |
| Pricktest / spezifisches IgE | soll erwogen werden | Nur bei klinischem Verdacht oder suggestiver Anamnese |
| Atopie-Patch-Test | soll nicht | Nicht im Rahmen der Routinediagnostik |
| Epikutantestung | soll | Bei Verdacht auf zusätzliche Kontaktallergie |
Provokationsfaktoren
Individuelle Triggerfaktoren sollen identifiziert und gemieden werden, um Remissionsphasen zu verlängern.
- Aeroallergene: Kontakt bei Sensibilisierung so weit wie möglich reduzieren (soll).
- Kleidung: Hautreizende Textilien mit rauen Fasern (z. B. Wolle) meiden (soll).
- Tabakrauch: Zur Prävention von Schüben meiden (soll).
- Psychischer Stress: Strategien zur Stressbewältigung erlernen (sollte).
- Körperliche Aktivität: Soll nicht eingeschränkt werden, Schweiß sollte jedoch abwaschen werden.
Stufenschema der Therapie
Die Behandlung richtet sich nach dem individuellen Schweregrad und Verlauf und wird in vier Stufen unterteilt:
| Stufe | Schweregrad | Therapieoptionen | Bemerkung |
|---|---|---|---|
| 1 | Trockene Haut | Basistherapie, Triggervermeidung | Dauerhafte Anwendung |
| 2 | Leichtes bis moderates Ekzem | Topische Glukokortikosteroide (TCS) oder topische Calcineurininhibitoren (TCI) | First-Line bei Entzündung |
| 3 | Moderates bis schweres Ekzem | Stärkere TCS/TCI, UV-Therapie | UV-Therapie v.a. bei Erwachsenen |
| 4 | Schweres, persistierendes Ekzem | Systemtherapie (Biologika, JAK-Inhibitoren, Ciclosporin) | Bei unzureichender topischer Kontrolle |
Basistherapie und Hautreinigung
Die Basistherapie der gestörten Hautbarriere mit Emollienzien ist das Fundament der Behandlung und soll bedarfsgerecht auch im schubfreien Intervall eingesetzt werden.
- Auftragen: Unmittelbar nach dem Baden oder Duschen auf die trockengetupfte, noch leicht feuchte Haut (soll).
- Baden/Duschen: Möglichst kurz und mit mäßig warmem Wasser (27-30 °C) (sollte).
- Seifen: Alkalische Seifen sollten nicht verwendet werden.
- Galenik: Jahreszeitlich anpassen (z. B. hydrophiler im Sommer, fettreicher im Winter) (sollte).
Impfungen
Patienten mit AD sollen nach den regulären STIKO-Empfehlungen geimpft werden. Bei einer akuten Exazerbation sollte die Impfung bis zur bestmöglichen Stabilisierung des Hautbefundes verschoben werden.
💡Praxis-Tipp
Tragen Sie Emollienzien idealerweise direkt nach dem Duschen oder Baden auf die noch leicht feuchte Haut auf (nach dem Trockentupfen), um den Feuchtigkeitsverlust optimal zu minimieren. Verzichten Sie zudem auf die Bestimmung von Laborparametern wie IgE zur reinen Schweregradbestimmung im Alltag.