Wachstumsstörung bei Kindern: Bildgebung (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Eine Wachstumsstörung liegt bei einer Körperlänge unter der 3. oder über der 97. Perzentile sowie bei dysproportionalem Wachstum vor.
  • Ab dem 6. Lebensmonat ist das Röntgen der linken Hand (dv) das primäre Verfahren zur Knochenalterbestimmung.
  • Bei Neugeborenen und Säuglingen wird primär der Unterschenkel inkl. Fußwurzel geröntgt oder sonographiert.
  • Die Endgrößenbestimmung nach Bailey-Pinneau ist erst ab einem Knochenalter von ca. 7 Jahren möglich.
  • Die erweiterte Bildgebung (z.B. MRT, Sonographie) richtet sich spezifisch nach der vermuteten Ätiologie.
Frage zu dieser Leitlinie stellen...

Hintergrund

Eine Wachstumsstörung bei Kindern ist definiert als ein Abweichen der Körperlänge unter die 3. Perzentile bzw. über die 97. Perzentile oder als ein dysproportionales Wachstumsverhältnis von Extremitäten und Körperstamm. Eine Abschätzung der prospektiven Endgröße nach Bailey-Pinneau ist erst ab einem Knochenalter von ca. 7 Jahren möglich.

Primäre Bildgebung zur Knochenalterbestimmung

Die Wahl des primären bildgebenden Verfahrens zur Beurteilung des Knochenalters und der Knochenstruktur richtet sich nach dem Alter des Kindes:

AltersgruppeBildgebendes VerfahrenBemerkung
Neugeborene & SäuglingeRöntgen Unterschenkel inkl. Fußwurzel (seitlich)Alternativ: Sonographie der Epiphysenkerne (distales Femur, proximale Tibia) bei entsprechender Erfahrung.
Ab dem 6. LebensmonatRöntgen der linken Hand (dv)Starker Konsens (Empfehlung 1).

Für die Auswertung der Knochenalterbestimmung (Starker Konsens, Empfehlung 2) sollte primär die Atlasmethode nach Greulich & Pyle angewendet werden. Alternativen sind:

  • Tanner/Whitehouse
  • Thiemann/Nitz
  • Wissenschaftlich validierte CAD-Systeme und KI-Produkte

Erweiterte bildgebende Diagnostik

Zusätzlich zum Handröntgen richtet sich die erweiterte Diagnostik nach der zugrundeliegenden Ätiologie:

Ätiologie / VerdachtsdiagnoseEmpfohlene BildgebungSpezifische Hinweise
Hypophysäre ÄtiologieDünnschicht-MRT (Hypophyse/Hypothalamus)T1w obligat zur Lagebeurteilung der Neurohypophyse. Kontrastmittel bei Verdacht auf Tumor/Entzündung.
Thyreogene ÄtiologieSonographieBeurteilung der Schilddrüse.
Turner-SyndromSonographieNieren (z.B. Hufeisenniere) und inneres weibliches Genitale (z.B. Gonadendysgenesie).
Adrenogenitales SyndromSonographieNebennieren und Hoden (versprengtes Gewebe/Tumor).
SkelettdysplasieRöntgenSchädel (seitl.), Wirbelsäule (seitl.), Becken (ap), Knie (ap).

Bei Totgeburten mit Verdacht auf Skelettdysplasie wird das gesamte Skelett in 2 Ebenen geröntgt (möglichst Einzelaufnahmen oder Babygramm ap), ggf. ergänzt durch post mortem CT oder MRT.

💡Praxis-Tipp

Nutzen Sie zur Knochenalterbestimmung ab dem 6. Lebensmonat standardmäßig das Röntgen der linken Hand (dv). Bei Säuglingen unter 6 Monaten ist stattdessen eine Röntgenaufnahme des Unterschenkels oder eine Sonographie der Epiphysenkerne indiziert.

Häufig gestellte Fragen

Eine Abschätzung der prospektiven Endgröße ist erst ab einem Knochenalter von ca. 7 Jahren möglich.
Es soll eine Röntgenaufnahme der linken Hand im dorso-volaren (dv) Strahlengang angefertigt werden.
Primär die Atlasmethode nach Greulich & Pyle, alternativ Tanner/Whitehouse oder Thiemann/Nitz. Auch validierte KI-Systeme sind zulässig.
Ein Dünnschicht-MRT von Hypophyse und Hypothalamus, wobei eine T1-Wichtung zur Lagebeurteilung der Neurohypophyse obligat ist.

Verwandte Leitlinien