Ebstein-Anomalie der Trikuspidalklappe: Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Morphologisches Hauptkriterium ist die apikale Verlagerung der Trikuspidalklappe, was zu einer Zweiteilung des rechten Ventrikels führt.
  • Die Echokardiographie ist der diagnostische Goldstandard (Versatz >8 mm/m² Körperoberfläche).
  • Bis zu 44 % der Patienten weisen akzessorische Leitungsbahnen mit einem hohen Risiko für Tachykardien auf.
  • Die Cone-Rekonstruktion gilt aktuell als das chirurgische Rekonstruktionsverfahren der Wahl.
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Hintergrund

Die Ebstein-Anomalie ist ein seltener angeborener Herzfehler. Morphologisches Hauptkriterium ist die Verlagerung des Trikuspidalklappenschlusses nach apikal. Dadurch entsteht eine Zweiteilung der rechten Herzkammer in einen atrialisierten Anteil (aRV) und einen funktionellen rechten Ventrikel (fRV).

Kernaussagen zur Pathophysiologie:

  • Die resultierende Trikuspidalinsuffizienz und ein Links-Rechts-Shunt auf Vorhofebene führen zur Volumenbelastung des meist vergrößerten rechten Ventrikels.
  • Ein Rechts-Links-Shunt über einen Vorhofseptumdefekt kann eine Zyanose verursachen.
  • Bis zu 44 % der Patienten haben akzessorische Leitungsbahnen mit einem erhöhten Risiko für das Auftreten von Tachykardien.

Diagnostik

Die Echokardiographie ist die Methode der Wahl. Ein Versatz des septalen Trikuspidalklappensegels um >8 mm/m² Körperoberfläche im 4-Kammer-Blick gilt als beweisend. Die kardiale MRT wird zur erweiterten Diagnostik und Therapieplanung empfohlen.

Für das neonatale Alter wird der Great Ormond Street Score zur Schweregradeinteilung (Flächen-Quotient im 4-Kammer-Blick) angewendet:

SchweregradFlächen-QuotientAusprägung
I< 0,5Milde Form
II0,5 - 0,99Moderate Form
III1,0 - 1,49Ausgeprägte Form
IV> 1,5Schwere Form

OP-Indikationen

Die operative Therapie soll erfolgen bei:

  • Symptomatischen Patienten mit schwerer Trikuspidalklappeninsuffizienz.
  • Patienten mit schwerer Trikuspidalklappeninsuffizienz und Verschlechterung der objektiven körperlichen Belastbarkeit.

Eine Operation sollte erwogen werden bei asymptomatischen Patienten mit schwerer Insuffizienz und:

  • Progressiver Rechtsherzdilatation oder Verschlechterung der systolischen RV-Funktion.
  • Neu aufgetretenen Tachyarrhythmien.
  • Progredienter Zyanose.

Therapeutische Verfahren

VerfahrenIndikationBemerkung
Cone-RekonstruktionMethode der Wahl bei RekonstruktionTrichterförmige Klappenrekonstruktion aus Eigengewebe am wahren Annulus
1,5-Ventrikel-KorrekturStark eingeschränkte RV-FunktionAnlage einer bidirektionalen oberen cavopulmonalen Anastomose
TrikuspidalklappenersatzHohes OP-Risiko, ältere PatientenBiologische Prothese wird gegenüber mechanischer präferiert
Starnes-OperationUniventrikuläre Palliation bei NeonatenVerschluss des Trikuspidalklappenostiums, aortopulmonaler Shunt

Bei kritisch kranken Neugeborenen ohne suffizienten antegraden pulmonalen Blutfluss soll initial eine i.v. Prostaglandin E1 Therapie erfolgen.

Postoperative Nachsorge

Regelmäßige Kontrollen sind lebenslang erforderlich. Die Nachsorge umfasst:

  • Echokardiographie: Beurteilung von Shunts, Ventrikelfunktion und Klappenfunktion.
  • EKG / Holter-EKG: Erkennung von Tachyarrhythmien und AV-Blockierungen.
  • Spiroergometrie: Abschätzung der objektiven Belastbarkeit.
  • Kardiales MRT: Quantifizierung der Ventrikelfunktion und Volumina.

💡Praxis-Tipp

Führen Sie bei Patienten mit Ebstein-Anomalie und dokumentierten Tachyarrhythmien oder Präexzitation im EKG präoperativ stets eine elektrophysiologische Untersuchung (ggf. mit direkter Ablation) durch.

Häufig gestellte Fragen

Ein apikaler Versatz des septalen Trikuspidalklappensegels von >8 mm/m² Körperoberfläche im 4-Kammer-Blick gilt als beweisend.
Bis zu 44 % der Patienten haben akzessorische Leitungsbahnen (z. B. WPW-Syndrom) mit einer ausgeprägten Neigung zu supraventrikulären Tachykardien.
Falls eine Rekonstruktion nicht möglich ist oder ein hohes OP-Risiko besteht, wird eine biologische Klappenprothese gegenüber einer mechanischen präferiert.
Initial erfolgt eine Therapie mit Prostaglandin E1 i.v. Bei unzureichender Wirkung muss die Lungendurchblutung interventionell (Duktusstent) oder operativ (aortopulmonaler Shunt) gesichert werden.

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