Demenz Leitlinie: Diagnostik & Therapie (NICE)
Hintergrund
Laut der NICE-Leitlinie ist Demenz ein Überbegriff für eine Reihe kognitiver und verhaltensbezogener Symptome, die Gedächtnisverlust, Kommunikationsprobleme und Persönlichkeitsveränderungen umfassen. Die Leitlinie beschreibt Demenz als eine fortschreitende Erkrankung, die die Fähigkeit zur Bewältigung des Alltags zunehmend einschränkt. Zu den häufigsten Subtypen zählen laut Dokument die Alzheimer-Krankheit, vaskuläre Demenz, gemischte Demenz, Lewy-Körperchen-Demenz und frontotemporale Demenz. Die Leitlinie betont die Relevanz einer personenzentrierten Versorgung, da die Symptomatik und der Verlauf individuell stark variieren. Zudem wird auf die hohe Prävalenz und die erheblichen Kosten für das Gesundheits- und Sozialwesen hingewiesen.
Empfehlungen
Diagnostik und Assessment Die NICE-Leitlinie empfiehlt bei Verdacht auf Demenz eine ausführliche Anamnese, idealerweise unter Einbeziehung einer gut bekannten Auskunftsperson.
- Es wird empfohlen, reversible Ursachen für einen kognitiven Abbau durch körperliche Untersuchungen sowie Blut- und Urintests auszuschließen.
- Zur kognitiven Testung sollen laut Leitlinie validierte Kurztests (z. B. 10-CS, 6CIT, Mini-Cog) eingesetzt werden.
- Bei anhaltendem Verdacht wird eine Überweisung an eine spezialisierte Demenz-Diagnostik empfohlen.
- Zur Bestimmung des Subtyps wird eine strukturelle Bildgebung (MRT oder CT) empfohlen, sofern die Demenz nicht bereits weit fortgeschritten und der Subtyp eindeutig ist.
- Bei unklarer Alzheimer-Diagnose kann laut Leitlinie ein FDG-PET oder eine Liquoruntersuchung (Tau-Protein, Amyloid-Beta) erwogen werden.
Versorgungskoordination und Vorausplanung
- Laut Leitlinie soll jeder Person mit Demenz eine feste Ansprechperson zugewiesen werden, die die Versorgung koordiniert.
- Die Leitlinie empfiehlt, frühzeitig und kontinuierlich Möglichkeiten zur Vorausplanung (Advance Care Planning) anzubieten, einschließlich Vorsorgevollmachten und Patientenverfügungen.
Nicht-medikamentöse Interventionen
- Für Menschen mit leichter bis mittelschwerer Demenz wird eine kognitive Stimulationstherapie in der Gruppe empfohlen.
- Kognitive Rehabilitation oder Ergotherapie können laut Leitlinie erwogen werden, um die funktionellen Fähigkeiten zu erhalten.
- Die Leitlinie rät vom Einsatz von Akupunktur, Ginseng oder Vitamin-E-Präparaten zur Demenzbehandlung ab.
Medikamentöse Therapie
- Gemäß der Leitlinie werden die Acetylcholinesterase (AChE)-Hemmer Donepezil, Galantamin und Rivastigmin als Monotherapie bei leichter bis mittelschwerer Alzheimer-Krankheit empfohlen.
- Memantin wird als Monotherapie bei mittelschwerer Alzheimer-Krankheit (bei Unverträglichkeit von AChE-Hemmern) oder bei schwerer Alzheimer-Krankheit empfohlen.
- Bei schwerer Alzheimer-Krankheit wird empfohlen, Memantin zusätzlich zu einem bereits bestehenden AChE-Hemmer anzubieten.
- Bei Lewy-Körperchen-Demenz wird der Einsatz von Donepezil oder Rivastigmin empfohlen.
Umgang mit nicht-kognitiven Symptomen
- Vor einer Behandlung von Distress wird eine strukturierte Beurteilung empfohlen, um klinische oder umweltbedingte Ursachen (z. B. Schmerzen, Delir) zu identifizieren.
- Psychosoziale und umweltbezogene Interventionen werden als erste Maßnahme empfohlen.
- Antipsychotika sollen laut Leitlinie nur angeboten werden, wenn eine Gefahr für die Person selbst oder andere besteht oder wenn Halluzinationen/Wahnvorstellungen schweres Leiden verursachen.
Palliative Versorgung
- Die Leitlinie empfiehlt, bereits ab der Diagnose eine bedarfsgerechte palliative Versorgung anzubieten.
- Eine routinemäßige enterale Ernährung (Sondenernährung) bei schwerer Demenz wird nicht empfohlen, es sei denn, sie ist für eine potenziell reversible Begleiterkrankung indiziert.
Dosierung
| Wirkstoff / Klasse | Indikation laut Leitlinie |
|---|---|
| Donepezil, Galantamin, Rivastigmin | Leichte bis mittelschwere Alzheimer-Krankheit; Lewy-Körperchen-Demenz |
| Memantin | Mittelschwere (bei AChE-Hemmer-Unverträglichkeit) bis schwere Alzheimer-Krankheit |
| Memantin (Kombination) | Zusätzlich zu AChE-Hemmern bei schwerer Alzheimer-Krankheit |
Kontraindikationen
Antipsychotika bei Lewy-Körperchen-Demenz
Die Leitlinie warnt davor, dass Antipsychotika bei Lewy-Körperchen-Demenz oder Parkinson-Demenz die motorischen Symptome verschlechtern und schwere Sensibilitätsreaktionen auslösen können.
Valproat
Laut Leitlinie soll Valproat nicht zur Behandlung von Agitation oder Aggression bei Demenz eingesetzt werden.
Melatonin
Die Leitlinie rät davon ab, Melatonin zur Behandlung von Schlaflosigkeit bei Alzheimer-Krankheit anzubieten.
Frontotemporale Demenz
AChE-Hemmer und Memantin sollen laut Leitlinie bei frontotemporaler Demenz nicht angeboten werden.
Anticholinerge Medikamente
Es wird empfohlen, den Einsatz von Medikamenten mit hoher anticholinerger Last zu minimieren, da diese mit kognitiven Beeinträchtigungen assoziiert sind.
💡Praxis-Tipp
Laut Leitlinie sollte eine Demenz nicht allein aufgrund eines unauffälligen Ergebnisses in einem kognitiven Kurztest ausgeschlossen werden.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie empfiehlt validierte Kurztests wie den 10-point cognitive screener (10-CS), den 6-item cognitive impairment test (6CIT) oder den Mini-Cog.
Laut Leitlinie wird eine strukturelle Bildgebung (MRT oder CT) empfohlen, um reversible Ursachen auszuschließen und die Bestimmung des Demenz-Subtyps zu unterstützen.
Gemäß der Leitlinie werden die Acetylcholinesterase-Hemmer Donepezil, Galantamin und Rivastigmin als Monotherapie empfohlen.
Die Leitlinie empfiehlt den Einsatz strukturierter Beobachtungsinstrumente zur Schmerzerfassung, insbesondere wenn die Betroffenen nicht mehr in der Lage sind, Schmerzen selbst zu äußern.
Laut Leitlinie wird eine routinemäßige enterale Ernährung bei schwerer Demenz nicht empfohlen, außer bei potenziell reversiblen Begleiterkrankungen.
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Quelle: NICE Guideline on Dementia (NICE, 2018). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.