Herzinsuffizienz-Leitlinie 2021 (CCS/CHFS Pocket Guide)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf CCS Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Diagnostik der Herzinsuffizienz stützt sich maßgeblich auf natriuretische Peptide (BNP/NT-proBNP), wobei alters- und situationsabhängige Cut-offs gelten.
  • Die HFrEF-Basistherapie umfasst ARNI/ACE-Hemmer/ARB, Betablocker, MRA und SGLT2-Inhibitoren, die zügig auf Zieldosen hochtitriert werden sollten.
  • Bei der Umstellung von einem ACE-Hemmer auf einen ARNI muss zwingend eine Auswaschphase von mindestens 36 Stunden eingehalten werden.
  • Das Akutmanagement (AHF) fokussiert sich auf Volumeneinschätzung und intravenöse Schleifendiuretika, ggf. ergänzt durch Thiazide bei Diuretika-Resistenz.
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Hintergrund

Die Leitlinie der Canadian Cardiovascular Society (CCS) und der Canadian Heart Failure Society (CHFS) aus dem Jahr 2021 bietet einen praxisorientierten Ansatz zur Diagnose und Behandlung der Herzinsuffizienz (HF). Sie umfasst sowohl die chronische als auch die akute Herzinsuffizienz und integriert moderne Substanzklassen wie SGLT2-Inhibitoren und ARNI in die Standardtherapie.

Diagnostik und Assessment

Die Diagnose stützt sich auf klinische Symptome, Risikofaktoren, EKG, Bildgebung (Röntgen-Thorax, Echokardiografie) und Biomarker. Ein reduziertes LVEF (≤ 40%) definiert die HFrEF, während ein LVEF ≥ 50% bei entsprechenden Symptomen auf eine HFpEF hindeutet.

Natriuretische Peptide (Cut-offs bei Verdacht auf akute HF):

BiomarkerHF unwahrscheinlichHF möglich (andere Ursachen prüfen)HF wahrscheinlich
BNP< 100 pg/ml100-400 pg/ml> 400 pg/ml
NT-proBNP (Alter 50-75)< 300 pg/ml300-900 pg/ml> 900 pg/ml
NT-proBNP (Alter > 75)< 300 pg/ml300-1800 pg/ml> 1800 pg/ml

Anmerkung: Im ambulanten Setting gelten niedrigere Cut-offs (NT-proBNP > 125 pg/ml, BNP > 50 pg/ml), um eine frühzeitige leitliniengerechte Therapie zu ermöglichen.

Pharmakotherapie bei HFrEF (LVEF ≤ 40%)

Die Standardtherapie sollte so schnell wie möglich initiiert und alle 2-4 Wochen bis zur Zieldosis (oder maximal tolerierten Dosis) über einen Zeitraum von 3-6 Monaten hochtitriert werden.

WirkstoffklasseMedikamentStartdosisZieldosis
ARNISacubitril-Valsartan50-100 mg BID200 mg BID
ACE-HemmerEnalapril1,25-2,5 mg BID10 mg BID (20 mg BID bei NYHA IV)
ACE-HemmerRamipril1,25-2,5 mg BID5 mg BID
ARBValsartan40 mg BID160 mg BID
BetablockerBisoprolol1,25 mg QD10 mg QD
BetablockerCarvedilol3,125 mg BID25 mg BID (50 mg BID bei >85 kg)
MRASpironolacton12,5 mg QD25-50 mg QD
SGLT2-InhibitorDapagliflozin10 mg QD10 mg QD
SGLT2-InhibitorEmpagliflozin10 mg QD10-25 mg QD

Umstellung von ACE-Hemmer/ARB auf ARNI

  • Von ACE-Hemmer: ACE-Hemmer absetzen, mindestens 36 Stunden nach der letzten Dosis warten (Gefahr des Angioödems), dann ARNI starten.
  • Von ARB: ARB absetzen, keine Auswaschphase nötig, ARNI starten, wenn die nächste ARB-Dosis fällig wäre.

Erweiterte medikamentöse Therapie bei HFrEF

Bei persistierenden Symptomen (NYHA II-IV) trotz optimierter Basistherapie können weitere Substanzen evaluiert werden:

WirkstoffIndikationBemerkung
IvabradinSinusrhythmus, HF ≥ 70 bpmVermeiden bei SBP < 100 mmHg oder symptomatischer Hypotonie
VericiguatVerschlechterung der HF, Hospitalisierung in den letzten 6 MonatenNicht mit Nitraten kombinieren
Hydralazin/ISDNIntoleranz gegenüber ARNI/ACEi/ARB oder bei schwarzen PatientenVermeiden bei symptomatischer Hypotonie
DigoxinHohe Symptomlast oder Vorhofflimmern mit schlechter FrequenzkontrolleEnge therapeutische Breite, Toxizitätsrisiko

Akute Herzinsuffizienz (AHF)

Das primäre Ziel ist die Etablierung einer Euvolämie und die Linderung der Symptome bei gleichzeitiger Optimierung der evidenzbasierten Therapie.

Diuretika-Stufenschema (Schleifendiuretika i.v.):

MaßnahmeDosierung / VorgehenBemerkung
InitialtherapieFurosemid 20-80 mg Bolus ODER Infusion 5-20 mg/hZiel: O2-Sättigung ≥ 92%
ReevaluationGewicht und Urinausscheidung nach 24h prüfenZiel: 3-5 L Urin, 0,5-1,5 kg Gewichtsverlust
EskalationDosis um ca. 50% erhöhen ODER Metolazon 1,25-5 mg ergänzenBei Gewichtsverlust < 0,5 kg oder < 3 L Urin/Tag

Kriterien für eine Entlassung aus der Notaufnahme:

  • Klinischer Status: NYHA II (signifikante Besserung)
  • O2-Sättigung (Raumluft): ≥ 92%
  • Blutdruck: > 100 mmHg (oder ähnlich dem Ausgangswert)
  • Herzfrequenz: < 90 bpm
  • Atemfrequenz: ≤ 20 Atemzüge/Minute

Indikation zur Gerätetherapie (ICD/CRT)

Eine Überweisung zur Evaluation eines ICD oder CRT sollte erwogen werden, wenn der Patient seit mindestens 3 Monaten unter optimaler medikamentöser Therapie steht und die LVEF weiterhin ≤ 35% beträgt. Für eine zusätzliche CRT-Indikation muss das EKG einen Sinusrhythmus mit einer QRS-Dauer > 130 ms und Linksschenkelblock-Morphologie (LBBB) aufweisen, gepaart mit NYHA II-IV Symptomen.

💡Praxis-Tipp

Achten Sie bei der Umstellung von einem ACE-Hemmer auf Sacubitril/Valsartan (ARNI) zwingend auf die 36-stündige Auswaschphase, um lebensbedrohliche Angioödeme zu vermeiden. Bei einer Umstellung von einem ARB kann nahtlos gewechselt werden.

Häufig gestellte Fragen

Bei Patienten zwischen 50 und 75 Jahren spricht ein NT-proBNP > 900 pg/ml für eine akute HF, bei über 75-Jährigen ein Wert > 1800 pg/ml. Ein BNP > 400 pg/ml macht eine akute HF altersunabhängig wahrscheinlich.
Ivabradin kann erwogen werden bei Patienten im Sinusrhythmus mit einer Herzfrequenz von ≥ 70 bpm, die trotz optimierter Betablocker-Therapie weiterhin symptomatisch sind. Es sollte bei einem systolischen Blutdruck < 100 mmHg vermieden werden.
Initial wird Furosemid i.v. als Bolus (20-80 mg) oder Infusion (5-20 mg/h) gegeben. Bei unzureichender Diurese (Gewichtsabnahme < 0,5 kg oder < 3 L Urin in 24h) sollte die Dosis um 50% erhöht oder ein Thiazid wie Metolazon ergänzt werden.
Eine Überweisung ist indiziert, wenn die LVEF nach mindestens 3 Monaten unter optimaler medikamentöser Therapie weiterhin bei ≤ 35% liegt und der Patient eine angemessene Lebenserwartung hat.

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