SIGN2014Onkologie

Plattenepithelkarzinom der Haut: Leitlinie (SIGN)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf SIGN Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Identifikation von Hochrisiko-Tumoren anhand klinischer und pathologischer Merkmale ist entscheidend für die Therapieplanung.
  • Tumoren mit einem Durchmesser von >20 mm, einer Tiefe von >4 mm oder an Hochrisiko-Lokalisationen (z.B. Ohr) erfordern eine Vorstellung im Tumorboard.
  • Für Hochrisiko-Tumoren wird ein klinischer Sicherheitsabstand von mindestens 6 mm empfohlen, für Niedrigrisiko-Tumoren mindestens 4 mm.
  • Mohs-Mikrographische Chirurgie sollte bei Hochrisiko-Tumoren an kritischen anatomischen Lokalisationen erwogen werden.
  • Immunsupprimierte Patienten haben ein deutlich erhöhtes Risiko für aggressive Verläufe und bedürfen einer engmaschigen Nachsorge.
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Hintergrund

Das primäre kutane Plattenepithelkarzinom (SCC) ist der zweithäufigste Hautkrebs. Obwohl die Metastasierungsrate insgesamt gering ist (<5 %), ist die Prognose bei Vorliegen von Fernmetastasen mit einer 5-Jahres-Überlebensrate von 25–40 % schlecht. Die größte klinische Herausforderung besteht darin, die kleine Gruppe von Patienten mit Hochrisiko-Tumoren zu identifizieren, die eine aggressive Behandlung benötigen.

Hochrisiko-Kriterien

Die Identifikation von Hochrisiko-Tumoren sollte so früh wie möglich erfolgen. Die TNM-Klassifikation allein reicht oft nicht aus, um das Metastasierungsrisiko exakt vorherzusagen.

KategorieHochrisiko-KriteriumBemerkung
KlinischImmunsuppressionZ.B. nach Organtransplantation, hämatologische Malignome
Tumordurchmesser>20 mm (klinisch gemessen)
LokalisationOhr (höchstes Risiko), Nase, kutane Lippe, Augenlid, Kopfhaut
Spezielle SituationenEntstehung in Narben, chronischen Ulzera, Verbrennungen, Bowen-Krankheit
PathologischTumortiefe>4 mm (Tiefe >6 mm gilt als sehr hohes Risiko)
InvasionslevelAusbreitung über die Dermis hinaus in das subkutane Fettgewebe
InvasionPerineurale oder lymphovaskuläre Invasion
DifferenzierungSchlecht differenziert
SubtypDesmoplastisch (sowie adenosquamös, Spindelzell, akantholytisch)

Überweisung an das Tumorboard (MDT)

Patienten mit primärem SCC müssen bei Vorliegen von Hochrisiko-Merkmalen in einem multidisziplinären Tumorboard (MDT) besprochen werden.

Zwingende Vorstellungsgründe (Auswahl):

  • Lokalisation am Ohr, Nase, Lippe, Augenlid oder Kopfhaut
  • Tumordurchmesser >20 mm oder Tumortiefe >4 mm
  • Perineurale oder lymphovaskuläre Invasion
  • Schlechte Differenzierung oder desmoplastischer Subtyp
  • Immunsuppression des Patienten
  • Beteiligte tiefe oder periphere Resektionsränder

Chirurgische Therapie

Ziel der Operation ist die vollständige histologische Entfernung an den peripheren und tiefen Rändern. Um eine adäquate tiefe Ränderfreiheit zu erreichen, muss in der anatomischen Schicht tief zur klinisch sichtbaren Tumorinvasion exzidiert werden.

RisikoprofilEmpfohlener klinischer RandBemerkung
Niedrigrisiko>= 4 mmWenn chirurgisch machbar und klinisch angemessen
Hochrisiko>= 6 mmWenn chirurgisch machbar und klinisch angemessen

Mohs-Mikrographische Chirurgie (MMS):

  • Sollte im MDT erwogen werden für ausgewählte Patienten mit Hochrisiko-Tumoren, bei denen Gewebeerhalt oder Randkontrolle schwierig sind.
  • Die Verwendung von konventionellen Schnellschnitten bei Hochrisiko-SCC wird nicht empfohlen.

Weitere Therapieverfahren

VerfahrenIndikationBemerkung
Kürettage & KauterisationNiedrigrisiko-SCCNur mit stumpfer Kürette. Kontraindiziert bei Hochrisiko-Merkmalen.
Primäre StrahlentherapieInoperabilitätWenn eine OP extrem schwierig ist oder zu inakzeptablen funktionellen/ästhetischen Ergebnissen führt.
Adjuvante StrahlentherapieHohes LokalrezidivrisikoBei knappen/positiven Rändern, wenn Nachresektion zu hoher Morbidität führt.
Systemische RetinoideSekundärpräventionAcitretin (10-30 mg/Tag) bei Nierentransplantierten mit multiplen SCCs erwägen.

Management bei Immunsuppression

Bei Organtransplantierten mit Hochrisiko-SCC, insbesondere bei multiplen Tumoren oder rezidivierender Erkrankung, sollte eine Minimierung oder Umstellung der Immunsuppression (z.B. auf mTOR-Inhibitoren wie Sirolimus) im MDT und mit dem Transplantationsmediziner besprochen werden.

Nachsorge

  • Hochrisiko-SCC: Nachsorge alle 3 bis 6 Monate für 24 Monate nach der Behandlung. Ein weiterer Termin nach 3 Jahren kann je nach Risiko sinnvoll sein.
  • Niedrigrisiko-SCC: Einmaliger Kontrolltermin zur Befundbesprechung, Hautinspektion und Patientenaufklärung.
  • Immunsupprimierte: Benötigen eine langfristige Nachsorge.

💡Praxis-Tipp

Geben Sie bei der Überweisung von Verdachtsfällen stets den Immunstatus des Patienten sowie den genauen Tumordurchmesser an, da diese Faktoren entscheidend für die Risikostratifizierung sind.

Häufig gestellte Fragen

Das Ohr gilt als Lokalisation mit dem höchsten Risiko. Weitere Hochrisiko-Lokalisationen sind Nase, kutane Lippe, Augenlid und behaarte Kopfhaut.
Für Niedrigrisiko-Tumoren wird ein klinischer Rand von mindestens 4 mm empfohlen, für Hochrisiko-Tumoren mindestens 6 mm.
Bei Patienten mit hohem Risiko für ein Lokalrezidiv oder bei knappen bzw. positiven Resektionsrändern, wenn eine weitere Operation mit hoher Morbidität verbunden wäre.
Alle 3 bis 6 Monate für die ersten 24 Monate nach der Behandlung. Ein weiterer Termin nach 3 Jahren kann je nach klinischem Risiko sinnvoll sein.

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