Kardiorenales Risiko: CCS-Leitlinie zu SGLT2i & GLP-1RA

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf CCS Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • SGLT2-Inhibitoren werden bei Herzinsuffizienz (unabhängig von der LVEF) zur Reduktion von Hospitalisierungen stark empfohlen.
  • Bei chronischer Nierenerkrankung (CKD) senken SGLT2-Inhibitoren das Risiko für Nierenversagen und Mortalität signifikant.
  • Patienten mit Typ-2-Diabetes und kardiovaskulären Risikofaktoren profitieren von GLP-1-Rezeptor-Agonisten oder SGLT2-Inhibitoren zur MACE-Reduktion.
  • Vor Therapiebeginn müssen eGFR, UACR und HbA1c bestimmt sowie die LVEF bei Herzinsuffizienz-Symptomen dokumentiert werden.
Frage zu dieser Leitlinie stellen...

Hintergrund

Die Leitlinie der Canadian Cardiovascular Society (CCS) aus dem Jahr 2023 bietet praxisnahe Empfehlungen zum Einsatz von SGLT2-Inhibitoren (SGLT2i) und GLP-1-Rezeptor-Agonisten (GLP-1RA) zur kardiorenalen Risikoreduktion bei Erwachsenen. Ziel ist die strukturierte Integration dieser Substanzklassen in den klinischen Alltag bei Patienten mit Herzinsuffizienz (HF), chronischer Nierenerkrankung (CKD) oder Typ-2-Diabetes (T2D).

Screening und Diagnostik

Kardiologen und behandelnde Ärzte werden ermutigt, den renalen und glykämischen Status systematisch zu erheben. Bei Symptomen einer Herzinsuffizienz sollte die linksventrikuläre Ejektionsfraktion (LVEF) dokumentiert werden.

  • Bestimmung der geschätzten glomerulären Filtrationsrate (eGFR)
  • Messung der Urin-Albumin-Kreatinin-Ratio (UACR)
  • Kontrolle des HbA1c-Wertes (A1C)

Therapieempfehlungen nach Indikation

Die CCS spricht für verschiedene Patientengruppen starke Empfehlungen (bei moderater Evidenzqualität) aus:

IndikationTherapieKlinisches ZielEmpfehlungsgrad
Herzinsuffizienz (LVEF ≤ 40%)SGLT2iReduktion von Mortalität, HF-Hospitalisierung und CKD-ProgressionStark
Herzinsuffizienz (LVEF > 40%)SGLT2iReduktion der HF-HospitalisierungStark
CKD (UACR > 20 mg/mmol, eGFR ≥ 25)SGLT2iReduktion von CKD-Progression, Mortalität, Myokardinfarkt und HF-HospitalisierungStark
T2D + ASCVD (oder multiple Risikofaktoren)GLP-1RA oder SGLT2iReduktion von Gesamtmortalität, kardiovaskulärer Mortalität oder MACEStark
T2D + ASCVD (oder multiple Risikofaktoren)SGLT2iReduktion von HF-Hospitalisierung und CKD-ProgressionStark
T2D + ASCVD (oder multiple Risikofaktoren)GLP-1RAReduktion von nicht-tödlichen SchlaganfällenStark

Hinweis: Bei Patienten mit hohem Schlaganfallrisiko oder stattgehabter TIA/Schlaganfall sollte initial ein GLP-1RA integriert werden.

SGLT2-Inhibitoren: Dosierung und Kontraindikationen

WirkstoffStartdosiseGFR-Grenze für InitiierungKontraindikationen / Warnhinweise
Dapagliflozin10 mg/TagNicht starten bei eGFR < 25 ml/min/1,73m²Dialyse, Volumenmangel, Hypotonie (< 95 mmHg)
Empagliflozin10 mg/TagKontraindiziert bei eGFR < 20 ml/min/1,73m²Dialyse, aktive genitale Mykose, DKA
Canagliflozin100 mg/TagNicht starten bei eGFR < 30 ml/min/1,73m²Dialyse, kritische Beinischämie (CLI) in der Anamnese

Dosisanpassungen bei Begleitmedikation:

  • Schleifendiuretika: Bei Volumenmangel Dosis um 30-50 % reduzieren.
  • Insulin / Insulinsekretagoga: Bei einem HbA1c ≤ 8,0 % sollte die Insulindosis um 10-20 % und die Dosis der Sekretagoga um 50 % reduziert werden, um Hypoglykämien zu vermeiden.

GLP-1-Rezeptor-Agonisten: Dosierung und Praxis

WirkstoffDosierungsschema
Dulaglutid0,75 mg ODER 1,5 mg s.c. wöchentlich
Liraglutid0,6 mg/Tag (Woche 1), dann 1,2 mg/Tag (Woche 2), Erhaltungsdosis 1,8 mg/Tag s.c.
Semaglutid (s.c.)0,25 mg wöchentlich (4 Wochen), dann 0,5 mg (4 Wochen), Erhaltungsdosis 1,0 mg wöchentlich
Semaglutid (oral)3 mg/Tag (30 Tage), dann 7 mg/Tag (30 Tage), Erhaltungsdosis 14 mg/Tag

Vorsichtsmaßnahmen für GLP-1RA:

  • Eigene oder familiäre Anamnese eines medullären Schilddrüsenkarzinoms oder MEN 2
  • Typ-1-Diabetes (T1D)
  • Anamnese von Pankreatitis oder Pankreaskarzinom

Nebenwirkungsmanagement

Die Aufklärung und das Management von Nebenwirkungen sichern die Therapieadhärenz:

  • Genitale Mykosen (SGLT2i): Aufklärung über Genitalhygiene. Ggf. präventive Verschreibung eines Antimykotikums bei Therapiebeginn.
  • Volumenmangel (SGLT2i): Auf ausreichende Hydratation achten. Pausieren bei akuter Erkrankung (SADMANS-Regel) oder vor Operationen (2-3 Tage vorher).
  • Gastrointestinale Beschwerden (GLP-1RA): Meist transient. Langsame Dosistitration, kleinere Mahlzeiten, Verzicht auf scharfe Speisen.

💡Praxis-Tipp

Pausieren Sie SGLT2-Inhibitoren bei akuten dehydrierenden Erkrankungen oder 2-3 Tage vor geplanten Operationen, um das Risiko einer diabetischen Ketoazidose (DKA) zu minimieren. Reduzieren Sie zudem bei Patienten mit einem HbA1c ≤ 8,0 % die Dosis von Insulin (um 10-20 %) oder Insulinsekretagoga (um 50 %) bei Initiierung eines SGLT2i oder GLP-1RA.

Häufig gestellte Fragen

Dapagliflozin sollte bei einer eGFR < 25, Empagliflozin bei < 20 und Canagliflozin bei < 30 ml/min/1,73m² nicht neu initiiert werden.
Die Leitlinie spricht eine starke Empfehlung für SGLT2-Inhibitoren aus, um Hospitalisierungen wegen Herzinsuffizienz zu reduzieren.
Durch eine langsame Dosistitration, kleinere Mahlzeiten, das Beenden der Nahrungsaufnahme bei Sättigung und den Verzicht auf scharfe Speisen.
Bei Anzeichen eines Volumenmangels sollte die Dosis des Schleifendiuretikums um 30 bis 50 % reduziert werden.

Verwandte Leitlinien