Infarkt-bedingter kardiogener Schock: AWMF-Leitlinie
Hintergrund
Laut der AWMF S3-Leitlinie ist der infarktbedingte kardiogene Schock (IKS) die haeufigste intrahospitale Todesursache bei einem akuten Herzinfarkt. Etwa 5 bis 10 Prozent aller Infarktpatienten erleiden einen solchen Schock. Die Sterblichkeit ist mit 50 bis 80 Prozent sehr hoch, konnte jedoch gemaess den Leitliniendaten durch routinemaessige fruehe Revaskularisationen gesenkt werden. Die Leitlinie betont, dass das Ueberleben massgeblich von einer raschen Diagnosestellung und der optimalen intensivmedizinischen Behandlung des schockbedingten Multiorgandysfunktions-Syndroms (MODS) abhaengt.
Empfehlungen
Die AWMF S3-Leitlinie definiert klare Kernempfehlungen fuer die Akutversorgung:
Diagnostik
Nach aktueller Leitlinienempfehlung soll die Diagnose unverzueglich anhand klinischer Symptome (z. B. Hypotonie, kalte Extremitaeten, Oligurie) und nicht-invasiver Messungen gestellt werden.
Revaskularisation
Es wird eine fruehestmoegliche perkutane Koronarintervention (PCI) empfohlen. Laut Leitlinie soll dabei ausschliesslich die infarktverursachende Arterie (Culprit Lesion) behandelt werden.
Haemodynamisches Monitoring
Die Leitlinie stuft ein kontinuierliches EKG- und Blutdruck-Monitoring, die Pulsoxymetrie sowie die Bilanzierung der Urinausscheidung als obligat ein.
Echokardiographie
Gemaess Expertenkonsens soll fruehzeitig eine transthorakale Echokardiographie erfolgen, ohne jedoch die Herzkatheteruntersuchung zu verzoegern.
Kreislaufunterstuetzung
Zur medikamentoesen Stabilisierung wird der Einsatz von Noradrenalin beschrieben.
Ursachen des kardiogenen Schocks werden in der Leitlinie wie folgt klassifiziert:
| Kategorie | Beispiele laut Leitlinie |
|---|---|
| Myogen | Links-/Rechtsherzinfarkt, Myokarditis, Kardiomyopathien |
| Mechanisch | Klappenerkrankungen, Ventrikelseptumruptur, Papillarmuskelabriss |
| Rhythmogen | Tachykarde oder bradykarde Rhythmusstoerungen |
Kontraindikationen
Die Leitlinie warnt vor dem routinemaessigen Einsatz einer intraaortalen Ballongegenpulsation (IABP) bei PCI-behandelten Herzinfarktpatienten mit myokardialem Pumpversagen. Laut den zitierten Studiendaten fuehrt diese Massnahme zu keiner Prognoseverbesserung und wird daher nicht empfohlen.
💡Praxis-Tipp
Laut Leitlinie ist eine invasive Messung der Haemodynamik (wie die Bestimmung des Herzzeitvolumens oder des Pulmonalarteriellen Okklusionsdrucks) zur initialen Diagnosestellung eines kardiogenen Schocks nicht erforderlich und sollte den Therapiebeginn nicht verzoegern.
Häufig gestellte Fragen
Gemaess der AWMF-Leitlinie aeussert sich der Schock haeufig durch einen systolischen Blutdruck unter 90 mmHg, Zeichen der Endorgan-Hypoperfusion wie kalte Haut, Oligurie oder einen veraenderten Bewusstseinszustand.
Die Leitlinie empfiehlt ausdruecklich, im Rahmen der Akutrevaskularisation nur das verschlossene Infarktgefaess zu eroeffnen und Begleitstenosen zunaechst zu belassen.
Laut aktuellem Expertenkonsens der Leitlinie wird zunaechst ein mittlerer arterieller Druck (MAP) von etwa 65 mmHg angestrebt. Bei grenzwertiger klinischer Stabilitaet koennen auch Werte um 55 mmHg toleriert werden.
Die Leitlinie beschreibt die Laktat-Konzentration und die Laktat-Clearance als wichtige Parameter zur Beurteilung der Mikrozirkulation und Gewebehypoxie, deren Verlauf engmaschig kontrolliert werden sollte.
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Quelle: Infarkt-bedingter kardiogener Schock - Diagnose, Monitoring und Therapie (AWMF). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.