Kawasaki-Syndrom: Leitlinie (AWMF/DGPK)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die klinische Diagnose erfordert Fieber (>5 Tage) und 4 von 5 Hauptkriterien (Konjunktivitis, Enanthem, Extremitätenveränderungen, Exanthem, Lymphadenopathie).
  • Die Echokardiografie ist die wichtigste apparative Untersuchung zur Erkennung von Koronaraneurysmen.
  • Die primäre Akuttherapie besteht aus intravenösen Immunglobulinen (IVIG) und hochdosierter Acetylsalicylsäure (ASS).
  • Bei Hochrisikopatienten (z.B. Alter <1 Jahr, initiale Koronarbeteiligung) sollen zusätzlich Glukokortikoide gegeben werden.
  • Die Langzeitnachsorge und Antikoagulation richten sich nach dem Z-Score der Koronararterien (Risikogruppen I-V).
Frage zu dieser Leitlinie stellen...

Hintergrund

Das Kawasaki-Syndrom (KS) ist eine akute systemische Vaskulitis kleiner und mittelgroßer Gefäße. Betroffen sind vornehmlich arterielle Gefäße mit direktem Abgang aus der Aorta, insbesondere die Koronararterien. Die genaue Ätiologie ist ungeklärt. 80 % der betroffenen Kinder sind unter 5 Jahre alt. Unbehandelt bestimmt die Ausbildung von Koronaraneurysmen maßgeblich die Morbidität und Mortalität.

Klinische Diagnosekriterien

Die Diagnose wird rein klinisch gestellt. Ein komplettes Kawasaki-Syndrom liegt vor bei Fieber über 5 Tage und zusätzlich 4 der 5 folgenden Kriterien:

KriteriumKlinisches Bild
1. KonjunktivitisBilaterale konjunktivale Injektion ohne Exsudation
2. SchleimhäuteOropharyngeale Veränderungen, Lacklippen, trockene/rissige Lippen, Erdbeerzunge
3. ExtremitätenAkut: Ödeme/Erytheme an Händen/Füßen; Chronisch: Hautschuppungen (ab 2.-3. Woche)
4. ExanthemMeist am Stamm, polymorph, nicht vesikulär
5. LymphknotenZervikale Lymphadenopathie > 1,5 cm, meist unilateral

Ein inkomplettes KS liegt vor, wenn neben Fieber weniger als 4 Kriterien erfüllt sind. Dies ist besonders häufig bei Säuglingen der Fall.

Diagnostik

Es gibt keinen spezifischen Labortest. Die Echokardiografie ist die entscheidende diagnostische Methode und muss bei Verdacht umgehend und wiederholt erfolgen.

  • Koronararterien: Darstellung und Messung der absoluten Durchmesser sowie Validierung anhand von Z-Scores.
  • Labor: Typisch sind Leukozytose mit Linksverschiebung, Anämie, erhöhtes CRP und eine Thrombozytose (Maximum erst nach 1-2 Wochen).
  • Zusatzdiagnostik: Augenärztliche Untersuchung (Uveitis-Ausschluss) und Audiogramm (Hörstörungen) im Verlauf empfohlen.

Akuttherapie

Ziel ist ein rascher Behandlungsbeginn zur Kontrolle der Inflammation und Verhinderung von Aneurysmen.

MedikamentDosierungIndikation / Bemerkung
IVIG2 g/kg KG über 10-12hSoll initial bei allen Patienten als Einmalgabe erfolgen
ASS30-50 mg/kg KG/TagInitialtherapie; nach 48-72h Fieberfreiheit Reduktion auf 3-5 mg/kg/Tag
Prednisolon2 mg/kg KG/TagSoll bei Hochrisikopatienten zusätzlich gegeben werden

Risikofaktoren für zusätzliche Steroidgabe:

  • Initiale Koronararterienbeteiligung (Z-Score > 2)
  • Alter < 1 Jahr
  • Schwerer Verlauf (z.B. Makrophagenaktivierungssyndrom, Schock)

Therapie bei Resistenz

Bei Persistenz des Fiebers länger als 36 Stunden nach IVIG-Gabe liegt eine Therapieresistenz vor.

  • Stufe 1: Zweite Gabe IVIG + Prednisolon (2 mg/kg/Tag).
  • Stufe 2: Bei weiterem Versagen Einsatz von Biologika (Infliximab 5 mg/kg oder Anakinra) oder Methylprednisolonpulsen (10-30 mg/kg/Tag für 3 Tage).

Langzeitmanagement und Antikoagulation

Die Nachsorge richtet sich nach dem echokardiografischen Befund der Koronararterien (Z-Score):

RisikostufeBefund (Z-Score)Therapie & Nachsorge
IKeine AnomalienASS für 6-8 Wochen; Echo nach 1 Jahr
IIEktasie (>2 bis <2,5)ASS bis Normalisierung
IIIKleines Aneurysma (>2,5 bis <5)ASS bis Rückgang; Ischämiediagnostik alle 3 Jahre
IVMittleres Aneurysma (>5 bis <10)ASS (evtl. + Clopidogrel); engmaschige Kontrollen
VGroßes Aneurysma (>10 oder >8 mm)ASS + Antikoagulation (z.B. Warfarin/LMWH); lebenslange Nachsorge

💡Praxis-Tipp

Denken Sie bei Säuglingen mit unklarem Fieber über 7 Tage immer an ein inkomplettes Kawasaki-Syndrom, da hier oft die klassischen klinischen Kriterien fehlen. Führen Sie frühzeitig und wiederholt eine Echokardiografie durch.

Häufig gestellte Fragen

Wenn neben dem Fieber weniger als 4 der 5 klassischen klinischen Kriterien erfüllt sind. Dies betrifft besonders häufig Säuglinge.
Die Beurteilung der Koronararterien mittels Z-Scores. Ein Z-Score >2,5 definiert ein Aneurysma, ein Z-Score >10 ein Riesenaneurysma.
Die Standardtherapie besteht aus intravenösen Immunglobulinen (IVIG 2 g/kg) und hochdosierter ASS (30-50 mg/kg/Tag).
Bei Vorliegen von Risikofaktoren wie initial vergrößerten Koronararterien, Alter unter 1 Jahr oder schweren Verläufen (z.B. Schock).
Es soll eine zweite IVIG-Gabe erfolgen, kombiniert mit Prednisolon. Bei weiterem Versagen können Biologika (Infliximab, Anakinra) eingesetzt werden.

Verwandte Leitlinien