Vitamine zur Prävention: USPSTF-Leitlinie 2022
📋Auf einen Blick
- •Beta-Carotin wird zur Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs nicht empfohlen, da die potenziellen Schäden den Nutzen überwiegen.
- •Vitamin E bietet keinen nachweisbaren Nettonutzen für die Prävention dieser Erkrankungen und wird ebenfalls nicht empfohlen.
- •Für Multivitamine sowie andere einzelne oder kombinierte Nährstoffe reicht die Evidenz für eine Empfehlung nicht aus.
- •Die Empfehlungen gelten für nicht-schwangere Erwachsene in der Allgemeinbevölkerung.
Hintergrund
Laut Daten des National Health and Nutrition Examination Survey nehmen 52 % der Erwachsenen in den USA mindestens ein Nahrungsergänzungsmittel ein, 31 % nutzen Multivitamin-Mineral-Präparate. Der häufigste Grund für die Einnahme ist die allgemeine Gesundheit und das Ausgleichen von Nährstofflücken.
Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs sind die beiden häufigsten Todesursachen und für etwa die Hälfte aller jährlichen Todesfälle in den USA verantwortlich. Da Entzündungen und oxidativer Stress bei beiden Erkrankungen eine Rolle spielen, wird oft vermutet, dass Nahrungsergänzungsmittel durch entzündungshemmende und antioxidative Effekte präventiv wirken könnten.
Zielgruppe
Die Empfehlungen der US Preventive Services Task Force (USPSTF) richten sich an nicht-schwangere Erwachsene in der Allgemeinbevölkerung.
Empfehlungen zur Supplementierung
Die USPSTF hat die Evidenz zur Wirksamkeit von einzelnen Nährstoffen, Nährstoffpaaren und Multivitaminen hinsichtlich der Risikoreduktion für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs und Mortalität bewertet.
| Supplement | Empfehlung zur Prävention | Evidenzgrad / Bewertung |
|---|---|---|
| Beta-Carotin | Nicht empfohlen | Grad D (Schäden überwiegen den Nutzen) |
| Vitamin E | Nicht empfohlen | Grad D (Kein Nettonutzen nachweisbar) |
| Multivitamine | Keine Empfehlung möglich | I-Statement (Evidenz unzureichend) |
| Andere Einzel-/Paar-Nährstoffe | Keine Empfehlung möglich | I-Statement (Evidenz unzureichend) |
Detaillierte Kernaussagen
- Beta-Carotin und Vitamin E: Die USPSTF spricht sich explizit gegen die Verwendung von Beta-Carotin- oder Vitamin-E-Präparaten zur Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Krebs aus. Bei Beta-Carotin überwiegen die potenziellen Schäden den Nutzen mit moderater Sicherheit.
- Multivitamine: Die aktuelle Studienlage reicht nicht aus, um das Verhältnis von Nutzen und Risiken für die Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Krebs zu beurteilen.
- Weitere Nährstoffe: Auch für andere einzelne oder kombinierte Nährstoffpräparate (außer Beta-Carotin und Vitamin E) fehlt die Evidenz, um eine Aussage über Nutzen oder Schaden treffen zu können.
💡Praxis-Tipp
Raten Sie Patienten aktiv von der Einnahme von Beta-Carotin und Vitamin E zur reinen Prävention von Krebs oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen ab. Klären Sie darüber auf, dass Multivitamine nach aktueller Evidenz keinen nachweisbaren Schutz bieten.