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Strahlentherapie bei CIED/Herzschrittmacher: Leitlinie (DGK)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie) Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Strahlenenergie sollte bei CIED-Patienten auf 6 (bis maximal 10) MV limitiert werden.
  • Der Herzschrittmacher oder ICD darf niemals im direkten Strahlengang liegen.
  • Die kumulative Streustrahlendosis am Gerät sollte 2 Gy nicht überschreiten.
  • Bei ICD-Patienten muss die antitachyarrhythmische Therapie während der Bestrahlung zwingend pausiert werden.
  • Nach Abschluss der Strahlentherapie sind CIED-Abfragen nach 1, 3 und 6 Monaten erforderlich, um Latenzschäden zu erkennen.
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Hintergrund

Die Strahlentherapie (RT) bei Patienten mit kardialen implantierten elektronischen Geräten (CIED), wie Herzschrittmachern (PM) und implantierbaren Kardioverter-Defibrillatoren (ICD), birgt spezifische Risiken. Ionisierende Strahlung kann die in modernen Geräten verbauten CMOS-Halbleiter und RAM-Speicher beschädigen. Dies kann zu temporären oder permanenten Fehlfunktionen führen.

Potenzieller Fehler durch ionisierende StrahlungHerzschrittmacherICD
Veränderte Stimulation (Amplitude, Frequenz)JaJa
Verändertes Sensing (Over-/Undersensing)JaJa
Inhibition der Stimulation (Pause, Asystolie)JaJa
Vorzeitige BatterieerschöpfungJaJa
Inhibition der antitachyarrhythmischen TherapieNeinJa
Inadäquate (Schock-)TherapieNeinJa
Kompletter FunktionsverlustJaJa

Risikostratifizierung

Das Risiko für eine klinisch relevante Interaktion hängt von der kumulativen Strahlendosis am CIED und patientenspezifischen Faktoren ab. Die Strahlenenergie sollte generell auf 6 (bis maximal 10) MV limitiert werden, da höhere Energien vermehrt schädliche Sekundärneutronen produzieren. Das CIED darf niemals direkt im Strahlengang liegen.

Risiko-KategorieDosis < 2 GyDosis 2-10 GyDosis > 10 Gy
Herzschrittmacher (PM)
Nicht PM-abhängigNiedrigMittelHoch
PM-abhängigMittelHochHoch
ICD
Ohne stattgehabte VT/KammerflimmernNiedrigMittelHoch
Mit stattgehabter VT/KammerflimmernMittelHochHoch

Maßnahmen vor der Strahlentherapie

  • Kardiologische Vorstellung: Abfrage des CIED, Dokumentation der Parameter, Prüfung der Schrittmacher-Abhängigkeit und Batteriekapazität.
  • Bestrahlungsplanung: Das CIED im Planungs-CT erfassen. Dosis am CIED berechnen (Ziel: < 2 Gy).
  • Aufklärung: Patient über Risiken (inkl. möglichem Geräteaustausch) und Symptome wie Schwindel oder Synkopen aufklären.

Maßnahmen während der Strahlentherapie

  • Dosisverifikation: Messung der Dosis am CIED während der ersten Fraktion.
  • ICD-Patienten: Die antitachyarrhythmische Therapie (ATA) muss zwingend pausiert werden (durch Umprogrammierung oder Magnetauflage).
  • PM-abhängige Patienten: Asynchrone Stimulation (VOO, DOO, AOO) erwägen.
  • Überwachung: Kontinuierlicher audiovisueller Kontakt. Bei Hochrisikopatienten und deaktivierter ATA-Therapie ist ein kontinuierliches EKG- und SpO2-Monitoring erforderlich.
  • Notfallbereitschaft: Personal muss in Basic Life Support (BLS) geschult sein. Ein externer Defibrillator muss sofort verfügbar sein, ein Reanimationsteam innerhalb von 5 Minuten.

Maßnahmen nach der Strahlentherapie

  • Unmittelbar: Erneute Abfrage und Reprogrammierung der ursprünglichen Einstellungen (Reaktivierung der ATA-Therapie beim ICD).
  • Nachsorge: Aufgrund des Risikos für Latenzschäden müssen CIEDs 1, 3 und 6 Monate nach Abschluss der RT routinemäßig kontrolliert werden.
  • Geräteaustausch: Bei signifikanten Defekten muss das CIED ausgetauscht werden, auch wenn sich die Funktion vorübergehend wieder erholt.

💡Praxis-Tipp

Deaktivieren Sie bei ICD-Patienten die antitachyarrhythmische Therapie zwingend vor jeder Bestrahlungsfraktion (z. B. durch Magnetauflage) und überwachen Sie den Patienten währenddessen kontinuierlich per EKG.

Häufig gestellte Fragen

Die kumulative Streustrahlendosis am Gerät sollte 2 Gy nicht überschreiten. Das Gerät darf niemals im direkten Strahlengang liegen.
Die Strahlenenergie sollte auf 6 MV (maximal 10 MV) limitiert werden, um die Entstehung von schädlichen Sekundärneutronen zu minimieren.
Aufgrund möglicher Latenzschäden muss das Gerät 1, 3 und 6 Monate nach der letzten Bestrahlung kardiologisch abgefragt werden.
Die antitachyarrhythmische Therapie muss pausiert werden. Der Patient benötigt ein kontinuierliches EKG-Monitoring und ein externer Defibrillator muss griffbereit sein.

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