Clinician Scientists in der Kardiologie: DGK-Positionspapier
📋Auf einen Blick
- •Ein Clinician Scientist in der Kardiologie sollte zu mindestens 30 % (typischerweise 50 %) für Forschung freigestellt sein.
- •Die DGK empfiehlt verbindliche Freistellungen für 10-20 % der Ärzte in der Facharztweiterbildung an Universitätskliniken.
- •Forschungszeiten sollten bevorzugt am Stück (z. B. 3-6 Monate im Jahr) genommen werden.
- •Forschungsfreistellungen müssen passgenau in die Module der Facharztweiterbildung integriert werden.
- •Pro kardiologischer Abteilung sollten 1-3 eigenständige Professuren für wissenschaftliche Spezialgebiete geschaffen werden.
Hintergrund
Forschende Ärztinnen und Ärzte (Clinician Scientists) sind der Schlüssel für die Translation innovativer Therapiekonzepte in die klinische Praxis. Die moderne Kardiologie an Universitätskliniken ist jedoch durch Arbeitsverdichtung, steigende Fallzahlen und komplexe Interventionen geprägt. Dies erschwert die Integration wissenschaftlicher Tätigkeiten in den klinischen Alltag erheblich. Laut einer Umfrage der DGK haben nur etwa 10-15 % der Ärztinnen und Ärzte ohne berufene Professur eine vom Vorgesetzten garantierte Forschungszeit.
Definition: Clinician Scientist
Unter einem Clinician Scientist in der kardiovaskulären Medizin versteht die DGK:
- Qualifikation: Promovierte(r) Mediziner(in)
- Freistellung: Typischerweise 50 %, mindestens jedoch 30 % der Arbeitszeit für Forschung
- Forschungsart: Grundlagenforschung, klinische oder epidemiologische Forschung (Investigator Initiated Trials)
- Abgrenzung: Keine "Auftragsforschung" (Industriestudien als Prüfarzt) und Abgrenzung zum Medical Scientist (Vollzeit-Forscher ohne Patientenversorgung)
Empfehlungen zu Rahmenbedingungen
Um die Qualität der kardiovaskulären Forschung nachhaltig zu sichern, fordert die DGK verbindliche und strukturierte Freistellungen.
| Aspekt | Empfehlung | Bemerkung |
|---|---|---|
| Anteil der Ärzteschaft | 10-20 % | Bezogen auf Ärzte in der Facharztweiterbildung an Unikliniken |
| Umfang der Freistellung | Mindestens 30 % | Bezogen auf die Regelarbeitszeit |
| Struktur der Freistellung | Blockweise | Bevorzugt am Stück (z. B. 3-6 Monate im Jahr) |
| Finanzierung | Strukturierte Programme | Alternativ über Abteilungskosten (z. B. Landesmittel für Forschung und Lehre) |
Karriereperspektiven und Weiterbildung
Ein massives Problem stellt der "Drop-out" nach der Assistenzarztzeit dar. Oberärztinnen und Oberärzte haben mit durchschnittlich 12 % die geringste Zeit für Forschung über alle Qualifikationsstufen hinweg. Die DGK spricht daher folgende Kernempfehlungen aus:
- Integration in die Weiterbildung: Forschungsfreistellungen müssen passgenau in die Module der Facharztweiterbildung eingefasst werden.
- Anerkennung: Frühzeitige Abstimmung mit der Ärztekammer zur Anerkennung von Clinician Scientist-Tätigkeiten (z. B. als Rotationsäquivalent).
- Advanced Clinician Scientist-Programme: Strukturierte Förderung auch für spätere Karrierestadien (Senior Scientists), um Kontinuität zu gewährleisten.
- Zielpositionen schaffen: Etablierung von 1 bis 3 eigenständigen Universitätsprofessuren für wissenschaftliche Spezialgebiete pro Abteilung, verbunden mit der Leitung klinischer Sektionen.
- Tandemstrukturen: Gezielte Förderung der Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Naturwissenschaftlern.
💡Praxis-Tipp
Suchen Sie frühzeitig das Gespräch mit der zuständigen Ärztekammer, um die Anerkennung Ihrer Clinician Scientist-Tätigkeit (z. B. als Äquivalent einer Rotationszeit) für die Facharztweiterbildung Kardiologie zu klären.