Hepatitis-C-Infektion: Leitlinie (AWMF)
📋Auf einen Blick
- •Das Screening erfolgt mittels Anti-HCV-Test, positive Befunde müssen durch einen HCV-RNA-Nachweis bestätigt werden.
- •Bei Nadelstichverletzungen ist keine Postexpositionsprophylaxe (PEP) indiziert.
- •Vor einer Therapie muss das Fibrosestadium (z.B. mittels Elastografie oder Biopsie) bestimmt werden.
- •Allen Patienten mit chronischer HCV-Infektion soll eine antivirale Therapie angeboten werden.
- •Eine dringliche Therapieindikation besteht bei fortgeschrittener Fibrose (F3) oder kompensierter Zirrhose.
Hintergrund
Die chronische Hepatitis-C-Virus (HCV)-Infektion führt in der Mehrzahl der Fälle zu einer langsam progredienten Lebererkrankung. Sie reduziert die Lebensqualität und ist mit einer erhöhten Morbidität und Letalität assoziiert. Diese ist sowohl durch hepatische Komplikationen (Leberzirrhose, hepatozelluläres Karzinom [HCC]) als auch durch extrahepatische Manifestationen bedingt.
| Betroffenes System | Häufige extrahepatische Manifestationen |
|---|---|
| Endokrin | Insulinresistenz, Diabetes mellitus Typ 2, Autoimmune Schilddrüsenerkrankungen |
| Rheumatologisch | Gemischte Kryoglobulinämie, Sicca-Syndrom, rheumatoide Beschwerden |
| Hämatologisch | B-Zell-Non-Hodgkin-Lymphome (NHL) |
| ZNS | Fatigue, Depressionen, kognitive Störungen |
Screening und Risikogruppen
Ein HCV-Screening soll gezielt bei definierten Risikogruppen erfolgen.
| Indikation zum Screening | Bemerkung |
|---|---|
| Klinische Zeichen | Erhöhte Transaminasen, Zeichen einer Lebererkrankung |
| Iatrogene Risiken | Empfänger von Blut/Organen vor 1992, Hämodialyse-Patienten |
| Verhalten & Milieu | i.v./nasaler Drogenkonsum, Haftinsassen, Tätowierungen/Piercings |
| Ko-Infektionen | HIV- und/oder HBV-Infizierte |
| Kontaktpersonen | Haushalts-/Sexualpartner von HCV-Infizierten, Kinder HCV-positiver Mütter |
Diagnostik
Die virologische Diagnostik erfolgt stufenweise:
- Suchtest: Bestimmung von Anti-HCV mittels Immunoassay.
- Bestätigung: Positive Befunde müssen zur Sicherung der Diagnose durch einen HCV-RNA-Nachweis (PCR) verifiziert werden (Empfehlungsgrad A).
- Sonderfälle: Bei Immunkompromittierten, Verdacht auf akute Infektion oder Re-Infektion soll direkt die HCV-RNA bestimmt werden, da Antikörper fehlen oder verzögert gebildet werden können.
- Vor Therapie: Bestimmung des HCV-Genotyps (bei Genotyp 1 inkl. Subtyp 1a/1b) sowie der HCV-RNA-Konzentration.
Zur Beurteilung der Prognose und Therapieplanung muss bei jedem Patienten der Grad der Leberfibrose bestimmt werden (z.B. mittels Elastografie oder Leberbiopsie).
Vorgehen nach Nadelstichverletzung
Das Übertragungsrisiko nach einer Nadelstichverletzung liegt bei ca. 0,4 %.
| Zeitpunkt | Maßnahme | Bemerkung |
|---|---|---|
| Sofort | Anti-HCV und ALT bestimmen | Keine Postexpositionsprophylaxe (PEP) durchführen! |
| Woche 2-4 | HCV-RNA bestimmen | Bei negativem Befund ggf. nach 6-8 Wochen wiederholen |
| Woche 12 & 24 | Anti-HCV und ALT bestimmen | Bei pathologischen Werten HCV-RNA anschließen |
Therapieindikation
Grundsätzlich soll allen Patienten mit chronischer Hepatitis C eine antivirale Therapie angeboten werden. Erhöhte Transaminasen oder der Nachweis einer Fibrose sind keine notwendigen Voraussetzungen für die Indikationsstellung.
| Patientengruppe | Therapieempfehlung |
|---|---|
| Chronische HCV-Infektion | Therapieangebot für alle Patienten (Empfehlungsgrad A) |
| Fortgeschrittene Fibrose (F3) / Zirrhose | Dringliche Behandlungsindikation |
| Dekompensierte Zirrhose (Child B/C) | Therapie in Absprache mit Transplantationszentrum |
| HCC | Bei kurativem Ansatz Therapie anstreben; palliativ individuelle Entscheidung |
| Drogenkonsum / Substitution | Keine Kontraindikation; interdisziplinäre Betreuung empfohlen |
| Akute Hepatitis C | Meist Spontanverlauf abwarten; Therapie nur in Ausnahmefällen (z.B. Nadelstich) |
💡Praxis-Tipp
Führen Sie bei immunkompromittierten Patienten zum HCV-Screening immer direkt eine HCV-RNA-Bestimmung durch, da Anti-HCV-Antikörper bei diesen Patienten fehlen oder stark verzögert gebildet werden können.