Obstruktive Schlafapnoe (OSA): S3-Leitlinie (AWMF)
📋Auf einen Blick
- •Die Diagnose einer OSA erfordert einen AHI > 15/h oder einen AHI ≥ 5/h mit typischer klinischer Symptomatik.
- •Die Polysomnographie (PSG) ist der Goldstandard; die Polygraphie ist bei hoher Prätestwahrscheinlichkeit einsetzbar.
- •Die CPAP-Therapie ist die Referenzmethode bei mittelgradiger und schwerer Schlafapnoe (AHI > 15/h).
- •Unterkieferprotrusionsschienen (UPS) sind eine Alternative bei leicht- bis mittelgradiger OSA (AHI ≤ 30/h).
- •Eine medikamentöse Therapie der OSA oder eine alleinige Sauerstofftherapie werden nicht empfohlen.
Hintergrund
Die obstruktive Schlafapnoe (OSA) ist eine häufige schlafbezogene Atmungsstörung. Leitsymptome sind Tagesschläfrigkeit, lautes und unregelmäßiges Schnarchen sowie fremdbeobachtete Atemstillstände. Unbehandelt ist die OSA mit einem erhöhten kardiovaskulären Risiko (arterielle Hypertonie, Herzinsuffizienz, Schlaganfall) assoziiert.
Schweregrade und Diagnosekriterien
Die Diagnose wird gestellt bei einem Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI) > 15/h oder einem AHI ≥ 5/h in Kombination mit typischen Symptomen oder relevanten Komorbiditäten.
| Schweregrad | AHI (Ereignisse/h) | Bemerkung |
|---|---|---|
| Leicht | 5 - 15 | Therapieindikation bei Symptomatik/Risiko (Empfehlungsgrad C) |
| Mittelgradig | 16 - 30 | CPAP-Therapie empfohlen (Empfehlungsgrad A) |
| Schwer | > 30 | CPAP-Therapie empfohlen (Empfehlungsgrad A) |
Diagnostik
Die Diagnostik erfolgt stufenweise:
- Fragebögen: Zur Erfassung der Prätestwahrscheinlichkeit und Tagesschläfrigkeit (z.B. ESS, STOP-BANG).
- Polygraphie (PG): Kann bei hoher Prätestwahrscheinlichkeit (Schnarchen, beobachtete Apnoen, Tagesschläfrigkeit) zur Bestätigung eingesetzt werden (Empfehlungsgrad A).
- Polysomnographie (PSG): Ist das Grundinstrument und die Referenzmethode (Empfehlungsgrad A). Sie ist zwingend erforderlich zur Differentialdiagnostik, bei niedriger Prätestwahrscheinlichkeit oder bei komorbiden Störungen (z.B. Herzinsuffizienz, COPD).
Therapieoptionen
Die Therapieauswahl richtet sich nach dem Schweregrad und der Patientencompliance.
| Therapieform | Indikation | Evidenz / Bemerkung |
|---|---|---|
| CPAP / APAP | Mittel- bis schwergradige OSA (AHI > 15/h) | Referenzmethode (Empfehlungsgrad A). APAP ist CPAP gleichwertig. |
| Unterkieferprotrusionsschiene (UPS) | Leicht- bis mittelgradige OSA (AHI ≤ 30/h) | Alternative zu CPAP, besonders bei BMI < 30 kg/m² (Empfehlungsgrad A). |
| Gewichtsreduktion | Alle übergewichtigen Patienten | Begleitende Basistherapie (Empfehlungsgrad A). |
| Sauerstofftherapie | Keine isolierte Therapie | Alleinige O2-Gabe wird nicht empfohlen (Empfehlungsgrad A). |
| Medikamentöse Therapie | Keine | Für die OSA selbst nicht empfohlen (Empfehlungsgrad A). |
Perioperatives Management
Patienten mit OSA haben ein erhöhtes Risiko für perioperative Komplikationen (Atemwegsmanagement, Katecholaminbedarf).
- Fragen zur OSA müssen Bestandteil der präoperativen Anamnese sein (Empfehlungsgrad B).
- Eine bereits eingeleitete CPAP-Therapie sollte in der perioperativen Phase fortgeführt werden (Empfehlungsgrad B).
Besonderheiten im Klinikalltag
- Residuale Tagesschläfrigkeit: Bei persistierender Schläfrigkeit unter effektiver CPAP-Therapie (nach Ausschluss anderer Ursachen) kann ein Off-Label-Einsatz von Modafinil erwogen werden (Empfehlungsgrad C).
- Telemonitoring: Kann zur Überprüfung der CPAP-Adhärenz und Therapieeffizienz eingesetzt werden, ersetzt aber nicht den persönlichen Arzt-Patienten-Kontakt.
💡Praxis-Tipp
Führen Sie bei Patienten mit therapierefraktärer arterieller Hypertonie oder unklarem Vorhofflimmern immer ein Screening auf obstruktive Schlafapnoe (z.B. mittels STOP-BANG-Fragebogen) durch.