ERC-Leitlinie 2021: Paediatric Life Support (PLS)
Hintergrund
Die European Resuscitation Council (ERC) Leitlinie 2021 zum Paediatric Life Support (PLS) adressiert das Management von kritisch kranken Säuglingen und Kindern vor, während und nach einem Herzstillstand. Da pädiatrische Notfälle im Vergleich zu Notfällen bei Erwachsenen seltener auftreten, fehlt Behandlern oft die klinische Routine. Zudem unterscheiden sich die zugrundeliegenden Pathophysiologien und Ätiologien deutlich. Die Leitlinie zielt darauf ab, evidenzbasierte und kontextbezogene Empfehlungen für medizinisches Fachpersonal bereitzustellen, um die Erkennung und Behandlung von lebensbedrohlichen Zuständen wie respiratorischem oder zirkulatorischem Versagen zu optimieren.
Empfehlungen
Gemäß der ERC-Leitlinie erfolgt die Beurteilung des kritisch kranken Kindes strukturiert nach dem ABCDE-Schema.
Atemwegsmanagement und Beatmung
Die Beutel-Masken-Beatmung wird als primäre Methode der Wahl zur Unterstützung der Ventilation beschrieben. Eine endotracheale Intubation soll laut Leitlinie nur durch kompetentes Personal erfolgen. Dabei wird die Verwendung von gecufften Tuben sowie die zwingende Lagekontrolle mittels Kapnografie empfohlen. Die Sauerstofftherapie ist auf eine Zielsättigung (SpO2) von 94-98 % zu titrieren. Ist eine Messung nicht möglich, wird initial hochdosierter Sauerstoff empfohlen.
Kreislaufversagen und Schock
Bei einem Kreislaufversagen empfiehlt die Leitlinie die frühzeitige Gabe von Flüssigkeitsboli (10 ml/kg) mit anschließender Reevaluation, um eine Volumenüberladung zu vermeiden. Der frühzeitige Einsatz von vasoaktiven Substanzen wird angeraten.
Paediatric Basic Life Support (PBLS)
Die Reanimation beginnt laut Leitlinie mit 5 initialen Beatmungen. Anschließend wird ein Verhältnis von 15 Thoraxkompressionen zu 2 Beatmungen (15:2) für professionelle Helfer empfohlen. Die Kompressionsfrequenz soll 100-120 pro Minute betragen, die Drucktiefe mindestens ein Drittel des Thoraxdurchmessers (maximal 6 cm).
Paediatric Advanced Life Support (PALS)
Bei schockbaren Rhythmen (Kammerflimmern, pulslose ventrikuläre Tachykardie) empfiehlt die Leitlinie eine Defibrillation mit 4 J/kg. Es wird betont, reversible Ursachen (4H und 4T) aktiv zu suchen und zu behandeln.
Dosierung
Die ERC-Leitlinie nennt spezifische Dosierungen für pädiatrische Notfälle. Zur Gewichtsschätzung wird die Nutzung längenbasierter Systeme empfohlen.
| Indikation | Maßnahme / Medikament | Dosierung laut Leitlinie |
|---|---|---|
| Defibrillation | Schockenergie | 4 J/kg |
| Reanimation | Adrenalin (i.v./i.o.) | 10 mcg/kg (0,01 mg/kg), max. 1 mg |
| Reanimation | Amiodaron (i.v./i.o.) | 5 mg/kg (nach 3. und 5. Schock) |
| Anaphylaxie | Adrenalin (i.m.) | 0,01 mg/kg |
| Status asthmaticus | Magnesiumsulfat (i.v.) | 50 mg/kg über 20 Min. (max. 2 g) |
| Hypoglykämie | Glukose (i.v.) | 0,3 g/kg als Bolus |
| Schock | Flüssigkeitsbolus | 10 ml/kg (kristalloide Lösung) |
Kontraindikationen
Die Leitlinie warnt davor, bei einem hämorrhagischen Schock große Mengen an kristalloiden Lösungen zu verabreichen; diese sollen auf maximal 20 ml/kg begrenzt werden. Zudem wird von der routinemäßigen Gabe von Antibiotika bei einem Status asthmaticus abgeraten, sofern keine Hinweise auf eine bakterielle Infektion vorliegen. Bei der medikamentösen Behandlung des Status epilepticus ist Valproinsäure laut Leitlinie bei Verdacht auf Leberversagen oder Stoffwechselerkrankungen zu vermeiden.
💡Praxis-Tipp
Laut ERC-Leitlinie ist bei der Beutel-Masken-Beatmung eine Zwei-Helfer-Methode zu bevorzugen, insbesondere wenn sich die Beatmung als schwierig erweist oder ein erhöhtes Risiko für die Übertragung von Infektionskrankheiten besteht.
Häufig gestellte Fragen
Laut ERC-Leitlinie gelten die Empfehlungen für alle Kinder von 0 bis 18 Jahren, ausgenommen ist lediglich die Erstversorgung von Neugeborenen direkt nach der Geburt.
Die Leitlinie empfiehlt, das untere Drittel des Sternums um mindestens ein Drittel des Thoraxdurchmessers einzudrücken. Dabei darf die maximale Tiefe von 6 cm (Erwachsenenrichtwert) nicht überschritten werden.
Bei nicht-schockbaren Rhythmen rät die Leitlinie zur schnellstmöglichen Gabe von Adrenalin. Bei schockbaren Rhythmen wird die Gabe erst nach dem dritten erfolglosen Schock empfohlen.
Als erste Wahl für Flüssigkeitsboli nennt die Leitlinie balancierte Vollelektrolytlösungen. Ist dies nicht verfügbar, wird isotonische Kochsalzlösung als Alternative beschrieben.
Gemäß Leitlinie ist bei Verdacht auf Anaphylaxie unverzüglich Adrenalin intramuskulär (0,01 mg/kg) in den anterolateralen Oberschenkel zu verabreichen.
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Quelle: European Resuscitation Council Guidelines 2021: Paediatric Life Support (ERC, 2021). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.