Präoperative Diagnostik: Leitlinie (NICE)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf NICE Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Röntgen-Thorax, Ruhe-Echokardiografie und Urin-Stix sollen vor elektiven Eingriffen nicht routinemäßig durchgeführt werden.
  • Ein HbA1c-Test wird bei Diabetikern empfohlen, sofern in den letzten 3 Monaten keine Bestimmung erfolgte. Kein Routine-Screening bei Nicht-Diabetikern.
  • Die Indikation für Labor und EKG richtet sich nach der Schwere des Eingriffs (Minor, Intermediate, Major) und dem ASA-Status des Patienten.
  • Gerinnungstests sind bei gesunden Patienten (ASA 1 und 2) in keiner OP-Kategorie routinemäßig indiziert.
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Hintergrund

Die präoperative Diagnostik vor elektiven Eingriffen zielt darauf ab, unerkannte Erkrankungen zu identifizieren, die das perioperative Management beeinflussen könnten. Eine übermäßige Testung bei gesunden Patienten führt jedoch häufig zu Verzögerungen, unnötiger Ängstlichkeit und potenziell schädlichen Folgeuntersuchungen durch falsch-positive Ergebnisse. Die vorliegende NICE-Leitlinie definiert, welche Tests bei Patienten über 16 Jahren in Abhängigkeit von Komorbiditäten (ASA-Klassifikation) und der Schwere des Eingriffs sinnvoll sind.

Allgemeine Empfehlungen (Basisdiagnostik)

Für alle elektiven Eingriffe gelten unabhängig von der OP-Schwere folgende Grundsätze:

  • Schwangerschaft: Am Tag der Operation alle Frauen im gebärfähigen Alter sensibel nach einer möglichen Schwangerschaft fragen. Bei Unklarheit und mit Einwilligung der Patientin einen Schwangerschaftstest durchführen.
  • Sichelzellanämie: Kein routinemäßiges Screening. Patienten nach eigener oder familiärer Anamnese fragen.
  • HbA1c-Wert: Kein routinemäßiges Screening bei Patienten ohne bekannten Diabetes. Bei bekannten Diabetikern den HbA1c-Wert bestimmen, falls in den letzten 3 Monaten keine Testung erfolgte.
  • Urin-Diagnostik: Kein routinemäßiger Urin-Stix. Urinkultur und Mikroskopie nur erwägen, wenn das Vorliegen eines Harnwegsinfekts die Entscheidung zur Operation beeinflussen würde.
  • Röntgen-Thorax: Nicht routinemäßig durchführen.
  • Ruhe-Echokardiografie: Nicht routinemäßig durchführen. Nur erwägen bei Herzgeräusch in Kombination mit kardialen Symptomen (Atemnot, Synkope, Brustschmerz) oder bei Zeichen einer Herzinsuffizienz. Zuvor ein EKG schreiben und Rücksprache mit der Anästhesie halten.

Klassifikation der Eingriffe und Patienten

Die Indikation für spezifische Tests richtet sich nach der Schwere des Eingriffs und dem körperlichen Status des Patienten.

OP-KategorieBeispiele
Minor (Klein)Exzision von Hautläsionen, Spaltung eines Mamma-Abszesses
Intermediate (Mittel)Primäre Inguinalhernien-Reparatur, Varizen-Exzision, Tonsillektomie, Knie-Arthroskopie
Major / Komplex (Groß)Hysterektomie, Prostata-Resektion (TUR-P), lumbale Diskektomie, Schilddrüsen-OP, Gelenkersatz, Lungen-OPs
ASA-GradDefinition
ASA 1Normaler, gesunder Patient
ASA 2Patient mit leichter systemischer Erkrankung
ASA 3Patient mit schwerer systemischer Erkrankung
ASA 4Patient mit schwerer systemischer Erkrankung, die eine ständige Lebensbedrohung darstellt

Stufenschema: Minor-Eingriffe

Bei kleinen Eingriffen ist bei gesunden Patienten in der Regel keine apparative oder laborchemische Diagnostik erforderlich.

UntersuchungASA 1ASA 2ASA 3 oder 4
BlutbildNicht routinemäßigNicht routinemäßigNicht routinemäßig
GerinnungNicht routinemäßigNicht routinemäßigNicht routinemäßig
NierenfunktionNicht routinemäßigNicht routinemäßigErwägen bei Risiko für akute Nierenschädigung (AKI)
EKGNicht routinemäßigNicht routinemäßigErwägen, falls kein EKG aus den letzten 12 Monaten vorliegt
LungenfunktionNicht routinemäßigNicht routinemäßigNicht routinemäßig

Stufenschema: Intermediate-Eingriffe

UntersuchungASA 1ASA 2ASA 3 oder 4
BlutbildNicht routinemäßigNicht routinemäßigErwägen bei kardiovaskulärer/renaler Erkrankung mit neuen Symptomen
GerinnungNicht routinemäßigNicht routinemäßigErwägen bei chronischer Lebererkrankung oder Antikoagulation*
NierenfunktionNicht routinemäßigErwägen bei AKI-RisikoJa
EKGNicht routinemäßigErwägen bei kardiovaskulären, renalen oder diabetischen KomorbiditätenJa
LungenfunktionNicht routinemäßigNicht routinemäßigErwägen (frühzeitige Rücksprache mit Anästhesie bei Atemwegserkrankung)

Stufenschema: Major- oder komplexe Eingriffe

UntersuchungASA 1ASA 2ASA 3 oder 4
BlutbildJaJaJa
GerinnungNicht routinemäßigNicht routinemäßigErwägen bei chronischer Lebererkrankung oder Antikoagulation*
NierenfunktionErwägen bei AKI-RisikoJaJa
EKGErwägen bei Alter >65 (falls kein EKG <12 Monate vorliegt)JaJa
LungenfunktionNicht routinemäßigNicht routinemäßigErwägen (frühzeitige Rücksprache mit Anästhesie bei Atemwegserkrankung)

Hinweis zur Gerinnung: Wenn Patienten Antikoagulanzien einnehmen und das Therapieregime angepasst werden muss, ist ein individueller Plan nach lokalen Vorgaben zu erstellen. Die Effekte von direkten oralen Antikoagulanzien (DOAKs) können durch Routine-Gerinnungstests aktuell nicht gemessen werden.

💡Praxis-Tipp

Verzichten Sie auf routinemäßige Röntgen-Thorax-Aufnahmen und Urin-Stix bei asymptomatischen Patienten. Bei bekannten Diabetikern reicht ein HbA1c-Wert aus den letzten 3 Monaten für die präoperative Einschätzung völlig aus.

Häufig gestellte Fragen

Bei Minor-Eingriffen nur ab ASA 3 (falls kein EKG <12 Monate vorliegt). Bei Intermediate-Eingriffen ab ASA 3 (oder ASA 2 mit Komorbiditäten). Bei Major-Eingriffen ab ASA 2 (oder ASA 1 bei Alter >65 ohne aktuelles EKG).
Nein, die Leitlinie empfiehlt ausdrücklich, auf routinemäßige präoperative Röntgen-Thorax-Aufnahmen zu verzichten.
Nur bei bekannten Diabetikern, sofern in den letzten 3 Monaten keine Bestimmung stattgefunden hat. Ein Routine-Screening bei Nicht-Diabetikern wird nicht empfohlen.
Nein, Gerinnungstests werden bei ASA 1 und 2 für keine OP-Kategorie routinemäßig empfohlen. Sie sind nur bei chronischen Lebererkrankungen oder Antikoagulation (ab ASA 3) zu erwägen.
Nicht als Routineuntersuchung. Sie sollte nur erwogen werden bei einem Herzgeräusch in Kombination mit kardialen Symptomen (wie Atemnot oder Synkope) oder bei klinischen Zeichen einer Herzinsuffizienz.

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