Sepsis bei Erwachsenen: Leitlinie (NICE 2025)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf NICE Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Risikostratifizierung im Krankenhaus und Rettungsdienst erfolgt primär über den NEWS2-Score.
  • Bei hohem Risiko (NEWS2 ≥7) muss eine intravenöse Breitbandantibiose sowie ein Flüssigkeitsbolus innerhalb von 1 Stunde erfolgen.
  • Bei moderatem Risiko (NEWS2 5-6) kann die Antibiose zur weiteren Diagnostik um bis zu 3 Stunden verzögert werden, sofern keine Hypoperfusion vorliegt.
  • Als initiale Flüssigkeitstherapie werden 250-ml-Boli (isotone kristalline Lösung) über 10-15 Minuten empfohlen, bis maximal 1.000 ml.
  • Vasopressoren können nach Rücksprache peripher gestartet werden, falls kein zentraler Zugang verfügbar ist.
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Hintergrund

Die NICE-Leitlinie (2025) adressiert die Erkennung und Frühbehandlung einer vermuteten Sepsis bei Patienten ab 16 Jahren (ausgenommen Schwangere und kürzlich Schwangere). Sepsis präsentiert sich oft unspezifisch. Besondere Aufmerksamkeit gilt vulnerablen Gruppen, bei denen das Risiko erhöht ist oder die Symptomatik atypisch verläuft.

Zu den Risikofaktoren zählen unter anderem:

  • Alter ≥75 Jahre oder Gebrechlichkeit (Frailty)
  • Multimorbidität oder Immunsuppression
  • Kürzliche Operationen (innerhalb der letzten 6 Wochen)
  • Verweilkatheter oder wiederholter Antibiotika-Einsatz
  • Kommunikationsbarrieren (z. B. Demenz, Lernbehinderungen)

Klinische Einschätzung und Diagnostik

Die initiale Beurteilung umfasst Temperatur, Herzfrequenz, Atemfrequenz, Blutdruck, Bewusstseinslage und Sauerstoffsättigung.

Wichtige klinische Fallstricke:

  • Temperatur: Weder Fieber noch Hypothermie sind zwingend erforderlich. Ältere, immunsupprimierte oder schwer kranke Patienten zeigen oft kein Fieber.
  • Herzfrequenz: Bei älteren Patienten kann eine Tachykardie fehlen oder sich als neu aufgetretene Arrhythmie äußern. Beta-Blocker können die Herzfrequenz maskieren.
  • Blutdruck: Ein normaler Blutdruck schließt eine Sepsis bei jungen Patienten nicht aus.

Risikostratifizierung im Krankenhaus und Rettungsdienst

Für die Risikostratifizierung im stationären Bereich, in psychiatrischen Akutkliniken und im Rettungsdienst wird der NEWS2-Score empfohlen.

NEWS2-ScoreRisiko für schwere Erkrankung/TodMonitoring-Intervall
≥ 7Hohes RisikoAlle 30 Minuten
5 - 6Moderates RisikoAlle 60 Minuten
1 - 4Niedriges RisikoAlle 4 - 6 Stunden
0Sehr niedriges RisikoNach lokalem Standard

Hinweis: Trägt ein einzelner Parameter 3 Punkte zum NEWS2-Score bei, muss eine dringliche ärztliche Beurteilung (mindestens FY2-Level) erfolgen.

Risikostratifizierung im ambulanten Bereich

Außerhalb der Klinik erfolgt die Einschätzung anhand klinischer Kriterien:

KategorieHochrisiko-KriterienModerates Risiko
ZNSNeue Bewusstseinsstörung, akuter Funktionsverlust-
AtmungAtemfrequenz ≥25/min, neuer O2-BedarfAtemfrequenz 21-24/min
KreislaufSystolischer RR ≤90 mmHg, Herzfrequenz >130/min, Anurie >18hSystolischer RR 91-100 mmHg, Herzfrequenz 91-130/min, Anurie 12-18h
HautMarmoriert, aschfahl, Zyanose, nicht-wegdrückbare PetechienLokale Infektionszeichen (z. B. Wundinfektion)

Therapiemanagement nach Risikogruppe

Die Therapie richtet sich streng nach der ermittelten Risikokategorie. Vor der Antibiosegabe sollten Blutkulturen und mikrobiologische Proben entnommen werden.

Hohes Risiko (NEWS2 ≥7 oder Hypoperfusion)

  • Ärztliches Review: Sofortige Beurteilung.
  • Diagnostik: Venöse BGA (inkl. Laktat, Glukose), Blutkulturen, großes Blutbild, CRP, Nieren- und Leberwerte, Gerinnung.
  • Antibiose: Intravenöse Breitbandantibiose innerhalb von 1 Stunde.
  • Flüssigkeit: IV-Bolus innerhalb von 1 Stunde (siehe unten).

Moderates Risiko (NEWS2 5-6)

  • Ärztliches Review: Innerhalb von 1 Stunde (inkl. Laktat-Beurteilung).
  • Antibiose: Kann um bis zu 3 Stunden verzögert werden, um weitere Diagnostik zur gezielten Therapie zu sammeln.
  • Ausnahme: Bei Zeichen einer Hypoperfusion (Laktat >2 mmol/l oder akute Nierenschädigung) erfolgt die Behandlung wie beim hohen Risiko.

Niedriges Risiko (NEWS2 1-4)

  • Ärztliches Review: Innerhalb von 1 Stunde durch medizinisches Fachpersonal.
  • Antibiose: Kann um bis zu 6 Stunden verzögert werden zur weiteren Diagnostik.

Spezifische Therapiemaßnahmen

Flüssigkeitstherapie

  • Präparat: Isotone kristalline Lösung (z. B. Ringer-Laktat/Hartmann-Lösung oder 0,9% NaCl).
  • Dosierung: Initialer Bolus von 250 ml über 10 bis 15 Minuten.
  • Verlauf: Weitere 250-ml-Boli bei Bedarf, bis zu einer Maximaldosis von 1.000 ml. Nach jedem Bolus muss der Patient neu beurteilt werden.
  • Eskalation: Keine ausreichende Besserung nach 1.000 ml erfordert die Hinzuziehung eines erfahrenen Arztes.

Vasopressoren

  • Nach Rücksprache mit der Intensivmedizin können Vasopressoren eingesetzt werden.
  • Periphere Gabe: Wenn kein zentralvenöser Zugang verfügbar ist, können Vasopressoren peripher gestartet werden. Dabei sind lokale Richtlinien zu beachten und die Einstichstelle engmaschig auf Extravasation zu überwachen.

Sauerstofftherapie

  • Ziel-Sättigung: 94% bis 98%.
  • Bei Risiko für hyperkapnisches Versagen: 88% bis 92%.

💡Praxis-Tipp

Verlassen Sie sich bei der Sepsis-Diagnostik nicht allein auf die Körpertemperatur oder Tachykardie. Ältere, gebrechliche Patienten oder solche unter Beta-Blockern zeigen oft weder Fieber noch einen adäquaten Herzfrequenzanstieg.

Häufig gestellte Fragen

Die Leitlinie empfiehlt den NEWS2-Score für den stationären Bereich, psychiatrische Akutkliniken und den Rettungsdienst.
Bei hohem Risiko (NEWS2 ≥7) innerhalb von 1 Stunde. Bei moderatem Risiko kann sie um bis zu 3 Stunden, bei niedrigem Risiko um bis zu 6 Stunden verzögert werden, um weitere Diagnostik zu betreiben.
Empfohlen werden Boli von 250 ml einer isotonen kristallinen Lösung über 10-15 Minuten, bis zu einer Maximaldosis von 1.000 ml. Nach jedem Bolus muss reevaluiert werden.
Ja, nach Rücksprache mit der Intensivmedizin können Vasopressoren peripher gestartet werden, wenn kein zentralvenöser Zugang vorliegt. Die Einstichstelle muss engmaschig überwacht werden.

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