Kopfschmerzen bei Kindern: Bildgebung (AWMF-Leitlinie)
📋Auf einen Blick
- •Die Magnetresonanztomografie (MRT) ist das bildgebende Verfahren der Wahl bei der Abklärung von Kopfschmerzen bei Kindern.
- •Bei klinisch eindeutig gesicherter Migräne oder Spannungskopfschmerzen ist eine Bildgebung nicht zwingend erforderlich.
- •Kopfschmerzen bei 3- bis 4-jährigen Kindern sind ungewöhnlich und erfordern eine rasche MRT-Diagnostik zum Tumorausschluss.
- •Die Computertomografie (CT) bleibt speziellen akuten Fragestellungen (z.B. Trauma, vaskuläre Ursachen) vorbehalten.
Hintergrund
Das Symptom Kopfschmerz lässt bei Kindern eine Vielzahl an Differenzialdiagnosen zu. Grundsätzlich kommen bildgebende Methoden im Allgemeinen erst nach der klinischen Abklärung der Situation zum Einsatz. Ein besonderes Warnsignal stellen Kopfschmerzen bei Kleinkindern dar: Gibt ein 3- bis 4-jähriges Kind das Symptom Kopfschmerz an, ist dies ungewöhnlich und muss ernst genommen werden. In diesem Fall sollte nicht lange gezögert werden, das aussagefähigste Schnittbildverfahren einzusetzen, da differenzialdiagnostisch auch an einen Hirntumor gedacht werden muss.
Wahl des Bildgebungsverfahrens
Die Leitlinie gibt klare Empfehlungen zur Priorisierung der bildgebenden Modalitäten bei Kindern und Jugendlichen:
- Magnetresonanztomografie (MRT): Ist bei erforderlicher Bildgebung im Rahmen der Kopfschmerzabklärung die Methode der Wahl (Starker Konsens).
- Computertomografie (CT): Sollte speziellen Fragestellungen in der Akutdiagnostik (z.B. Polytrauma, Schädel-Hirn-Trauma, akute Liquorzirkulationsstörung) oder vermuteten vaskulären Ursachen bei entsprechender Klinik vorbehalten bleiben.
- Sonografie/Duplexsonografie: Kann bei Kopfschmerzsymptomatik von Kindern bei Spezialindikationen (z.B. über die noch offene Fontanelle oder transkraniell) eingesetzt werden.
Indikationen nach Differenzialdiagnose
Die nachfolgende Tabelle fasst die empfohlene Bildgebung je nach klinischer Fragestellung und vermuteter Ursache zusammen:
| Fragestellung / Diagnose | Bildgebende Diagnostik | Kommentar |
|---|---|---|
| Primärer Kopfschmerz (Migräne, Spannungskopfschmerz) | MRT | Bei gesicherter Diagnose nicht zwingend erforderlich. MRT jedoch indiziert bei Clusterkopfschmerz, Chronifizierung oder klinisch unklarem Befund. |
| Traumafolge | MRT (akut ggf. CT) | Röntgen ist nicht indiziert. Ultraschall (US) + FKDS zervikal/transkraniell möglich. |
| Vaskuläre Ursache | MRT/CT, MRA/CTA | Ggf. DSA bei Intervention; US + FKDS (zervikal/transkraniell). |
| Liquorzirkulationsstörung / Pseudotumor | MRT | Im Notfall CT (dosisreduziertes Protokoll). US bei offener Fontanelle. Bei Shunt: Röntgen-Ventil, Ultraschall für Shuntverlauf. |
| Tumor | MRT | CT nur bei spezieller Fragestellung (z.B. GPOH-Protokolle). |
| Meningitis / Enzephalitis | MRT | Bildgebung nur bei spezieller Indikation. |
| Komplikation bei Sinusitis / Mastoiditis | MRT | Zum Ausschluss von Sinusthrombose oder intrakranieller Abszess. CT ggf. präoperativ. |
| Craniomandibuläre Dysplasie | MRT | Spezielle Kiefergelenk-MRT mit geschlossenem und offenem Mund. |
Verzicht auf Bildgebung
Lediglich bei gesicherter Migräne und bei Spannungskopfschmerzen ist eine Bildgebung nicht zwingend erforderlich. Sollten diese Diagnosen klinisch jedoch nicht eindeutig sein, wird eine MRT zum Ausschluss anderer Differenzialdiagnosen (organische Ursachen) ausdrücklich empfohlen.
💡Praxis-Tipp
Nehmen Sie Kopfschmerzen bei 3- bis 4-jährigen Kindern immer ernst und veranlassen Sie zügig eine MRT zum Ausschluss eines Hirntumors. Verzichten Sie hingegen bei klinisch eindeutiger Migräne auf eine routinemäßige Bildgebung.