Nierenfunktionsszintigraphie: DGN S1-Leitlinie
Hintergrund
Die Nierenfunktionsszintigraphie dient laut DGN S1-Leitlinie der Bestimmung der seitengetrennten Nierenfunktion (relative Clearance) sowie der Beurteilung der Exkretion zum Nachweis oder Ausschluss einer Obstruktion des harnableitenden Systems. Nach aktueller Leitlinienempfehlung ist Tc-99m-MAG3 das Standard-Radiopharmakon, da es tubulär sezerniert wird und eine hohe Extraktionsrate aufweist.
Empfehlungen
Gemäß der Leitlinie ergeben sich folgende Kernindikationen für die Untersuchung:
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Alle Nierenerkrankungen mit Notwendigkeit zur Bestimmung der seitengetrennten Funktion und des Abflusses (z. B. Dilatationen, Refluxnephropathie)
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Abklärung einer Hypertonie oder eines Nierentraumas
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Evaluation potenzieller Lebendnierenspender
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Kontrolluntersuchungen nach Nierentransplantation oder vor nephrotoxischen Therapien
Zur Vorbereitung empfiehlt die Handlungsempfehlung eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr (mindestens 5 bis 10 ml/kg Körpergewicht etwa 30 bis 60 Minuten vor der Untersuchung). Laut Leitlinie sollte eine Dauermedikation mit Diuretika am Morgen der Untersuchung pausiert werden. Nach aktueller Leitlinienempfehlung ist die Blase vor der Injektion des Radiopharmakons zu entleeren.
Für die Durchführung der Furosemidbelastung beschreibt die Leitlinie verschiedene etablierte Protokolle (F-15, F=0, F+2, F+20). Unabhängig vom gewählten Zeitpunkt der Injektion wird die Anfertigung von späten Postmiktionsaufnahmen (50 bis 60 Minuten nach Tracer-Injektion) nachdrücklich empfohlen, um den diuretischen Effekt abschließend beurteilen zu können.
Zur Auswertung der seitengetrennten Nierenfunktion nennt die Leitlinie die Integralmethode oder die Patlak-Rutland-Methode als geeignete Verfahren. Eine adäquate Untergrundkorrektur, bevorzugt durch eine perirenale Region of Interest (ROI), wird als essenziell eingestuft.
Dosierung
Die DGN-Handlungsempfehlung gibt folgende empirische Dosierungen für die intravenöse Furosemidbelastung an:
| Patientengruppe | Dosierung (i.v.) |
|---|---|
| Neugeborene, Säuglinge, Kinder | 0,5 bis 1 mg pro kg Körpergewicht |
| Erwachsene | 20 bis 40 mg (entspricht ca. 0,5 mg pro kg Körpergewicht) |
Laut Leitlinie kann bei chronischer Niereninsuffizienz eine höhere Dosis (z. B. 1 mg/kg bei um 50 % verringerter MAG3-Clearance) erforderlich sein, da Furosemid und Tc-99m-MAG3 über denselben Transporter sezerniert werden.
Kontraindikationen
Als relative Kontraindikation für die Nierenfunktionsszintigraphie nennt die Leitlinie die Schwangerschaft. Bei stillenden Patientinnen ist gemäß EANM und ICRP keine Stillpause erforderlich; aus psychologischen Gründen kann optional eine Pause von 4 Stunden (bei Tc-99m-MAG3) eingehalten werden.
Für die Furosemidbelastung gelten laut Leitlinie folgende Kontraindikationen:
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Bekannte Nierensteine (relativ)
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Klinisch relevante Hypotonie
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Bekannte Unverträglichkeit gegen Furosemid
Die Leitlinie weist darauf hin, dass eine bekannte Allergie gegen Sulfonamid-Antibiotika keine Kontraindikation für Furosemid darstellt, da keine spezifische Kreuzreaktivität angenommen wird.
💡Praxis-Tipp
Laut Leitlinie kann eine Komedikation mit Diclofenac die spontane Ureterkontraktion hemmen und zu einer verlängerten Transitzeit führen, weshalb das Medikament idealerweise vor der Untersuchung pausiert werden sollte.
Häufig gestellte Fragen
Gemäß der Leitlinie kann die Untersuchung generell bereits im ersten Lebensmonat erfolgen. In speziellen Fällen ist eine Bestimmung der seitengetrennten Funktion mit Tc-99m-MAG3 auch schon in der ersten Lebenswoche möglich.
Die Handlungsempfehlung präferiert tubulär extrahierte Radiopharmaka wie Tc-99m-MAG3, da diese eine deutlich höhere Extraktionsrate als glomerulär filtrierte Tracer aufweisen.
Laut Leitlinie hat sich eine perirenale ROI als bester Kompromiss erwiesen, um sowohl die intravaskuläre als auch die extrarenale Hintergrundaktivität zu korrigieren.
Die Leitlinie empfiehlt zur Quantifizierung des diuretischen Effekts die Verwendung der Parameter NORA oder OE, da diese eine Korrektur für einen verlangsamten renalen Uptake bei eingeschränkter Nierenfunktion erlauben.
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Quelle: Nierenfunktionsszintigraphie mit und ohne Furosemid-Diurese bei Kindern und Erwachsenen (AWMF). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.