Notfallpsychiatrie: AWMF-Leitlinie zur Akutversorgung

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: AWMF|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die AWMF-S2k-Leitlinie "Notfallpsychiatrie" befasst sich mit der präklinischen und klinischen Versorgung akuter psychischer Ausnahmezustände. Ein psychiatrischer Notfall liegt vor, wenn das plötzliche Auftreten oder die Exazerbation einer psychischen Störung zu einer unmittelbaren Gefährdung von Leben und Gesundheit führt.

Die Häufigkeit psychiatrischer Notfälle nimmt stetig zu. Jährlich werden in Deutschland schätzungsweise 1,5 Millionen Patienten in Notaufnahmen und 500.000 vom Notarzt aufgrund psychiatrischer Krisen versorgt.

Zu den häufigsten Ursachen zählen Intoxikationen, Erregungszustände und Suizidalität. Die Leitlinie betont, dass die Versorgung oft durch Schnittstellenprobleme zwischen Rettungsdienst, somatischen Notaufnahmen und psychiatrischen Kliniken erschwert wird.

Empfehlungen

Die Leitlinie formuliert grundlegende Prinzipien für das Management psychiatrischer Notfälle:

Diagnostik und Medical Clearance

Laut Leitlinie ist die Unterscheidung zwischen organischen und primär psychiatrischen Ursachen essenziell. Es wird betont, dass viele primär psychiatrisch imponierende Notfälle eine somatische Ursache haben, wie beispielsweise schwere Erregungszustände bei Hypoglykämie.

Daher wird bei jedem psychisch kranken Patienten ein sogenanntes Medical Clearing gefordert. Dieses umfasst:

  • Die Erhebung des psychopathologischen Befundes

  • Eine vollständige körperliche und neurologische Untersuchung

  • Laboruntersuchungen und gegebenenfalls apparative Diagnostik

Notfallindikationen

Die Leitlinie unterscheidet zwischen absoluten Notfallindikationen, die zwingend einen Notarzt erfordern, und relativen Indikationen. Diese Einteilung basiert auf dem Kursbuch Rettungsdienst.

IndikationskategorieKlinische Zustandsbilder
Absolute Notfallindikation (Notarztindikation)Erfolgter Suizidversuch, konkrete Suizidpläne, hochgradiger Erregungszustand, Aggressivität/Gewalttätigkeit, konkrete Fremdtötungsabsichten, schwere Intoxikation, Delir
Relative Notfallindikation (keine dringliche Notarztindikation)Verwirrtheit, Entzugssyndrome ohne Delir, Suizidgedanken ohne konkrete Pläne, Angst und Panik, akute Belastungsreaktion

Erforderliche Kompetenzen

Für das Management psychiatrischer Notfälle wird vom behandelnden Team ein spezifisches Kompetenzprofil gefordert. Die Leitlinie nennt hierbei unter anderem:

  • Sicherheit in der psychopathologischen Diagnostik und somatomedizinische Kenntnisse

  • Fähigkeiten in der verbalen Krisenintervention und im Umgang mit Notfallmedikamenten

  • Kenntnisse der juristischen Rahmenbedingungen und Sicherheitstraining zum Eigenschutz

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💡Praxis-Tipp

Ein häufiger Fehler in der Notfallversorgung ist die unzureichende somatische Abklärung psychiatrisch auffälliger Patienten. Die Leitlinie warnt davor, Erregungszustände oder Verwirrtheit vorschnell als rein psychiatrisch einzustufen, da oft lebensbedrohliche organische Ursachen wie eine Hypoglykämie zugrunde liegen. Ein strukturiertes Medical Clearing wird als essenziell erachtet.

Häufig gestellte Fragen

Laut Leitlinie handelt es sich um eine Situation, in der eine psychische Störung akut auftritt oder exazerbiert und zu einer unmittelbaren Gefährdung von Leben oder Gesundheit führt. Es wird eine sofortige Diagnostik und Therapie in einer geeigneten Einrichtung gefordert.

Eine absolute Notarztindikation besteht gemäß Leitlinie bei konkreten Suizidplänen, hochgradigen Erregungszuständen, schwerer Aggressivität, Delir oder schweren Intoxikationen. Bei reinen Suizidgedanken ohne konkrete Pläne oder unkomplizierten Angstzuständen liegt meist nur eine relative Notfallindikation vor.

Das Medical Clearing bezeichnet die zwingend notwendige somatomedizinische Abklärung bei psychiatrischen Notfällen. Die Leitlinie empfiehlt hierbei eine vollständige körperliche und neurologische Untersuchung inklusive Labor, um organische Ursachen für die psychischen Symptome auszuschließen.

Die Leitlinie nennt Alkoholintoxikationen, Erregungszustände und Suizidalität als die häufigsten Einsatzursachen im Rettungsdienst. Etwa die Hälfte der psychiatrischen Notfälle ist auf psychotrope Substanzen zurückzuführen.

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KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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