Asthma: GINA-Leitlinie 2024 (Diagnostik & Therapie)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf GINA Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Asthma wird durch variable respiratorische Symptome und eine variable exspiratorische Atemflusslimitierung definiert.
  • Die Diagnose muss vor Beginn einer ICS-Therapie durch Spirometrie oder PEF-Messung objektiviert werden.
  • Track 1 (bevorzugt) nutzt ICS-Formoterol als Bedarfsmedikation, Track 2 nutzt SABA in Kombination mit ICS.
  • Bei Erwachsenen gilt eine Reversibilität von ≥12 % und ≥200 ml in der FEV1 oder FVC als diagnostisch.
  • Bei der Verordnung von Montelukast muss über mögliche neuropsychiatrische Nebenwirkungen aufgeklärt werden.
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Hintergrund

Asthma ist eine heterogene Erkrankung, die meist durch eine chronische Atemwegsentzündung gekennzeichnet ist. Sie definiert sich über eine Anamnese variabler respiratorischer Symptome (Giemen, Atemnot, Engegefühl in der Brust und Husten) in Kombination mit einer variablen exspiratorischen Atemflusslimitierung.

Es werden verschiedene klinische Asthma-Phänotypen unterschieden:

  • Allergisches Asthma: Oft Beginn in der Kindheit, assoziiert mit allergischen Erkrankungen (Ekzem, allergische Rhinitis). Gutes Ansprechen auf ICS.
  • Nicht-allergisches Asthma: Sputum kann neutrophil, eosinophil oder paucigranulozytär sein. Oft geringeres Kurzzeit-Ansprechen auf ICS.
  • Husten-Variante (Cough variant asthma): Husten ist das einzige Symptom. Variable Atemflusslimitierung oft nur in der Provokationstestung nachweisbar.
  • Late-onset Asthma: Erstmanifestation im Erwachsenenalter (häufiger bei Frauen). Oft nicht-allergisch und erfordert höhere ICS-Dosen.
  • Asthma mit persistierender Atemflusslimitierung: Entsteht durch Atemwegswand-Remodeling bei langjährigem Asthma.
  • Asthma bei Adipositas: Ausgeprägte Symptomatik bei oft geringer eosinophiler Entzündung.

Diagnostik und Kriterien

Die Diagnose sollte vor Beginn einer ICS-Therapie gesichert werden, da die Therapie die Variabilität von Symptomen und Lungenfunktion reduziert. Die Spirometrie ist der Goldstandard. Steht diese nicht zur Verfügung, ist die Messung des Peak Expiratory Flow (PEF) der rein symptombasierten Diagnose vorzuziehen.

ParameterErwachseneKinder (6–11 Jahre)
Bronchodilatator-ReversibilitätAnstieg FEV1 oder FVC ≥12 % und ≥200 mlAnstieg FEV1 ≥12 % des Sollwerts
PEF-ReversibilitätAnstieg ≥20 %Anstieg ≥15 %
Tägliche PEF-Variabilität (über 2 Wochen)>10 %>13 %
Therapieversuch (nach 4 Wochen ICS)FEV1-Anstieg ≥12 % und ≥200 mlFEV1-Anstieg ≥12 % des Sollwerts

Hinweis zur Reversibilitätstestung: SABA ≥4 Stunden, LABA 24–48 Stunden vor der Testung pausieren.

Differentialdiagnosen

Die Differentialdiagnostik variiert stark nach Altersgruppe. Auch bei gesichertem Asthma können diese Erkrankungen als Komorbiditäten auftreten.

AltersgruppeHäufige Differentialdiagnosen
6–11 JahreChronisches Hustensyndrom der oberen Atemwege, Fremdkörperaspiration, Bronchiektasen, Mukoviszidose, primäre ziliäre Dyskinesie
12–39 JahreInduzierbare Larynxobstruktion, Hyperventilation, Bronchiektasen, Alpha-1-Antitrypsin-Mangel
ab 40 JahrenCOPD, Herzinsuffizienz, Medikamenten-induzierter Husten (ACE-Hemmer), Lungenembolie, Lungenparenchymerkrankungen

Therapie-Updates (GINA 2024)

Die GINA-Leitlinie unterteilt die medikamentöse Therapie in zwei Tracks:

  • Track 1 (Bevorzugt): Nutzung von ICS-Formoterol als Anti-Inflammatory Reliever (AIR). Die Stufen 1 und 2 sind zusammengefasst (Bedarfs-Therapie mit niedrig dosiertem ICS-Formoterol). Ab Stufe 3 erfolgt die MART (Maintenance and Reliever Therapy). Die maximale Formoterol-Tagesdosis (Metered Dose) für Erwachsene und Jugendliche beträgt 72 µg.
  • Track 2 (Alternativ): Nutzung von SABA als Reliever. Eine SABA-Monotherapie wird nicht mehr empfohlen; Patienten müssen immer mindestens ein ICS erhalten (entweder als Erhaltungstherapie oder zeitgleich mit SABA).

Weitere wichtige Therapiehinweise:

  • Montelukast: Patienten und Betreuer müssen über das Risiko neuropsychiatrischer Nebenwirkungen (Alpträume, Verhaltensprobleme, Suizidgedanken) aufgeklärt werden.
  • Hochdosierte ICS: Sollen bei Erwachsenen und Jugendlichen nur kurzfristig (3–6 Monate) eingesetzt werden, um systemische Nebenwirkungen zu minimieren.
  • Allergen-Immuntherapie: Kann bei schwerem Asthma als Add-on erwogen werden, jedoch nur, wenn Symptome und Exazerbationen zuvor medikamentös kontrolliert sind.

💡Praxis-Tipp

Führen Sie die Lungenfunktionsprüfung (Spirometrie oder PEF) immer durch, bevor Sie eine ICS-Therapie einleiten. Unter laufender Therapie lässt sich die für Asthma typische Reversibilität oft nur noch schwer nachweisen.

Häufig gestellte Fragen

Die Diagnose basiert auf der Anamnese typischer variabler Symptome (Giemen, Atemnot, Husten) und dem objektiven Nachweis einer variablen exspiratorischen Atemflusslimitierung, idealerweise durch eine Spirometrie mit Reversibilitätstestung.
GINA empfiehlt in Track 1 niedrig dosiertes ICS-Formoterol als bevorzugte Bedarfsmedikation, um das Risiko für schwere Exazerbationen zu senken.
Ein Anstieg der FEV1 oder FVC um mindestens 12 % und absolut mindestens 200 ml nach Inhalation eines kurzwirksamen Bronchodilatators.
Nein. SABA darf nur noch im alternativen Track 2 verwendet werden und muss zwingend mit einem inhalativen Kortikosteroid (ICS) kombiniert werden.
Patienten und Eltern müssen über mögliche neuropsychiatrische Nebenwirkungen wie Alpträume, Verhaltensauffälligkeiten und Suizidgedanken aufgeklärt werden.

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