Chronische Nierenkrankheit (CKD): DEGAM S3-Leitlinie
Hintergrund
Die chronische Nierenkrankheit (CKD) ist laut DEGAM S3-Leitlinie definiert durch eine eingeschränkte Nierenfunktion (eGFR < 60 ml/min/1,73 m²) und/oder das Vorliegen einer Albuminurie (UACR > 30 mg/g) über mindestens drei Monate. Gemäß der Leitlinie weisen bis zu 27,9 % der Patientinnen und Patienten in deutschen Hausarztpraxen eine CKD auf, wobei es sich meist um ältere Menschen in frühen Stadien handelt. Die Leitlinie betont, dass das Hauptziel der hausärztlichen Versorgung darin besteht, die Progression zum Nierenversagen sowie kardiovaskuläre Komplikationen durch präventive Maßnahmen und ein strukturiertes Monitoring zu verzögern oder zu vermeiden.
Empfehlungen
Laut DEGAM S3-Leitlinie wird ein anlassloses Screening der Allgemeinbevölkerung auf eine chronische Nierenkrankheit nicht empfohlen. Ein gezieltes Screening der Nierenfunktion (eGFR) soll gemäß Leitlinie jedoch bei Risikogruppen wie Personen mit Diabetes mellitus (jährlich) oder bei Erstdiagnose eines Bluthochdrucks erfolgen.
Diagnostik und Erstmaßnahmen Wird erstmalig eine eGFR < 60 ml/min/1,73 m² festgestellt, empfiehlt die Leitlinie eine Kontrollmessung nach drei Monaten zur Diagnosesicherung. Nach aktueller Leitlinienempfehlung sollen bei Erstdiagnose einer CKD zudem folgende Untersuchungen durchgeführt werden:
- Bestimmung der Albumin-Kreatinin-Ratio (UACR) im Urin (starke Empfehlung)
- Urinstreifentest auf Hämaturie (starke Empfehlung)
- Kontrolle des Blutdrucks (starke Empfehlung)
- Einmalige Ultraschalluntersuchung der Nieren und Harnwege
Therapeutische Maßnahmen Die AWMF S3-Leitlinie empfiehlt bei Vorliegen einer Hypertonie bevorzugt den Einsatz von ACE-Hemmern oder Angiotensinrezeptorblockern (ARB). Für Patientinnen und Patienten mit einer Albuminurie (UACR ≥ 300 mg/g) oder einer eGFR < 45 ml/min/1,73 m² wird laut Leitlinie der Einsatz eines SGLT2-Hemmers empfohlen. Eine asymptomatische Hyperurikämie soll gemäß Expertenkonsens nicht medikamentös behandelt werden. Zur Primärprävention kardiovaskulärer Ereignisse wird bei Personen bis 75 Jahren mit hohem Risiko die Gabe eines Statins empfohlen (starke Empfehlung).
Überweisung in die Nephrologie Die Leitlinie rät zu einer nephrologischen Überweisung bei einer eGFR < 30 ml/min/1,73 m², bei rascher Progression, bei persistierender unklarer Hämaturie oder bei refraktärer Hypertonie.
Impfungen Abweichend von der Allgemeinbevölkerung empfiehlt die Leitlinie für CKD-Betroffene unter anderem eine jährliche Grippeimpfung (auch unter 60 Jahren), eine Pneumokokkenimpfung (PCV20) sowie eine Herpes-Zoster-Impfung ab 50 Jahren.
Kontraindikationen
Gemäß der DEGAM S3-Leitlinie sind nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) bei einer eGFR < 30 ml/min/1,73 m² kontraindiziert. Bei einer eGFR > 30 ml/min/1,73 m² wird empfohlen, NSAR nur so kurz und niedrigdosiert wie möglich einzusetzen.
Laut Leitlinie soll Metformin bei einer eGFR < 30 ml/min/1,73 m² vermieden werden.
Zudem warnt die Leitlinie vor der Gefahr eines akut auf chronischen Nierenversagens bei interkurrenten Erkrankungen (wie Diarrhoe oder fieberhaften Infekten). In solchen Situationen wird empfohlen, alle potenziell nephrotoxischen oder renal eliminierten Medikamente zu evaluieren und gegebenenfalls zu pausieren (starke Empfehlung).
💡Praxis-Tipp
Die DEGAM S3-Leitlinie empfiehlt, bei Patientinnen und Patienten mit chronischer Nierenkrankheit mindestens einmal jährlich ein strukturiertes Medikamentenreview durchzuführen, welches auch freiverkäufliche Präparate (OTC) einschließt, um potenziell nephrotoxische Wechselwirkungen zu identifizieren.
Häufig gestellte Fragen
Laut DEGAM S3-Leitlinie sollte bei Patientinnen und Patienten mit Diabetes mellitus einmal jährlich die eGFR bestimmt werden, um eine chronische Nierenkrankheit frühzeitig zu erfassen.
Die Leitlinie empfiehlt kein anlassloses Screening auf chronische Nierenkrankheiten bei asymptomatischen Erwachsenen ohne bekannte Risikofaktoren.
Gemäß der aktuellen Leitlinienempfehlung sollen zur Behandlung einer Hypertonie bei CKD bevorzugt ACE-Hemmer oder Angiotensinrezeptorblocker (ARB) verordnet werden.
Die AWMF S3-Leitlinie empfiehlt eine Überweisung unter anderem bei einer eGFR unter 30 ml/min/1,73 m², bei rascher Verschlechterung der Nierenfunktion, bei schwer einstellbarem Blutdruck oder bei unklarer Hämaturie.
Nach aktueller Leitlinienempfehlung soll bei einer chronischen Nierenkrankheit und gleichzeitig bestehender asymptomatischer Hyperurikämie keine harnsäuresenkende Therapie eingeleitet werden.
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Quelle: DEGAM S3-Leitlinie Versorgung von Patienten mit chronischer nicht-dialysepflichtiger Nierenerkrankung (DEGAM, 2024). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.