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S3-Leitlinie Zervixkarzinom: Diagnostik & Therapie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf Leitlinienprogramm Onkologie Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Für Stadien bis FIGO 1b1 zeigt die offene radikale Hysterektomie ein besseres Gesamtüberleben als minimalinvasive Verfahren.
  • Das Sentinel-Lymphknoten-Konzept ist bei Tumoren bis 2 cm (pT1a1 und L1) integriert; ICG ist etablierten Markern gleichwertig.
  • Die simultane Radiochemotherapie bleibt Standard, ergänzt durch MRT-gestützte adaptive Brachytherapie.
  • In der Rezidiv- und Metastasierungssituation wird Bevacizumab in der First-Line-Therapie ergänzt.
  • Pembrolizumab kann bei PD-L1-positiven Karzinomen in der Second-Line-Therapie eingesetzt werden.
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Hintergrund

Das Zervixkarzinom ist weltweit das vierthäufigste Malignom der Frau. In Deutschland ist die Inzidenz in den letzten 30 Jahren durch Früherkennungsprogramme deutlich gesunken (vom häufigsten Karzinom 1971 zum dreizehnthäufigsten). Dennoch bleiben Mortalität und Morbidität eine klinische Herausforderung, da sich diese in den letzten Jahren trotz technischem Fortschritt nicht signifikant verbessern ließen.

Klassifikation

Obwohl 2018 eine neue FIGO-Klassifikation publiziert wurde, behält die Leitlinie vorerst die alte FIGO- und TNM-Klassifikation bei. Der Grund hierfür ist die aktuell noch fehlende Studienlage basierend auf der neuen Einteilung.

Operative Therapie

Die chirurgische Herangehensweise wurde basierend auf neuen Überlebensdaten angepasst:

  • Offene vs. minimalinvasive OP: Bei Patientinnen bis zum Stadium FIGO 1b1 zeigt die offene radikale Hysterektomie ein besseres Gesamtüberleben (Overall Survival) als minimalinvasive Methoden. Patientinnen müssen hierüber zwingend aufgeklärt werden.
  • Sentinel-Lymphknoten (SLN): Das Konzept ist bei Tumoren bis 2 cm sowie bei pT1a1 und L1 integriert.
MarkierungsmethodeBewertung
Blau-MarkierungGleichwertig zu ICG
Radioaktive MarkierungGleichwertig zu ICG
Indocyaningrün (ICG)Intraoperativer Standard, gleichwertig zu etablierten Verfahren

Strahlentherapie

Die Radiochemotherapie ist weiterhin als Standard definiert. Besondere Betonung liegt auf modernen, zielgerichteten Verfahren:

  • Einsatz der intensitätsmodulierten Radiotherapie (IMRT).
  • Individualisierte MRT-gestützte Brachytherapie (Image-guided adaptive Brachytherapy) ist ein obligater Bestandteil der Behandlung und sollte am selben Ort wie die Planung durchgeführt werden.

Rezidiv- und Metastasierungssituation

In der fortgeschrittenen Situation gab es wesentliche Neuerungen in der Bildgebung und Systemtherapie.

Bildgebung (PET-CT)

Das PET-CT ist nicht für die Routine vorgesehen. Es ist spezifischen Situationen vorbehalten:

  • Vor geplanter Therapie wie Exenteration.
  • Vor geplanter Radiochemotherapie in der Rezidivsituation.
  • Bei diagnostischer Unklarheit.

Medikamentöse Therapie

WirkstoffTherapielinieIndikation & Bemerkung
BevacizumabFirst-LineNun Standard-Ergänzung in der primären Rezidiv-/Metastasentherapie.
CisplatinFirst-LineStandard bei platin-naiven Patientinnen.
CarboplatinFirst-LineÄquivalenter Ersatz für Cisplatin bei Platin-Vorbehandlung.
PembrolizumabSecond-LineIndiziert bei PD-L1 positiven Karzinomen (Checkpointinhibitor). Nicht in höheren Linien empfohlen.
Nab-Paclitaxel, Vinorelbin u.a.Second-LineEinsatz möglich, jedoch ohne Vergleich zu Best-Supportive-Care in Studien.

💡Praxis-Tipp

Klären Sie Patientinnen mit einem Zervixkarzinom bis Stadium FIGO 1b1 zwingend darüber auf, dass die offene radikale Hysterektomie gegenüber minimalinvasiven Verfahren mit einem besseren Gesamtüberleben assoziiert ist.

Häufig gestellte Fragen

Laut aktueller Leitlinie wird weiterhin die alte FIGO-Klassifikation genutzt, da für die neue Version von 2018 noch unzureichende Studiendaten vorliegen.
Ein PET-CT ist nicht für die Routine vorgesehen, sondern der Rezidivsituation vor geplanter Exenteration oder Radiochemotherapie sowie bei Unklarheiten vorbehalten.
Pembrolizumab zeigt bei PD-L1-positiven Karzinomen einen Effekt und sollte in der Second-Line-Therapie eingesetzt werden.
Die offene radikale Hysterektomie, da sie im Vergleich zu minimalinvasiven Methoden ein besseres Gesamtüberleben zeigt.

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