Psychische Erkrankungen in der Primärversorgung: WHO mhGAP

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: WHO (2023)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Psychische, neurologische und substanzbedingte Erkrankungen (MNS-Erkrankungen) verursachen weltweit eine hohe Krankheitslast. Da oft ein Mangel an Fachärzten besteht, richtet sich die WHO mhGAP-Leitlinie (Mental Health Gap Action Programme) an medizinisches Personal in der primären Gesundheitsversorgung.

Ziel ist es, die Lücke zwischen dem Bedarf an psychiatrischer Versorgung und den verfügbaren Ressourcen zu schließen. Die Leitlinie bietet evidenzbasierte Protokolle für die häufigsten und schwerwiegendsten MNS-Erkrankungen.

Zu den priorisierten Krankheitsbildern gehören unter anderem Depressionen, Psychosen, Epilepsie, Demenz sowie substanzbezogene Störungen. Ein besonderer Fokus liegt auf der Integration von körperlicher und psychischer Gesundheit.

Empfehlungen

Die WHO mhGAP-Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen für die klinische Praxis:

Grundprinzipien der Kommunikation

Die Leitlinie betont die Wichtigkeit einer respektvollen und nicht-wertenden Kommunikation. Es wird empfohlen, die Autonomie der Betroffenen zu fördern und sie sowie ihre Angehörigen in alle Behandlungsentscheidungen einzubeziehen.

Diagnostisches Vorgehen

Laut Leitlinie umfasst eine vollständige MNS-Beurteilung mehrere strukturierte Schritte:

  • Erhebung der aktuellen Beschwerden und der psychiatrischen Vorgeschichte

  • Beurteilung der allgemeinen körperlichen Gesundheit und Medikamentenanamnese

  • Erfassung der psychosozialen Situation und familiären Vorbelastung

  • Durchführung einer körperlichen Untersuchung und Erhebung eines psychopathologischen Befundes

Körperliche Gesundheit

Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen haben ein zwei- bis dreifach erhöhtes Risiko, an vermeidbaren körperlichen Krankheiten zu versterben. Daher wird dringend empfohlen, immer eine körperliche Untersuchung durchzuführen.

Körperliche Ursachen für psychiatrische Symptome müssen gemäß Leitlinie ausgeschlossen werden. Zudem wird die Aufklärung über modifizierbare Risikofaktoren wie Rauchen, Ernährung und Bewegung empfohlen.

Therapeutisches Management

Die Leitlinie empfiehlt einen multimodalen Behandlungsansatz. Dieser sollte folgende Elemente umfassen:

  • Psychoedukation für Betroffene und Angehörige

  • Psychosoziale Interventionen zur Stressreduktion und Förderung der Alltagsfunktionen

  • Pharmakologische Therapien gemäß den spezifischen Modulen der Leitlinie

  • Regelmäßige strukturierte Verlaufs- und Nachkontrollen

Notfallindikationen und Leitsymptome

Die Leitlinie definiert spezifische klinische Präsentationen, die eine sofortige Zuordnung zu den jeweiligen Behandlungsmodulen erfordern.

Klinische PräsentationVerdachtsdiagnose / NotfallEmpfohlenes Modul
Extreme Hoffnungslosigkeit, akute Suizidgedanken oder -handlungenAkutes SuizidrisikoSelbstverletzung / Suizid (SUI)
Akute Krampfanfälle mit BewusstseinsverlustEpilepsie / Status epilepticusEpilepsie (EPI)
Verwirrtheit, Tremor, Schwitzen, Tachykardie nach SubstanzstoppAlkohol- oder SedativaentzugSubstanzstörungen (SUB)
Wahnvorstellungen, Halluzinationen, starke AgitationPsychosePsychosen (PSY)
Anhaltende Traurigkeit, Interessenverlust, EnergielosigkeitDepressive EpisodeDepression (DEP)
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💡Praxis-Tipp

Die Leitlinie warnt davor, bei der psychiatrischen Diagnostik die körperliche Gesundheit zu vernachlässigen. Es wird nachdrücklich empfohlen, bei jeder Erstvorstellung organische Ursachen für Verhaltensänderungen auszuschließen und das stark erhöhte Mortalitätsrisiko durch somatische Begleiterkrankungen aktiv zu überwachen. Zudem wird betont, bei jedem Verdacht auf eine psychische Erkrankung zwingend das Suizidrisiko zu evaluieren.

Häufig gestellte Fragen

Laut WHO mhGAP-Leitlinie sollte die Diagnostik schrittweise erfolgen. Sie umfasst die Erhebung der Hauptbeschwerden, der psychosozialen Anamnese, einen psychopathologischen Befund sowie eine körperliche Untersuchung zum Ausschluss organischer Ursachen.

Es wird empfohlen, immer Psychoedukation für Betroffene und Angehörige anzubieten. Zusätzlich rät die Leitlinie zu Maßnahmen der Stressreduktion, der Reaktivierung sozialer Netzwerke und der Förderung von Alltagsaktivitäten.

Die Leitlinie empfiehlt, in der Anfangsphase engmaschige Kontrolltermine zu vereinbaren, bis eine Besserung der Symptomatik eintritt. Bei Stabilisierung können die Abstände zwischen den Terminen vergrößert werden, wobei stets die Therapieadhärenz und mögliche Nebenwirkungen überprüft werden sollten.

Gemäß Leitlinie muss bei älteren Menschen besonders auf sensorische Defizite und somatische Komorbiditäten geachtet werden. Es wird empfohlen, Medikamente in niedrigeren Dosierungen einzusetzen und das erhöhte Risiko für Arzneimittelinteraktionen zu berücksichtigen.

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Quelle: WHO Mental Health Gap Action Programme (mhGAP) Guidelines (WHO, 2023). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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