Therapie-Updates (TB, IgAN, SGLT-2): AkdÄ AVP 2025/02
Hintergrund
Die Ausgabe 2025/02 der Arzneiverordnung in der Praxis (AkdÄ) thematisiert aktuelle Entwicklungen in der medikamentösen Therapie verschiedener Krankheitsbilder. Ein besonderer Fokus liegt auf der Behandlung der Tuberkulose, die aufgrund globaler Migrationsbewegungen auch in Deutschland relevant bleibt.
Zudem werden neue Therapieoptionen für die IgA-Nephropathie (IgAN), die häufigste Glomerulonephritisform im Erwachsenenalter, beleuchtet. Hierbei wird die Prognoseeinschätzung und der Einsatz neuer Wirkstoffe diskutiert.
Ein weiterer Schwerpunkt ist das Risiko einer SGLT-2-Inhibitor-assoziierten Ketoazidose (SIKA) bei nichtdiabetischen Patienten. Diese Medikamente werden zunehmend auch bei Herz- oder Niereninsuffizienz unabhängig vom Vorliegen eines Diabetes mellitus eingesetzt.
Empfehlungen
Die Publikation formuliert folgende Kernaspekte zu den jeweiligen Krankheitsbildern:
Tuberkulose-Management
Bei Verdacht auf Tuberkulose wird primär eine Röntgenaufnahme des Thorax sowie ein mikrobiologischer Erregernachweis aus nativem Material empfohlen. Die Diagnostik sollte eine PCR-Untersuchung inklusive Resistenztestung gegen Rifampicin und Isoniazid umfassen.
Für die Standardtherapie der sensiblen Tuberkulose wird ein sechsmonatiges Schema empfohlen:
-
Eine zweimonatige Initialphase mit Isoniazid, Rifampicin, Pyrazinamid und Ethambutol
-
Eine viermonatige Kontinuitätsphase mit Isoniazid und Rifampicin
-
Eine regelmäßige Kontrolle der Leberfunktionswerte und des Blutbildes
Bei einer multiresistenten Tuberkulose (MDR-TB) wird eine Behandlung in einem spezialisierten Zentrum angeraten. Es wird auf die gesetzliche Meldepflicht innerhalb von 24 Stunden hingewiesen.
IgA-Nephropathie (IgAN)
Als Basistherapie wird eine Blutdruckkontrolle (möglichst < 120/80 mmHg), eine Reduktion der Proteinurie auf < 1 g/24 h sowie eine maximale Blockade des Renin-Angiotensin-Systems empfohlen.
Bei unzureichendem Ansprechen auf die Basistherapie (Proteinurie > 0,7–1 g/24 h) werden folgende Eskalationsstufen diskutiert:
-
Ein sechsmonatiger Versuch mit oralen Kortikoiden (bei einer eGFR > 30 ml/min)
-
Der Einsatz von magensaftresistentem, mikroverkapseltem Budesonid (Nefecon)
-
Eine Therapie mit dem dualen Rezeptorantagonisten Sparsentan anstelle einer RAS-Blockade
SGLT-2-Inhibitor-assoziierte Ketoazidose
Es wird darauf hingewiesen, dass eine SGLT-2-Inhibitor-assoziierte Ketoazidose (SIKA) auch bei nichtdiabetischen Patienten auftreten kann. Diese präsentiert sich oft euglykämisch oder hypoglykämisch, was die Diagnose erschwert.
Bei Auftreten einer SIKA wird ein sofortiges Absetzen des SGLT-2-Inhibitors empfohlen. Die Therapie umfasst die intravenöse Zufuhr von Flüssigkeit, Insulin und Glukose bis zur Normalisierung der Parameter.
Dosierung
Die Publikation gibt folgende gewichtsadaptierte Dosierungen für die Standardtherapie der Tuberkulose bei Erwachsenen an:
| Substanz | Dosis (mg/kg KG) | Dosisbereich (mg/kg KG) | Minimal- und Maximaldosis (mg) | Dosis bei 70 kg Körpergewicht (mg) |
|---|---|---|---|---|
| Isoniazid (INH) | 5 | 4–6 | 200/300 | 300 |
| Rifampicin (RMP) | 10 | 8–12 | 450/600 | 600 |
| Pyrazinamid (PZA) | 25 | 20–30 | 1500/2500 | 1750 |
| Ethambutol (EMB) | 15 | 15–20 | 800/1600 | 1200 |
Zur Vermeidung einer Neurotoxizität wird bei Schwangerschaft oder Vorerkrankungen die Kombination von Isoniazid mit Vitamin B6 empfohlen. Die Medikamente sollten idealerweise nüchtern 30 Minuten vor dem Frühstück eingenommen werden.
Kontraindikationen
Bei der Tuberkulosetherapie wird bei höhergradigen Zytopenien eine Therapieunterbrechung und das Absetzen des auslösenden Medikaments gefordert.
Ein sechsmonatiger Kortikoidversuch bei IgA-Nephropathie sollte bei einer geschätzten glomerulären Filtrationsrate (eGFR) < 30 ml/min in der Regel nicht mehr unternommen werden.
💡Praxis-Tipp
Die Publikation warnt davor, dass eine SGLT-2-Inhibitor-assoziierte Ketoazidose (SIKA) auch ohne Ketonurie und ohne stark erhöhte Blutzuckerwerte (euglykämisch/hypoglykämisch) auftreten kann. Es wird betont, dass bei unspezifischen Symptomen wie Übelkeit oder Erbrechen unter SGLT-2-Inhibitoren auch bei Nichtdiabetikern an diese Komplikation gedacht werden muss.
Häufig gestellte Fragen
Laut Publikation dauert die Standardtherapie insgesamt sechs Monate. Sie besteht aus einer zweimonatigen Initialphase mit vier Medikamenten und einer viermonatigen Kontinuitätsphase mit zwei Medikamenten.
Es wird darauf hingewiesen, dass Ethambutol in seltenen Fällen eine Retrobulbärneuritis verursachen kann. Daher werden regelmäßige augenärztliche Kontrollen während der Therapie empfohlen.
Ein sechsmonatiger Kortikoidversuch kann erwogen werden, wenn die Proteinurie trotz optimaler Basistherapie weiterhin über 0,7 bis 1 g pro 24 Stunden liegt. Bei einer eGFR unter 30 ml/min wird von diesem Versuch jedoch abgeraten.
Die Betroffenen präsentieren sich typischerweise mit unspezifischen Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen, allgemeinem Unwohlsein und Müdigkeit. Die Diagnose wird oft durch normale Blutzuckerwerte und eine teilweise fehlende Ketonurie erschwert.
Es wird das sofortige Absetzen des SGLT-2-Inhibitors empfohlen. Die weitere Behandlung erfolgt durch die intravenöse Gabe von Flüssigkeit, Insulin und meist auch Glukose.
War diese Zusammenfassung hilfreich?
Quelle: AkdAe AVP Arzneiverordnung in der Praxis 2025/02 (AkdAe). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.