Thoraxschmerz bei Kindern: Leitlinie (DGPK/AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Thoraxschmerzen sind im Kindesalter häufig, haben aber nur in ca. 1 % der Fälle eine kardiale Ursache.
  • Warnzeichen (Red Flags) wie Synkopen, Blässe, Kaltschweißigkeit oder Schmerzen unter Belastung erfordern eine sofortige Abklärung.
  • Die Basisdiagnostik umfasst Anamnese, klinische Untersuchung und die Überprüfung der Pulse an allen vier Extremitäten.
  • Bei Verdacht auf eine kardiale Genese sind EKG, Echokardiographie und Pulsoxymetrie indiziert.
  • Nach Ausschluss einer organischen Ursache sind keine Einschränkungen bei Sport oder Lebensführung notwendig.
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Hintergrund

Thoraxschmerzen sind im Kindes- und Jugendalter ein häufiges Symptom. In einer deutschen Studie gaben bis zu 7,9 % der gesunden Mädchen und 6,1 % der Jungen an, in den letzten drei Monaten Thoraxschmerzen gehabt zu haben. Eine kardiale Ursache liegt jedoch nur in etwa 1 % der Fälle vor. Der überwiegende Teil der Beschwerden ist nicht-kardiologisch oder idiopathisch. Nur im Ausnahmefall besteht eine vitale Bedrohung.

Anamnese und Red Flags

Die Erhebung der Anamnese ist der wichtigste Schritt zur Risikostratifizierung. Es soll gezielt nach Schmerzcharakter, Begleiterkrankungen und der Familienanamnese gefragt werden.

KategorieWarnhinweise (Red Flags)
EigenanamneseSynkope, Palpitationen, Schmerzdauer < 7 Tage, Schmerzen unter intensiver Belastung, vorangehende fieberhafte Erkrankung, bekannte Herzerkrankung/Herz-OP
FamilienanamneseBindegewebserkrankungen (z. B. Marfan-Syndrom), Hypertrophe obstruktive Kardiomyopathie (HOCM), plötzliche unklare Todesfälle im Alter < 40 Jahre

Klinische Untersuchung

Der klinische Eindruck entscheidet über die Dringlichkeit. Ein Patient, der über Thoraxschmerzen klagt, soll notfallmäßig versorgt werden, wenn folgende klinische Red Flags vorliegen:

  • Blässe
  • Reduzierter Allgemeinzustand
  • Kaltschweißigkeit
  • Dyspnoe

Zusätzlich sollen bisher unbekannte Herzgeräusche, pathologische pulmonale Auskultationsbefunde, Hepatosplenomegalie sowie fehlende oder abgeschwächte periphere Pulse abgeklärt werden. Die Palpation der Pulse an allen vier Extremitäten ist obligatorisch.

Apparative Diagnostik

Bei Verdacht auf eine kardiale Erkrankung soll die weitere Abklärung durch einen Kinderkardiologen erfolgen. Die Basisdiagnostik umfasst:

  • EKG: Fokus auf Repolarisationsstörungen (Myokardischämie) und Niedervoltage (Perikarderguss/-itis).
  • Echokardiographie: Standardisierte Untersuchung mit Augenmerk auf Koronararterien, linksventrikuläre Funktion, Perikarderguss und Aortendissektion.
  • Pulsoxymetrie: Eine herabgesetzte Sättigung bei strukturell normalem Herzen spricht für ein pulmonales Problem.
  • Blutdruckmessung: An allen vier Extremitäten.

Erweiterte Diagnostik (nur bei gezielter Indikation):

  • Belastungsuntersuchung: Selten notwendig, sollte aber bei Thoraxschmerz unter intensiver Belastung erfolgen.
  • Labor (Troponin, BNP): In der Regel nicht notwendig. Nur bei Verdacht auf kardiale Ursache bestimmen.
  • Bildgebung (CT/MRT/Herzkatheter): Nur bei speziellen Fragestellungen wie Koronaranomalien oder Aortendissektion.

Wichtige Differenzialdiagnosen

Die Ursachen für Thoraxschmerzen sind vielfältig und werden in kardiale und nicht-kardiale Genesen unterteilt.

Kardiale Ursachen

ErkrankungDiagnostische Hinweise / Anmerkungen
Myokarditis / PerikarditisEKG, Echo, Troponin, NT-proBNP. Oft nach fieberhaftem Infekt.
KoronaranomalienEcho, ggf. MRT/CT. Schmerz oder Synkope oft unter Belastung.
AortendissektionBildgebung hat oberste Priorität (CT/Echo). Sehr selten, oft bei Marfan-Syndrom oder nach Trauma.
Akute myokardiale IschämieEKG, Troponin, Echo. Kann durch Drogen (Kokain) oder Medikamente (Methylphenidat) getriggert sein.

Nicht-kardiale Ursachen

OrgansystemTypische Ursachen
PulmonalPneumonie, Asthma, Pneumothorax, Pleuritis (z. B. durch Coxsackie-B-Viren)
MuskuloskelettalHaltungsschwäche, Costochondritis, Tietze-Syndrom, Muskelkater
GastrointestinalReflux-Ösophagitis, Ulcus, Fremdkörper
PsychosomatischAngststörungen, Schulstress, Mobbing, Hyperventilation

Therapie und Überweisung

Die Therapie richtet sich nach der Grunderkrankung. Bei folgenden Diagnosen soll eine Verlegung in ein kinderkardiologisches Zentrum erfolgen:

  • Verdacht auf Myokardischämie
  • Koronaranomalie
  • Schwer verlaufende Myokarditis
  • Herzinsuffizienz oder symptomatische Kardiomyopathie
  • Transplantatabstoßung

Nach dem sicheren Ausschluss einer organischen Grunderkrankung ist die Beruhigung des Patienten und der Familie essenziell. Es sind dann keine Einschränkungen hinsichtlich Sport, Reisen oder Berufswahl erforderlich. Bei chronifizierten, psychosomatischen Schmerzen kann eine psychotherapeutische Intervention erwogen werden.

💡Praxis-Tipp

Achten Sie bei der körperlichen Untersuchung immer auf die Pulse an allen vier Extremitäten und fragen Sie in der Anamnese gezielt nach plötzlichen Todesfällen (unter 40 Jahren) in der Familie.

Häufig gestellte Fragen

Sehr selten. Nur in etwa 1 % der Fälle liegt dem Thoraxschmerz im Kindes- und Jugendalter eine kardiale Ursache zugrunde.
Blässe, reduzierter Allgemeinzustand, Kaltschweißigkeit und Dyspnoe. Diese Patienten müssen notfallmäßig versorgt werden.
Laboruntersuchungen wie hochsensitives Troponin und BNP sind in der Regel nicht notwendig und sollten nur bei konkretem Verdacht auf eine kardiale Ursache bestimmt werden.
Ja. Nach Ausschluss einer Herzerkrankung sind keine Einschränkungen hinsichtlich Sport, Reisen oder Berufswahl erforderlich.

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