Alkoholismus: Diagnostik & Therapie nach NICE-Leitlinie
Hintergrund
Die NICE-Leitlinie befasst sich mit der Diagnostik und Behandlung von schädlichem Alkoholkonsum und Alkoholabhängigkeit bei Erwachsenen sowie Kindern und Jugendlichen (10 bis 17 Jahre). Laut Leitlinie wird die Abhängigkeit anhand des "Severity of Alcohol Dependence Questionnaire" (SADQ) in milde (Score ≤ 15), moderate (Score 15–30) und schwere (Score > 30) Formen unterteilt. Schädlicher Konsum führt zu direkten physischen oder psychischen Gesundheitsschäden, während die Abhängigkeit durch Craving, Toleranzentwicklung und anhaltenden Konsum trotz negativer Folgen gekennzeichnet ist.
Empfehlungen
Die NICE-Leitlinie formuliert klare Empfehlungen zur Diagnostik und Therapie:
Diagnostik
Es wird der Einsatz validierter Instrumente empfohlen. Dazu zählen der AUDIT zur Identifikation, der SADQ oder LDQ zur Bestimmung der Abhängigkeitsschwere, die CIWA-Ar-Skala für Entzugssymptome und der APQ für alkoholbedingte Probleme.
Therapieziele
Laut Leitlinie ist Abstinenz das angemessene Ziel für die meisten Patienten mit Abhängigkeit oder signifikanten Komorbiditäten. Ein moderater Konsum kann bei schädlichem Gebrauch oder milder Abhängigkeit ohne Komorbiditäten erwogen werden.
Psychologische Interventionen
Für Patienten mit schädlichem Konsum oder milder Abhängigkeit werden kognitive Verhaltenstherapien (CBT), Verhaltenstherapien oder netzwerkbasierte Therapien empfohlen.
Alkoholentzug
Ein ambulanter Entzug wird für Patienten mit milder bis moderater Abhängigkeit empfohlen. Ein stationärer Entzug ist laut Leitlinie unter anderem indiziert bei einem Konsum von über 30 Einheiten pro Tag, einem SADQ-Score über 30, einer Vorgeschichte von Entzugskrämpfen oder Delirium tremens sowie bei schweren Komorbiditäten.
Kinder und Jugendliche
Bei 10- bis 15-Jährigen wird eine Überweisung an spezialisierte kinder- und jugendpsychiatrische Dienste (CAMHS) empfohlen. Ein Entzug sollte in dieser Altersgruppe stationär erfolgen.
Dosierung
Nach einem erfolgreichen Entzug empfiehlt die Leitlinie bei moderater und schwerer Abhängigkeit den Einsatz von Medikamenten zur Rückfallprävention in Kombination mit psychologischen Interventionen.
| Wirkstoff | Dosierungsempfehlung laut Leitlinie | Dauer / Hinweise |
|---|---|---|
| Acamprosat | Es wird eine Dosis von 1998 mg/Tag (666 mg dreimal täglich) empfohlen. Bei einem Körpergewicht unter 60 kg beträgt die empfohlene Maximaldosis 1332 mg/Tag. | Die Leitlinie empfiehlt eine Gabe für bis zu 6 Monate. Ein Abbruch wird angeraten, wenn der Konsum 4 bis 6 Wochen nach Start persistiert. |
| Naltrexon (oral) | Die Leitlinie empfiehlt einen Start mit 25 mg/Tag und eine Erhaltungsdosis von 50 mg/Tag. | Es wird eine Verschreibung für bis zu 6 Monate empfohlen. Bei anhaltendem Konsum nach 4 bis 6 Wochen wird ein Abbruch empfohlen. |
| Disulfiram | Es wird üblicherweise eine Dosis von 200 mg/Tag empfohlen. Der Start sollte laut Leitlinie frühestens 24 Stunden nach dem letzten Alkoholkonsum erfolgen. | Eine Dosissteigerung kann in Absprache mit dem Patienten erwogen werden, falls 200 mg keine ausreichende Aversion auslösen. |
Für den medikamentös gestützten Entzug werden Benzodiazepine (Chlordiazepoxid oder Diazepam) nach einem festen Dosierungsschema (Ausschleichen über 7 bis 10 Tage) empfohlen.
Kontraindikationen
Die NICE-Leitlinie nennt spezifische Warnhinweise und Kontraindikationen:
Disulfiram
Es wird vor der Interaktion mit Alkohol (auch in Lebensmitteln oder Parfüm) gewarnt, die zu Flush, Übelkeit, Palpitationen, Arrhythmien und Kollaps führen kann. Zudem wird auf das Risiko einer unvorhersehbaren Hepatotoxizität hingewiesen.
Antidepressiva (inkl. SSRI) und GHB
Diese sollen laut Leitlinie nicht routinemäßig zur alleinigen Behandlung des Alkoholmissbrauchs eingesetzt werden.
Benzodiazepine
Der Einsatz wird ausschließlich für das Management des Alkoholentzugs empfohlen, nicht jedoch als Dauertherapie der Alkoholabhängigkeit.
Leberinsuffizienz
Bei der Gabe von Benzodiazepinen an Patienten mit Leberfunktionseinschränkungen wird empfohlen, Wirkstoffe mit geringem Lebermetabolismus (z. B. Lorazepam) in reduzierter Dosis zu verwenden. Bei schwerer Leberinsuffizienz wird laut Leitlinie empfohlen, Benzodiazepine zu vermeiden.
💡Praxis-Tipp
Laut Leitlinie sollte bei Patienten mit komorbider Depression oder Angststörung zunächst der Alkoholmissbrauch behandelt werden, da eine Abstinenz häufig bereits zu einer signifikanten Besserung der psychiatrischen Begleitsymptomatik führt.
Häufig gestellte Fragen
Zur Identifikation wird der AUDIT empfohlen, zur Bestimmung der Abhängigkeitsschwere der SADQ oder LDQ und zur Erfassung von Entzugssymptomen die CIWA-Ar-Skala.
Die Leitlinie empfiehlt einen stationären Entzug unter anderem bei einem Konsum von über 30 Einheiten Alkohol pro Tag, einem SADQ-Score über 30, bekannten Entzugskrämpfen in der Anamnese oder bei gleichzeitigem Benzodiazepin-Entzug.
Nach erfolgreichem Entzug werden bei moderater bis schwerer Abhängigkeit Acamprosat oder orales Naltrexon in Kombination mit psychologischen Interventionen empfohlen. Alternativ kann Disulfiram erwogen werden.
Gemäß der Leitlinie werden diese Medikamente üblicherweise für bis zu 6 Monate verschrieben. Bei anhaltendem Alkoholkonsum 4 bis 6 Wochen nach Therapiebeginn wird ein Abbruch empfohlen.
Es wird der Einsatz von Benzodiazepinen (wie Chlordiazepoxid oder Diazepam) nach einem festen Dosierungsschema empfohlen, bei dem die Dosis über 7 bis 10 Tage schrittweise reduziert wird.
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Quelle: NICE Guideline on Substance Misuse (NICE, 2011). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.