Notfall- und Akutmedizin ab 16 Jahren: NICE-Leitlinie
📋Auf einen Blick
- •Point-of-Care-CRP-Tests sollten bei Verdacht auf tiefe Atemwegsinfektionen im ambulanten Bereich angeboten werden.
- •Die Entlassungsplanung muss bereits zum Zeitpunkt der stationären Aufnahme beginnen.
- •Eine fachärztliche Erstbeurteilung (Consultant Review) wird innerhalb von 14 Stunden nach Aufnahme empfohlen.
- •Krankenhausbetten-Kapazitäten sollten so geplant werden, dass eine Belegung von über 90 % vermieden wird.
- •Für Visiten, Übergaben und Patiententransfers sind standardisierte Ansätze (z. B. Checklisten) zu nutzen.
Hintergrund
Die NICE-Leitlinie NG94 befasst sich mit der Organisation und Bereitstellung von Notfall- und Akutmedizin für Patienten ab 16 Jahren. Ziel ist es, Krankenhausaufnahmen zu reduzieren, den Patientenfluss zu optimieren und eine sichere, frühzeitige Entlassung in die ambulante Versorgung zu fördern.
Präklinische und ambulante Versorgung
Um unnötige Krankenhausaufnahmen zu vermeiden, sollten erste Kontaktpunkte im Gesundheitssystem gestärkt werden:
- Spezialisierte Notfallsanitäter: Einsatz von Rettungsfachpersonal mit erweiterter Ausbildung zur Beurteilung und Behandlung medizinischer Notfälle.
- Point-of-Care-Diagnostik: Bereitstellung von CRP-Schnelltests bei Verdacht auf tiefe Atemwegsinfektionen.
- Apothekendienste: Erweiterte Apothekendienste in der Gemeinde oder in Hausarztpraxen anbieten. Keine routinemäßigen Medikamentenüberprüfungen zu Hause, es sei denn, es bestehen logistische oder klinische Gründe.
- Vermeidung von Aufnahmen: Angebot von pflegegeleiteter Unterstützung, multidisziplinärer Intermediate Care und gemeindebasierten Rehabilitationsdiensten als Alternative zur Klinik.
- Palliativversorgung: Spezialisierte multidisziplinäre Palliativversorgung und Advance Care Planning (gesundheitliche Versorgungsplanung) für Patienten am Lebensende.
Krankenhausaufnahme und -versorgung
| Maßnahme | Empfehlung |
|---|---|
| Risikostratifizierung | Validierte Tools zur Entscheidungsfindung bei der Aufnahme nutzen |
| Akutstationen | Patienten mit undifferenzierten Notfällen auf einer Akutstation (Acute Medical Unit) aufnehmen und behandeln |
| Psychiatrie | Zugang zu Konsiliarpsychiatrie für Notfallpatienten mit psychischen Problemen sicherstellen |
| Entlassmanagement | Entlassungsplanung direkt zum Zeitpunkt der Aufnahme beginnen |
Fachärztliche Beurteilung (Consultant Review)
Die Leitlinie empfiehlt folgende Frequenzen für die fachärztliche Beurteilung, abhängig von lokalen Gegebenheiten und der Krankheitsschwere:
| Art der Visite | Zeitfenster / Frequenz | Ziel |
|---|---|---|
| Erstbeurteilung | Innerhalb von 14 Stunden nach Aufnahme | Festlegung des Behandlungspfads |
| Reguläre Visite | Täglich (inklusive Wochenenden und Feiertagen) | Verlaufsbeurteilung |
| Intensivierte Visite | Nach klinischem Bedarf (z. B. zweimal täglich) | Engmaschige Überwachung kritisch Kranker |
Multidisziplinäre Versorgung im Krankenhaus
- Bereitstellung einer koordinierten, multidisziplinären Versorgung.
- Integration von Stationsapothekern in das Behandlungsteam bei Notfallaufnahmen.
- Zugang zu Physiotherapie und Ergotherapie an 7 Tagen in der Woche.
- Erwägung von Critical Care Outreach Teams (CCOTs) für Patienten mit akuter Verschlechterung oder dem Risiko dafür.
Visiten, Übergaben und Transfers
Eine strukturierte Kommunikation ist essenziell für die Patientensicherheit:
- Visiten: Standardisierte und strukturierte Ansätze nutzen (z. B. Checklisten oder klinische Entscheidungsunterstützungssysteme).
- Übergaben: Strukturierte Übergaben bei Versorgungsübergängen durchführen.
- Transfers: Standardisierte Versorgungssysteme (inklusive Checklisten, Personal und Ausrüstung) bei inner- und außerklinischen Transporten von kritisch kranken Patienten anwenden.
Kapazitätsplanung
- Bettenauslastung: Die akute Bettenbelegung, Kapazität und den Patientenfluss in Echtzeit überwachen.
- Zielwert: Kapazitäten so planen, dass die Risiken einer Bettenauslastung von über 90 % minimiert werden.
- Integrierte Versorgung: Entwicklung und Evaluation von integrierten Behandlungspfaden im Gesundheits- und Sozialwesen.
💡Praxis-Tipp
Beginnen Sie mit der Entlassungsplanung bereits am Tag der stationären Aufnahme. Nutzen Sie für Visiten, Übergaben und Patiententransfers konsequent standardisierte Checklisten, um Informationsverluste zu vermeiden.