Hepatitis-C-Infektion: Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Das Screening erfolgt mittels Anti-HCV-Test, positive Befunde müssen durch einen HCV-RNA-Nachweis bestätigt werden.
  • Bei Nadelstichverletzungen ist keine Postexpositionsprophylaxe (PEP) indiziert.
  • Vor einer Therapie muss das Fibrosestadium (z.B. mittels Elastografie oder Biopsie) bestimmt werden.
  • Allen Patienten mit chronischer HCV-Infektion soll eine antivirale Therapie angeboten werden.
  • Eine dringliche Therapieindikation besteht bei fortgeschrittener Fibrose (F3) oder kompensierter Zirrhose.
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Hintergrund

Die chronische Hepatitis-C-Virus (HCV)-Infektion führt in der Mehrzahl der Fälle zu einer langsam progredienten Lebererkrankung. Sie reduziert die Lebensqualität und ist mit einer erhöhten Morbidität und Letalität assoziiert. Diese ist sowohl durch hepatische Komplikationen (Leberzirrhose, hepatozelluläres Karzinom [HCC]) als auch durch extrahepatische Manifestationen bedingt.

Betroffenes SystemHäufige extrahepatische Manifestationen
EndokrinInsulinresistenz, Diabetes mellitus Typ 2, Autoimmune Schilddrüsenerkrankungen
RheumatologischGemischte Kryoglobulinämie, Sicca-Syndrom, rheumatoide Beschwerden
HämatologischB-Zell-Non-Hodgkin-Lymphome (NHL)
ZNSFatigue, Depressionen, kognitive Störungen

Screening und Risikogruppen

Ein HCV-Screening soll gezielt bei definierten Risikogruppen erfolgen.

Indikation zum ScreeningBemerkung
Klinische ZeichenErhöhte Transaminasen, Zeichen einer Lebererkrankung
Iatrogene RisikenEmpfänger von Blut/Organen vor 1992, Hämodialyse-Patienten
Verhalten & Milieui.v./nasaler Drogenkonsum, Haftinsassen, Tätowierungen/Piercings
Ko-InfektionenHIV- und/oder HBV-Infizierte
KontaktpersonenHaushalts-/Sexualpartner von HCV-Infizierten, Kinder HCV-positiver Mütter

Diagnostik

Die virologische Diagnostik erfolgt stufenweise:

  • Suchtest: Bestimmung von Anti-HCV mittels Immunoassay.
  • Bestätigung: Positive Befunde müssen zur Sicherung der Diagnose durch einen HCV-RNA-Nachweis (PCR) verifiziert werden (Empfehlungsgrad A).
  • Sonderfälle: Bei Immunkompromittierten, Verdacht auf akute Infektion oder Re-Infektion soll direkt die HCV-RNA bestimmt werden, da Antikörper fehlen oder verzögert gebildet werden können.
  • Vor Therapie: Bestimmung des HCV-Genotyps (bei Genotyp 1 inkl. Subtyp 1a/1b) sowie der HCV-RNA-Konzentration.

Zur Beurteilung der Prognose und Therapieplanung muss bei jedem Patienten der Grad der Leberfibrose bestimmt werden (z.B. mittels Elastografie oder Leberbiopsie).

Vorgehen nach Nadelstichverletzung

Das Übertragungsrisiko nach einer Nadelstichverletzung liegt bei ca. 0,4 %.

ZeitpunktMaßnahmeBemerkung
SofortAnti-HCV und ALT bestimmenKeine Postexpositionsprophylaxe (PEP) durchführen!
Woche 2-4HCV-RNA bestimmenBei negativem Befund ggf. nach 6-8 Wochen wiederholen
Woche 12 & 24Anti-HCV und ALT bestimmenBei pathologischen Werten HCV-RNA anschließen

Therapieindikation

Grundsätzlich soll allen Patienten mit chronischer Hepatitis C eine antivirale Therapie angeboten werden. Erhöhte Transaminasen oder der Nachweis einer Fibrose sind keine notwendigen Voraussetzungen für die Indikationsstellung.

PatientengruppeTherapieempfehlung
Chronische HCV-InfektionTherapieangebot für alle Patienten (Empfehlungsgrad A)
Fortgeschrittene Fibrose (F3) / ZirrhoseDringliche Behandlungsindikation
Dekompensierte Zirrhose (Child B/C)Therapie in Absprache mit Transplantationszentrum
HCCBei kurativem Ansatz Therapie anstreben; palliativ individuelle Entscheidung
Drogenkonsum / SubstitutionKeine Kontraindikation; interdisziplinäre Betreuung empfohlen
Akute Hepatitis CMeist Spontanverlauf abwarten; Therapie nur in Ausnahmefällen (z.B. Nadelstich)

💡Praxis-Tipp

Führen Sie bei immunkompromittierten Patienten zum HCV-Screening immer direkt eine HCV-RNA-Bestimmung durch, da Anti-HCV-Antikörper bei diesen Patienten fehlen oder stark verzögert gebildet werden können.

Häufig gestellte Fragen

Bestimmen Sie sofort Anti-HCV und ALT beim Exponierten. Eine Postexpositionsprophylaxe (PEP) wird nicht empfohlen. Nach 2-4 Wochen sollte eine HCV-RNA-Bestimmung erfolgen.
Die akute Hepatitis C stellt im Allgemeinen keine Therapieindikation dar, da oft eine spontane Ausheilung abgewartet werden kann. In besonderen Fällen (z.B. Nadelstichverletzung bei medizinischem Personal) kann eine Interferon-freie Therapie erwogen werden.
Ein völliges Verbot verletzungsträchtiger Tätigkeiten ist nicht gerechtfertigt. Bei einer Viruslast ≤ 10^3 IU/l ist eine Einschränkung nicht gerechtfertigt. Bei höheren Viruslasten sollte ein Expertengremium über den Einsatz entscheiden.
Nein, Drogenabhängigkeit oder eine laufende Substitutionstherapie stellen per se keine Kontraindikation dar. Die Indikation sollte unter Berücksichtigung der Therapieadhärenz interdisziplinär gestellt werden.
In einer stabilen heterosexuellen Partnerschaft ist der Kondomgebrauch nicht zwingend notwendig, da das Übertragungsrisiko extrem gering ist. Empfohlen werden Kondome jedoch bei Menstruation, verletzungsintensiven Praktiken, MSM oder HIV-Koinfektion.

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