Ernährung bei CED: S3-Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Regelmäßiges Screening auf Mangelernährung ist bei CED-Patienten essenziell, da diese die Prognose und Komplikationsraten verschlechtert.
  • Der Energiebedarf entspricht meist dem Gesunder (25-30 kcal/kg), der Proteinbedarf ist im aktiven Schub auf 1,0-1,2 g/kg erhöht.
  • Bei Eisenmangelanämie wird orales Eisen in Remission und intravenöses Eisen bei aktiver Erkrankung oder Hb < 10 g/dL empfohlen.
  • Die exklusive Formulanahrung ist Therapie der ersten Wahl zur Remissionsinduktion bei Kindern und Jugendlichen mit mildem Morbus Crohn.
  • Enterale Ernährung ist der parenteralen Ernährung vorzuziehen; Standard-Formulanahrung (polymer) wird empfohlen.
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Hintergrund

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED) wie Morbus Crohn (MC) und Colitis ulcerosa (CU) gehen mit einem hohen Risiko für Mangelernährung einher. Gleichzeitig nimmt die Prävalenz von Adipositas bei CED-Patienten zu, was das Komplikationsrisiko (insbesondere chirurgisch) erhöht und das Ansprechen auf Immunsuppressiva verschlechtern kann. Ein regelmäßiges Screening auf Mangelernährung ist essenziell, da diese Prognose, Komplikationsraten, Mortalität und Lebensqualität negativ beeinflusst.

Prävention und Risikofaktoren

Die Ernährung spielt eine Rolle bei der Entstehung von CED.

  • Schützende Faktoren: Eine gemüsereiche Ernährung mit vielen n-3-Fettsäuren und wenig n-6-Fettsäuren senkt das Risiko. Stillen ist protektiv.
  • Risikofaktoren: Ultrahochverarbeitete Lebensmittel und Emulgatoren (z. B. Carboxymethylcellulose) erhöhen das Risiko. Adipositas im Kindesalter erhöht das Risiko für Morbus Crohn.

Energiebedarf und Proteinbedarf

Der Energiebedarf von CED-Patienten entspricht weitgehend dem der gesunden Bevölkerung. Bei klinischem Verdacht auf Abweichungen sollte die indirekte Kalorimetrie genutzt werden.

  • Energiebedarf in Remission: 25-30 kcal/kg KG/d
  • Energiebedarf im aktiven Schub: 30-35 kcal/kg KG/d
KrankheitsphaseProteinbedarfBemerkung
Remission0,8-1,0 g/kg KG/dEntspricht gesunden Erwachsenen
Aktiver Schub1,0-1,2 g/kg KG/dErhöhter Bedarf durch Inflammation und Katabolismus

Mikronährstoffe und Eisen

CED-Patienten haben ein hohes Risiko für Mikronährstoffmangel (z. B. Eisen, Vitamin D, Zink). Ein regelmäßiges Screening ist auch in Remission indiziert. Bei Kortikosteroid-Therapie muss der Vitamin-D-Spiegel überwacht und ggf. mit Kalzium supplementiert werden, um einer Osteoporose vorzubeugen.

Eisensupplementierung: Ziel ist die Korrektur der Anämie und Normalisierung der Eisenspeicher.

TherapieformIndikation
Orales EisenErstlinie bei inaktiver CED, leichtem Mangel und guter Verträglichkeit
Intravenöses EisenErstlinie bei aktiver CED, Hb < 10 g/dL, oraler Intoleranz oder EPO-Bedar

Medizinische Ernährungstherapie

Die enterale Ernährung (EE) ist der parenteralen Ernährung (PE) grundsätzlich vorzuziehen. Als Standardprodukt wird eine polymere Formulanahrung mit moderatem Fettgehalt empfohlen. Spezifische Zusätze (wie Glutamin oder n-3-Fettsäuren) sind nicht routinemäßig erforderlich.

Morbus Crohn

  • Kinder und Jugendliche: Die exklusive Formulanahrung ist die Therapie der ersten Wahl zur Remissionsinduktion bei mildem MC.
  • Erwachsene: Die "Crohn's Disease Exclusion Diet" (CDED) mit oder ohne partielle Formulanahrung kann bei leicht bis mittelschwer aktivem MC erwogen werden.
  • Stenosen: Bei obstruktiven Symptomen ist eine ballaststoffmodifizierte Diät oder exklusive Formulanahrung indiziert.

Colitis ulcerosa

Die exklusive Formulanahrung wird zur primären Remissionsinduktion bei CU nicht empfohlen. Sie kann jedoch als supportive Therapie bei akuter schwerer CU eingesetzt werden.

Parenterale Ernährung (PE)

Eine PE ist nur indiziert, wenn eine bedarfsdeckende enterale Ernährung über mehrere Tage nicht möglich ist (z. B. Kurzdarmsyndrom, mechanischer Ileus, High-Output-Fistel proximal).

Perioperative Ernährung

CED-Patienten vor elektiven Eingriffen sollten nach dem ERAS-Protokoll (Enhanced Recovery After Surgery) behandelt werden. Ein präoperatives Fasten ab Mitternacht ist obsolet.

PhaseMaßnahmeIndikation / Bemerkung
PräoperativScreening & TherapieBei Mangelernährung/hohem Risiko: 10-14 Tage Ernährungstherapie (bevorzugt enteral)
PerioperativOrale Trinknahrung (ONS)Wenn Energiebedarf nicht durch Normalkost gedeckt wird
PostoperativEnterale/Parenterale ErnährungStart an Tag 1, wenn Patient mangelernährt ist oder orale Zufuhr >7 Tage <50 % bleibt

Spezielle klinische Situationen

  • High-Output-Stoma / Schwere Diarrhoe: Urinmenge (>1.000 mL/d anstreben) und Urinnatrium überwachen. Hypotone Flüssigkeiten reduzieren, isotone Glukose-Kochsalzlösung erhöhen.
  • Refeeding-Syndrom: Bei längerer Mangelernährung muss die Wiederernährung langsam erfolgen. Thiamin und Elektrolyte (Magnesium, Phosphat, Kalium) engmaschig überwachen und substituieren.

💡Praxis-Tipp

Nutzen Sie bei CED-Patienten mit aktiver Erkrankung oder Hb < 10 g/dL primär intravenöses Eisen. Achten Sie bei längerer Mangelernährung auf eine langsame Wiederernährung unter Thiamin-Gabe zur Vermeidung eines Refeeding-Syndroms.

Häufig gestellte Fragen

In Remission liegt der Bedarf bei 0,8-1,0 g/kg Körpergewicht. Im moderaten bis schweren Schub ist er auf 1,0-1,2 g/kg Körpergewicht erhöht.
Nur wenn eine bedarfsdeckende orale oder enterale Ernährung über mehrere Tage nicht möglich ist (z. B. bei Kurzdarmsyndrom, mechanischem Ileus oder proximaler High-Output-Fistel).
Bei mildem bis mittelschwerem Morbus Crohn kann die 'Crohn's Disease Exclusion Diet' (CDED) mit oder ohne partielle Formulanahrung erwogen werden. Bei Kindern ist die exklusive Formulanahrung Therapie der ersten Wahl.
Nein, ein präoperatives Fasten ab Mitternacht sollte vermieden werden. Patienten sollten nach dem ERAS-Protokoll behandelt werden.
Die Flüssigkeitszufuhr muss angepasst werden: Hypotone Flüssigkeiten reduzieren und isotone Glukose-Kochsalzlösung erhöhen. Eine Urinmenge von >1.000 mL/d ist anzustreben.

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