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Terminale Herzinsuffizienz: MCS & HTx Leitlinie (DGK)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie) Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die 1-Jahres-Mortalität der terminalen Herzinsuffizienz liegt trotz Therapie bei 20–50 %.
  • Die rechtzeitige Evaluation für erweiterte Therapien sollte ab einer VO2max < 14 ml/min/kg erfolgen.
  • Der optimale klinische Korridor für eine dauerhafte MCS-Therapie (LVAD) liegt in den INTERMACS-Stadien 2–5.
  • Die Herztransplantation (HTx) bleibt der Goldstandard für geeignete Patienten ohne Kontraindikationen.
  • Eine irreversible pulmonale Hypertonie (PVR > 3 Wood Units) ist eine absolute Kontraindikation für die HTx.
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Hintergrund

Bis zu 10 % aller Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz entwickeln ein terminales Stadium. Trotz verbesserter medikamentöser und nichtpharmakologischer Therapien liegt die Einjahresmortalität in dieser Gruppe bei 20–50 %. Die rechtzeitige Indikationsstellung für eine mechanische Kreislaufunterstützung (MCS) oder Herztransplantation (HTx) ist essenziell und erfordert die Betreuung in einem spezialisierten Herzinsuffizienz-Zentrum.

Diagnostik und Evaluation

Die Basisdiagnostik zielt auf die Prognoseeinschätzung und Indikationsstellung ab. Eine Spiroergometrie ist hierbei zentral: Ab einer maximalen Sauerstoffaufnahme (VO2max) von < 14 ml/min/kg (bzw. < 12 ml/min/kg unter leitliniengerechter Therapie) verschlechtert sich die Prognose deutlich. Spätestens dann sollte eine Evaluation für HTx oder VAD erfolgen.

Weitere wichtige Untersuchungen:

  • Rechtsherzkatheter: Messung des pulmonalen Gefäßwiderstandes (PVR) und Testung der Reversibilität
  • Echokardiographie/MRT: Beurteilung der kardialen Schädigung und Rechts- vs. Linksherzversagen
  • Labor: NT-proBNP, Endorganparameter (Leber, Niere)
  • Psychosomatische Evaluation: Compliance, psychoemotionale Stabilität, soziale Unterstützung

INTERMACS-Klassifikation

Die INTERMACS-Klassifikation hilft bei der Indikationsstellung für MCS-Systeme. Der optimale klinische Korridor für eine dauerhafte MCS liegt in den Stadien 2–5.

ProfilBeschreibungZeitfenster für Intervention
1Kritischer kardiogener Schock ("crash and burn")Stunden
2Progressive Verschlechterung unter InotropikaTage
3Stabil unter InotropikatherapieWochen bis Monate
4Persistierende Symptome in Ruhe ("frequent flyer")Wochen bis Monate
5An die Häuslichkeit gebunden, belastungsintolerantVariabel
6Belastung eingeschränkt ("walking wounded")Variabel
7Fortgeschrittene NYHA-Klasse IIIHTx/LVAD nicht indiziert

Mechanische Kreislaufunterstützung (MCS)

Die MCS wird in kurzzeitige (z. B. Impella, ECLS) und dauerhafte Systeme (LVAD) unterteilt. Kurzzeit-Systeme dienen der akuten Stabilisierung im kardiogenen Schock (INTERMACS 1 und 2).

Dauerhafte LVAD-Systeme (z. B. HeartMate 3) zeigen mittlerweile eine 2-Jahres-Überlebensrate von ca. 85,5 %, was mit den Ergebnissen nach HTx vergleichbar ist.

Evaluationskriterien für eine LVAD-Implantation:

ParameterKriterium
EjektionsfraktionLVEF < 25 %
SpiroergometrieVO2max < 12 ml/kg/min (oder < 50 % des Vorhersagewertes)
HospitalisierungMindestens 2 Herzinsuffizienzhospitalisierungen in 12 Monaten
HämodynamikInotropikaabhängigkeit oder PAWP > 20 mmHg bei SBP < 90 mmHg
EndorganeProgressive Endorgandysfunktion (Niere, Leber, kardiale Kachexie)

Herztransplantation (HTx)

Die HTx bleibt der Goldstandard für Patienten ohne Kontraindikationen. Das mediane Langzeitüberleben liegt bei 12,5 Jahren. Die Allokation erfolgt über EUROTRANSPLANT, wobei hochdringliche Patienten (HU-Status) priorisiert werden.

Kontraindikationen für eine HTx:

ArtKontraindikation
AbsolutIrreversible pulmonale Hypertonie (PVR > 3 Wood Units)
AbsolutSchwere pAVK
AbsolutSystemische Erkrankung mit Multiorganerkrankung
AbsolutAktiver Alkohol- oder Drogenabusus, Rauchen
AbsolutAktive neoplastische Erkrankung
RelativBMI > 35 kg/m²
RelativIrreversible Nierendysfunktion (eGFR < 30 ml/min)

Begleittherapien

  • Inotropika: Zur Überbrückung oder Palliation (z. B. Levosimendan zur Reduktion der Belastungsintoleranz).
  • ICD/CRT: Vorhandene ICDs werden bei LVAD-Implantation meist belassen. Bei inadäquaten Schocks durch Interferenzen muss eine Deaktivierung erwogen werden.
  • Antiarrhythmika: Amiodaron ist das Mittel der Wahl bei ventrikulären Tachykardien. Bei Therapieversagen kann Mexiletin ergänzt oder eine Katheterablation erwogen werden.

💡Praxis-Tipp

Überweisen Sie Patienten mit terminaler Herzinsuffizienz frühzeitig an ein Referenzzentrum. Ein Abfall der maximalen Sauerstoffaufnahme (VO2max) auf < 14 ml/min/kg in der Spiroergometrie ist ein wichtiges Warnsignal für die zeitnahe Evaluation.

Häufig gestellte Fragen

Der optimale klinische Korridor liegt in den INTERMACS-Stadien 2 bis 5, bevor manifeste irreversible Endorganschäden auftreten.
Eine pharmakologisch irreversible pulmonale Hypertonie mit einem pulmonalen Gefäßwiderstand (PVR) von > 3 Wood Units stellt eine absolute Kontraindikation dar.
Mit modernen Systemen (z. B. HeartMate 3) liegt die 2-Jahres-Überlebensrate bei ca. 85,5 % und ist damit vergleichbar mit der Überlebensrate nach einer Herztransplantation.
Ja, in der Regel werden implantierte ICD-Systeme belassen. Bei inadäquaten Schocks durch elektromagnetische Interferenzen muss jedoch eine Deaktivierung erwogen werden.

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