Infarkt-bedingter Kardiogener Schock: S3-Leitlinie (DGK)
📋Auf einen Blick
- •Die frühestmögliche Revaskularisation (pPCI) der infarktverursachenden Läsion (Culprit Lesion) ist prognoseentscheidend.
- •Noradrenalin ist der Vasopressor der Wahl, Dobutamin das bevorzugte Inotropikum.
- •Dopamin soll zur Therapie des kardiogenen Schocks nicht angewendet werden.
- •Die routinemäßige Implantation einer IABP bei pPCI wird nicht mehr empfohlen.
- •Ein erweitertes hämodynamisches Monitoring (HZV-Messung) soll bei persistierendem Schock erfolgen.
Hintergrund
Der infarktbedingte kardiogene Schock (IKS) ist die häufigste intrahospitale Todesursache beim akuten Herzinfarkt. Die Diagnose erfordert neben dem Nachweis eines Myokardinfarkts (STEMI/NSTEMI) klinische und laborchemische Zeichen der Kreislaufzentralisation und Endorganhypoperfusion.
Diagnosekriterien des IKS:
| Kriterium | Definition |
|---|---|
| Hypotonie | Systolischer Blutdruck <90 mmHg für >30 min (oder Abfall >30 mmHg vom Ausgangswert) |
| Alternative | Vasopressoren/mechanische Unterstützung nötig, um RR >90 mmHg zu halten |
| Endorganhypoperfusion | Mindestens ein Zeichen: veränderter Bewusstseinszustand, kalte/blasse Extremitäten, Oligurie (<30 ml/h), Serumlaktat >2,0 mmol/l |
Diagnostik und Monitoring
Die Diagnostik muss unverzüglich und simultan zur Therapie erfolgen. Invasive Hämodynamikparameter sind für die initiale Diagnosestellung nicht notwendig.
- 12-Kanal-EKG: Soll innerhalb von 10 Minuten nach Aufnahme geschrieben werden.
- Echokardiographie: Fokussierte Untersuchung soll baldmöglichst erfolgen, ohne die Herzkatheteruntersuchung zu verzögern.
- Labor: Laktat und Laktatclearance sind wichtige Prognoseparameter. Ein Absinken innerhalb von 6-48h zeigt eine günstige Prognose an.
- Erweitertes Monitoring: Bei persistierendem Schock soll baldmöglichst das Herzzeitvolumen (HZV) zur Therapiesteuerung gemessen werden (z.B. PiCCO, PAK). Ziel ist ein mittlerer arterieller Druck (MAP) von ca. 65 mmHg.
Revaskularisation
Die frühestmögliche Wiederherstellung der Koronarperfusion ist der wichtigste Prädiktor für das Überleben.
- Methode der Wahl: Primäre perkutane Koronarintervention (pPCI).
- Zeitfenster: Bei initialem Schock sollte die Zeit von Diagnose bis pPCI <90 Minuten betragen.
- Mehrgefäßerkrankung: Es soll im Rahmen der Akutrevaskularisation nur die infarktverursachende Läsion ("culprit lesion") behandelt werden (Starke Empfehlung).
- Stents: Medikamentenbeschichtete Stents (DES) sollten bevorzugt werden.
- Fibrinolyse: Nur indiziert innerhalb von 6 Stunden, wenn eine pPCI nicht rechtzeitig verfügbar ist.
Medikamentöse Therapie
Bei Persistenz der Schocksymptomatik nach Revaskularisation muss die medikamentöse Kreislaufunterstützung etabliert werden.
| Medikament | Indikation / Empfehlung | Bemerkung |
|---|---|---|
| Noradrenalin | Vasopressor der Wahl (Sollte) | Zumeist effektive Anhebung des MAP. Bessere Prognose als Dopamin. |
| Dobutamin | Inotropikum der Wahl (Sollte) | Start mit 2-3 µg/kg/min, auftitrieren. |
| Levosimendan | Reserve-Inotropikum (Kann) | Bei unzureichendem Ansprechen auf Katecholamine. Bevorzugt vor PDE-III-Hemmern. |
| Dopamin | Kontraindiziert (Soll nicht) | Erhöhte Sterblichkeit und Nebenwirkungen. |
Begleittherapie:
- ASS (250-500 mg i.v. initial), P2Y12-Inhibitoren und Antikoagulation sollen verabreicht werden.
- Eine vorbestehende Betablocker-Therapie sollte in der initialen Schockphase pausiert werden.
Mechanische Herz-Kreislauf-Unterstützung
Die Empfehlungen zur mechanischen Unterstützung haben sich aufgrund neuerer Studiendaten (z.B. IABP-SHOCK II) gewandelt.
| System | Empfehlung | Indikation / Bemerkung |
|---|---|---|
| IABP | Sollte nicht routinemäßig eingesetzt werden | Kein Überlebensvorteil bei pPCI. Kann bei mechanischen Komplikationen (VSD, Mitralinsuffizienz) erwogen werden. |
| TMU (z.B. Impella, ECMO) | Kann erwogen werden | Bei progredienter Instabilität trotz Katecholaminen, sofern ein realistisches Therapieziel besteht. Implantation idealerweise ohne Verzögerung der Revaskularisation. |
💡Praxis-Tipp
Pausieren Sie eine vorbestehende Betablocker-Therapie in der initialen Schockphase. Setzen Sie bei Mehrgefäßerkrankungen im akuten Schockgeschehen primär nur den Stent in das infarktverursachende Gefäß (Culprit Lesion).