Sportmedizinische Vorsorgeuntersuchung: Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Erwachsenen, die mit Sport beginnen oder intensiver trainieren möchten, sollte eine sportmedizinische Vorsorgeuntersuchung angeboten werden.
  • Die Untersuchung sollte in 1- bis 5-jährigen Abständen je nach individuellem Risikoprofil wiederholt werden.
  • Ab 35 Jahren soll zur kardiovaskulären Risikoeinschätzung ein validierter Score (z. B. Arriba, SCORE2) genutzt werden.
  • Die Ergebnisse sollen zwingend für individuelle Bewegungs- und Trainingsempfehlungen genutzt werden.
  • Auffällige orthopädische Befunde oder Kunstgelenke erfordern eine fachärztliche Mitbeurteilung.
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Hintergrund

Körperliche Aktivität senkt das Risiko für zahlreiche chronische Erkrankungen. Gleichzeitig kann intensiver Sport bei vulnerablen oder inaktiven Personen akut kardiovaskuläre Ereignisse triggern ("paradox of exercise"). Die S2k-Leitlinie richtet sich an gesunde Erwachsene (mit oder ohne Behinderung), die Sport treiben oder damit beginnen wollen. Sie gilt ausdrücklich nicht für Leistungssportler oder Kinder.

Ziel ist die Früherkennung kardiometabolischer und muskuloskelettaler Risiken sowie die Ableitung individueller Trainingsempfehlungen.

Indikation und Intervalle

Erwachsenen, die Sport treiben oder damit beginnen möchten, sollte eine Vorsorgeuntersuchung angeboten werden.

  • Intensitätssteigerung: Vor Aufnahme eines intensiveren Sportprogramms sollte die Untersuchung zwingend erfolgen.
  • Wiederholung: In Abhängigkeit von Risikoprofil, Sportart, Leistungsniveau und Intensität sollte die Untersuchung in 1- bis 5-jährigen Abständen angeboten werden.
  • Qualifikation: Die Durchführung sollte durch fachkundige Ärztinnen und Ärzte mit der Zusatzbezeichnung Sportmedizin erfolgen.

Anamnese

Es sollte ein standardisierter Anamnesebogen eingesetzt werden. Dieser umfasst Eigen-, Familien-, Medikamenten-, Ernährungs- und gynäkologische Anamnese sowie Impfstatus und Voroperationen.

Zusätzlich sollte eine spezifische Sportanamnese folgende Punkte integrieren:

  • Frequenz, Intensität, Dauer und Sportarten
  • Sportliche Vorerfahrungen und Ziele
  • Umgebungsbedingungen (Hitze, Kälte, Höhe)
  • Beschwerden in Ruhe und bei Belastung
  • Individuelles sportbezogenes Risikoprofil
  • Hilfsmittel (z. B. Sehhilfen) und Mobilitätseinschränkungen

Kardiovaskuläre Risikoeinschätzung

Zur Einschätzung des kardiovaskulären Risikos soll ab 35 Jahren ein validierter Score genutzt werden.

ScoreZielgruppeBerücksichtigte Parameter
SCORE240-69 Jahre (Primärprävention)Alter, Geschlecht, Gesamtcholesterin, HDL, systolischer RR, Raucherstatus
SCORE2-OP>70 JahreAnalog SCORE2, adaptiert für ältere Patienten
ARRIBAHausärztliches SettingFramingham-basiert, inkl. antihypertensive Therapie, Diabetes/HbA1c, Familienanamnese

Körperliche Untersuchung

Im Rahmen der Untersuchung soll ein Ganzkörperstatus erhoben werden. Dieser sollte sich an folgenden Bestandteilen orientieren:

UntersuchungsbereichBeispielhafte Entitäten / Fokus
AnthropometrieGröße, Gewicht, Bauchumfang, BMI, Körperfettanteil
VitalparameterHerzfrequenz, Blutdruck (mind. einmalig beidseits)
Herz und LungeVitien, COPD, Lungenfibrose
GefäßstatuspAVK, Aneurysma-Hinweise
AbdomenFettleber, Hernien, portale Hypertonie
BewegungsapparatBeweglichkeit, Stabilität großer Gelenke, Wirbelsäule, Muskelstatus
NervensystemGangbild, Reflexe, Sensibilität, Sturzneigung
SinnesorganeVisusprüfung, Hören
Haut/SchleimhäuteInfektionen, Anämie, Malignome
MundhöhleZahnstatus, chronische Gingivitis

Orthopädische Aspekte

Auffällige muskuloskelettale Befunde sind die Hauptursache für Einschränkungen der sportlichen Aktivität.

  • Bei Gelenkschwellungen, Schmerzen, relevanten Bewegungseinschränkungen, Instabilitäten oder Klopfschmerzen der Wirbelsäule sollte eine fachärztliche Evaluation (Orthopädie/Unfallchirurgie oder PRM) erfolgen.
  • Personen mit Kunstgelenken oder schweren Vorverletzungen sollten regelmäßig fachärztlich begleitet werden.

Beratung und Trainingsempfehlungen

Die Ergebnisse der Untersuchung sollen zwingend für die Ableitung individueller Bewegungs- und Trainingsempfehlungen genutzt werden.

Bei der Vermittlung sollten Techniken zur Verhaltensänderung (Behaviour Change Techniques) eingesetzt werden:

  • Motivierende Gesprächsführung: Offene Fragen, aktives Zuhören, Reflexion.
  • Partizipative Entscheidungsfindung: Gemeinsame Zielsetzung.
  • 5A-Modell: Assess (Erfassen), Advise (Beraten), Agree (Vereinbaren), Assist (Unterstützen), Arrange (Follow-up).
  • Positivbotschaften: Fokus auf psychosoziale und physiologische Vorteile statt auf Bedrohungsszenarien.

💡Praxis-Tipp

Nutzen Sie ab dem 35. Lebensjahr konsequent validierte Scores (wie Arriba oder SCORE2) zur kardiovaskulären Risikoeinschätzung, bevor Sie eine Sportfreigabe für intensive Belastungen erteilen.

Häufig gestellte Fragen

Erwachsene, die neu mit Sport beginnen oder ein intensiveres Trainingsprogramm aufnehmen möchten. Ausgenommen sind Leistungssportler sowie Kinder und Jugendliche.
In Abhängigkeit von Risikoprofil, Sportart, Leistungsniveau und Intensität wird ein Intervall von 1 bis 5 Jahren empfohlen.
Ab 35 Jahren sollen validierte Scores wie der Arriba-Score oder SCORE2 verwendet werden.
Sie sollte von fachkundigen Ärztinnen und Ärzten, vorzugsweise mit der Zusatzbezeichnung Sportmedizin, durchgeführt werden.
Bei Gelenkschwellungen, relevanten Bewegungseinschränkungen, Instabilitäten oder Klopfschmerzen der Wirbelsäule sollte eine fachärztliche Evaluation erfolgen.

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