Strahlentherapie bei CIED/Herzschrittmacher: Leitlinie (DGK)
📋Auf einen Blick
- •Die Strahlenenergie sollte bei CIED-Patienten auf 6 (bis maximal 10) MV limitiert werden.
- •Der Herzschrittmacher oder ICD darf niemals im direkten Strahlengang liegen.
- •Die kumulative Streustrahlendosis am Gerät sollte 2 Gy nicht überschreiten.
- •Bei ICD-Patienten muss die antitachyarrhythmische Therapie während der Bestrahlung zwingend pausiert werden.
- •Nach Abschluss der Strahlentherapie sind CIED-Abfragen nach 1, 3 und 6 Monaten erforderlich, um Latenzschäden zu erkennen.
Hintergrund
Die Strahlentherapie (RT) bei Patienten mit kardialen implantierten elektronischen Geräten (CIED), wie Herzschrittmachern (PM) und implantierbaren Kardioverter-Defibrillatoren (ICD), birgt spezifische Risiken. Ionisierende Strahlung kann die in modernen Geräten verbauten CMOS-Halbleiter und RAM-Speicher beschädigen. Dies kann zu temporären oder permanenten Fehlfunktionen führen.
| Potenzieller Fehler durch ionisierende Strahlung | Herzschrittmacher | ICD |
|---|---|---|
| Veränderte Stimulation (Amplitude, Frequenz) | Ja | Ja |
| Verändertes Sensing (Over-/Undersensing) | Ja | Ja |
| Inhibition der Stimulation (Pause, Asystolie) | Ja | Ja |
| Vorzeitige Batterieerschöpfung | Ja | Ja |
| Inhibition der antitachyarrhythmischen Therapie | Nein | Ja |
| Inadäquate (Schock-)Therapie | Nein | Ja |
| Kompletter Funktionsverlust | Ja | Ja |
Risikostratifizierung
Das Risiko für eine klinisch relevante Interaktion hängt von der kumulativen Strahlendosis am CIED und patientenspezifischen Faktoren ab. Die Strahlenenergie sollte generell auf 6 (bis maximal 10) MV limitiert werden, da höhere Energien vermehrt schädliche Sekundärneutronen produzieren. Das CIED darf niemals direkt im Strahlengang liegen.
| Risiko-Kategorie | Dosis < 2 Gy | Dosis 2-10 Gy | Dosis > 10 Gy |
|---|---|---|---|
| Herzschrittmacher (PM) | |||
| Nicht PM-abhängig | Niedrig | Mittel | Hoch |
| PM-abhängig | Mittel | Hoch | Hoch |
| ICD | |||
| Ohne stattgehabte VT/Kammerflimmern | Niedrig | Mittel | Hoch |
| Mit stattgehabter VT/Kammerflimmern | Mittel | Hoch | Hoch |
Maßnahmen vor der Strahlentherapie
- Kardiologische Vorstellung: Abfrage des CIED, Dokumentation der Parameter, Prüfung der Schrittmacher-Abhängigkeit und Batteriekapazität.
- Bestrahlungsplanung: Das CIED im Planungs-CT erfassen. Dosis am CIED berechnen (Ziel: < 2 Gy).
- Aufklärung: Patient über Risiken (inkl. möglichem Geräteaustausch) und Symptome wie Schwindel oder Synkopen aufklären.
Maßnahmen während der Strahlentherapie
- Dosisverifikation: Messung der Dosis am CIED während der ersten Fraktion.
- ICD-Patienten: Die antitachyarrhythmische Therapie (ATA) muss zwingend pausiert werden (durch Umprogrammierung oder Magnetauflage).
- PM-abhängige Patienten: Asynchrone Stimulation (VOO, DOO, AOO) erwägen.
- Überwachung: Kontinuierlicher audiovisueller Kontakt. Bei Hochrisikopatienten und deaktivierter ATA-Therapie ist ein kontinuierliches EKG- und SpO2-Monitoring erforderlich.
- Notfallbereitschaft: Personal muss in Basic Life Support (BLS) geschult sein. Ein externer Defibrillator muss sofort verfügbar sein, ein Reanimationsteam innerhalb von 5 Minuten.
Maßnahmen nach der Strahlentherapie
- Unmittelbar: Erneute Abfrage und Reprogrammierung der ursprünglichen Einstellungen (Reaktivierung der ATA-Therapie beim ICD).
- Nachsorge: Aufgrund des Risikos für Latenzschäden müssen CIEDs 1, 3 und 6 Monate nach Abschluss der RT routinemäßig kontrolliert werden.
- Geräteaustausch: Bei signifikanten Defekten muss das CIED ausgetauscht werden, auch wenn sich die Funktion vorübergehend wieder erholt.
💡Praxis-Tipp
Deaktivieren Sie bei ICD-Patienten die antitachyarrhythmische Therapie zwingend vor jeder Bestrahlungsfraktion (z. B. durch Magnetauflage) und überwachen Sie den Patienten währenddessen kontinuierlich per EKG.