Herztumoren bei Kindern: Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Herztumoren im Kindesalter sind extrem selten. Etwa 90 % sind primäre Tumoren, wovon wiederum 96-97 % benigne sind.
  • Das Rhabdomyom ist der häufigste Tumor (60-80 %) und in 70-90 % der Fälle mit der Tuberösen Sklerose assoziiert.
  • Rhabdomyome zeigen in bis zu 80 % der Fälle eine spontane Größenregression im Verlauf des Kindesalters.
  • Die Echokardiografie ist das primäre bildgebende Verfahren, ergänzt durch die MRT zur artspezifischen Zuordnung.
  • Eine operative Resektion ist vor allem bei hämodynamischer Relevanz, rezidivierenden Ergüssen oder hohem Embolierisiko (z. B. Myxom) indiziert.
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Hintergrund

Herztumoren im Kindes- und Jugendalter sind eine sehr seltene Erkrankung. Die Prävalenz in echokardiografischen Untersuchungen liegt bei etwa 0,32 %. Etwa 90 % aller Herztumoren im Kindesalter sind primäre Tumoren, von denen die überwiegende Mehrheit (96-97 %) benigne ist. Primär maligne Tumoren sind extrem selten (ca. 3-4 % aller kindlichen Herztumoren). Etwa ein Drittel aller kindlichen Herztumoren wird bereits pränatal diagnostiziert.

Häufigste benigne Herztumoren

Die benignen Tumoren unterscheiden sich stark in ihrer Häufigkeit, Lokalisation und Prognose:

TumorartRelative HäufigkeitCharakteristika & LokalisationAssoziationenVerlauf & Besonderheiten
Rhabdomyom60-80 %Meist multipel, im/am VentrikelmyokardTuberöse Sklerose (70-90 %)Spontane Regression in ca. 80 % der Fälle.
Fibrom10-25 %Meist solitär, intramural (Septum/LV-Apex)Gorlin-Syndrom (selten)Invasives Wachstum, Risiko für schwere ventrikuläre Arrhythmien.
Myxom6-15 %Meist linkes Atrium, gestielt und mobilCarney-KomplexHohes Embolierisiko, diastolischer "Plop" bei Auskultation.
Teratom2-9 %Perikardial, an der Basis der großen ArterienKeine spezifischenRisiko für Perikarderguss, fetalen Hydrops und Gefäßkompression.

Maligne Herztumoren

Bei den malignen Tumoren im Kindesalter sind sekundäre (metastatische) Formen häufiger als primär maligne Tumoren.

  • Primär maligne: Am häufigsten Weichteilsarkome (Rhabdomyosarkome, Fibromyosarkome). Sie zeigen ein aggressives, infiltratives Wachstum mit kavitärer Obstruktion.
  • Sekundär maligne: Metastasen entstehen meist durch hämatogene oder lymphogene Streuung von Non-Hodgkin-Lymphomen, Wilmstumoren, Neuroblastomen oder Dottersackkarzinomen. Sie sind häufig im Perikard lokalisiert und verursachen hämorrhagische Perikardergüsse.

Klinische Symptomatik

Die Symptome sind stark abhängig von Größe, Anzahl und Lokalisation der Tumoren. Sie reichen von völliger Symptomfreiheit bis hin zu lebensbedrohlichen Zuständen:

  • Hämodynamische Symptome: Herzgeräusche, Dyspnoe, Zyanose, Herzinsuffizienzzeichen.
  • Arrhythmien: Von Extrasystolen bis zu ventrikulären Tachykardien und plötzlichem Herztod (SCD). Besonders häufig bei Fibromen und der extrem seltenen histiozytoiden Kardiomyopathie.
  • Mechanische Komplikationen: Perikarderguss (Teratome, Hämangiome), Embolien (Myxome).

Diagnostik

Die Diagnostik zielt auf eine zeitige Detektion und genaue Charakterisierung ab:

MethodeIndikation / ZielBemerkung
EchokardiografiePrimäre Bildgebung (prä- und postnatal)Bestimmt Anzahl, Sitz, Größe, Echogenität und Hämodynamik.
Kardiale MRTArtspezifische DiagnoseDifferenzierung der Gewebeeigenschaften (T1/T2, Perfusion, LGE). Indiziert bei unklaren singulären Tumoren.
EKGErfassung von ArrhythmienWichtig zur Detektion von Tachykardien, AV-Blöcken oder Ischämiezeichen.
Kardiale CTAlternative zur MRTHohe räumliche Auflösung, Darstellung von Kalzifikationen, wichtig für präoperative Planung.

Therapie

Die Entscheidung zur Therapie ist hochindividuell und richtet sich nach Tumorart, Lokalisation und Symptomatik.

Medikamentöse Therapie

  • Antiarrhythmika: Bei hämodynamisch relevanten Tachyarrhythmien (z. B. Amiodaron bei Fibromen).
  • Herzinsuffizienztherapie: Antikongestive Maßnahmen bei myokardialer Insuffizienz.
  • Everolimus: Bei hämodynamisch relevanten Rhabdomyomen im Neugeborenen- und Säuglingsalter kann dieser Rapamycin-Inhibitor eine überproportional rasche Größenreduktion bewirken.

Operative Therapie

Die häufigste Indikation für einen chirurgischen Eingriff ist das Auftreten klinischer Symptome (schwere Obstruktion, rezidivierende Ergüsse, Arrhythmien).

  • Dringende Operationsindikation: Besteht bei Tumoren mit hohem Embolierisiko, wie dem Myxom oder dem papillären Fibroelastom.
  • Zurückhaltende Indikation: Bei Rhabdomyomen, da diese eine hohe Spontanremissionsrate aufweisen. Hier wird meist nur bei schwerer Symptomatik operiert.
  • Maligne Tumoren: Erfordern eine interdisziplinäre onkologische Anbindung. Eine adjuvante Tumortherapie (Bestrahlung/Chemotherapie) ist neben der chirurgischen Resektion immer notwendig.

💡Praxis-Tipp

Leiten Sie bei der pränatalen oder postnatalen Diagnose multipler Rhabdomyome stets eine Diagnostik auf Tuberöse Sklerose ein. Stellen Sie die OP-Indikation bei Rhabdomyomen aufgrund der hohen Spontanremissionsrate (ca. 80 %) sehr streng und prüfen Sie medikamentöse Alternativen wie Everolimus.

Häufig gestellte Fragen

Das Rhabdomyom ist mit einem Anteil von 60-80 % der mit Abstand häufigste primäre Herztumor im Kindesalter.
Eine Operation ist nur bei schweren klinischen Symptomen wie hämodynamisch relevanter Obstruktion oder lebensbedrohlichen Arrhythmien indiziert, da Rhabdomyome in ca. 80 % der Fälle spontan regredient sind.
Tumoren mit hohem Embolierisiko, wie das Myxom oder das papilläre Fibroelastom, stellen eine eindeutige und dringende Operationsindikation dar.
Bei hämodynamisch relevanten Rhabdomyomen im Neugeborenen- und Säuglingsalter kann der Rapamycin-Inhibitor Everolimus zu einer raschen Größenreduktion der Tumoren führen.
In 70-90 % der Fälle sind Rhabdomyome mit der Tuberösen Sklerose vergesellschaftet.

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