DEGAM S3-Leitlinie: Versorgung bei Multimorbidität
Hintergrund
Die DEGAM S3-Leitlinie definiert Multimorbidität als das gleichzeitige Vorliegen von mindestens drei chronischen Erkrankungen bei einer Person. Laut Leitlinie ist dieses Krankheitsbild stark altersabhängig und geht häufig mit einer erhöhten Mortalität, vermehrten Krankenhauseinweisungen sowie einer reduzierten Lebensqualität einher. Der aktuelle Expertenkonsens betont, dass die Versorgung dieser heterogenen Patientengruppe nach streng krankheitsspezifischen Leitlinien aufgrund von Multimedikation und widersprüchlichen Empfehlungen zu gesundheitlichen Gefährdungen führen kann. Daher rückt die Leitlinie eine patientenzentrierte Betreuung in den Fokus, die individuelle Bedürfnisse, Ressourcen und die Lebensrealität der Betroffenen berücksichtigt.
Empfehlungen
Gemäß der DEGAM S3-Leitlinie steht bei der Versorgung multimorbider Patientinnen und Patienten eine intensive, patientenzentrierte Kommunikation im Vordergrund, für die ausreichend Zeit eingeplant werden soll (starke Empfehlung). Die Leitlinie empfiehlt, individuelle Bedürfnisse, Behandlungspräferenzen und Gesundheitsziele systematisch zu erfassen. Dabei soll laut Leitlinienempfehlung ein Abgleich zwischen patientenseitigen Prioritäten, wie dem Erhalt der Autonomie, und ärztlichen Zielsetzungen erfolgen.
Zur Ermittlung der Krankheits- und Behandlungslast wird empfohlen, die Auswirkungen der Gesundheitsprobleme und Therapien auf das tägliche Leben zu besprechen. Ein zentraler Aspekt ist das Management der Multimedikation: Die AWMF S3-Leitlinie rät dazu, bei jeder Konsultation die Anzahl und Dosierung der Medikamente zu erfassen und auf nicht-indizierte oder interagierende Präparate zu prüfen, um gegebenenfalls ein Deprescribing einzuleiten.
Weiterhin stuft die Leitlinie ein opportunistisches Screening auf ein erhöhtes Sturzrisiko als starke Empfehlung ein; hierbei sollen ältere Personen mindestens einmal jährlich nach Stürzen befragt werden. Nach aktueller Leitlinienempfehlung sind zudem psychische Komorbiditäten bei der Abklärung somatischer Symptome differenzialdiagnostisch zu erwägen. Zur Vermeidung eines Autonomieverlustes empfiehlt der Expertenkonsens unter anderem Wohnraumanpassungen, multimodales Training sowie regelmäßige augen- und ohrenärztliche Untersuchungen.
Kontraindikationen
Die DEGAM S3-Leitlinie warnt vor den Gefahren der Multimedikation, die insbesondere bei älteren Menschen das Risiko für unerwünschte Arzneimittelwirkungen, kognitive Beeinträchtigungen und Stürze erhöht. Laut Leitlinie ist bei der Verordnung auf potenziell inadäquate Medikation (PIM) sowie auf anticholinerge Nebenwirkungen und arzneimittelbedingte QT-Zeit-Verlängerungen zu achten.
💡Praxis-Tipp
Zur Strukturierung der Konsultation empfiehlt die Leitlinie die Anwendung eines Meta-Algorithmus, der dabei unterstützt, komplexe Problemlagen zu priorisieren, abwendbar gefährliche Verläufe auszuschließen und die Therapieentscheidungen an den individuellen Lebenszielen der Patientinnen und Patienten auszurichten.
Häufig gestellte Fragen
Die DEGAM S3-Leitlinie definiert Multimorbidität als das gleichzeitige Vorliegen von mindestens drei chronischen Erkrankungen bei derselben Person.
Es wird empfohlen, bei jeder Konsultation ein Medikamentenreview durchzuführen, um die Medikation auf interagierende oder nicht-indizierte Präparate zu prüfen und gegebenenfalls eine Dosisreduktion oder ein Absetzen (Deprescribing) einzuleiten.
Nach aktueller Leitlinienempfehlung sollen Behandlungsentscheidungen stets vor dem Hintergrund der individuellen Patientenpräferenzen und Gesundheitsziele getroffen werden, wobei ein Abgleich mit den ärztlichen Zielsetzungen erfolgen soll.
Die Leitlinie stuft die jährliche Befragung nach Stürzen als starke Empfehlung ein und rät bei erhöhtem Risiko zu Wohnraumanpassungen sowie einem multimodalen Training.
Gemäß Expertenkonsens soll mit den Betroffenen besprochen werden, wie stark medizinische Termine, Medikamenteneinnahmen und Therapien ihr tägliches Leben und psychisches Wohlbefinden beeinflussen.
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Quelle: DEGAM S3-Leitlinie Multimorbidität (Living Guideline) (DEGAM, 2024). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.