Krankenhausinfektionen (HCAI): NICE-Leitlinie
📋Auf einen Blick
- •Krankenhausinfektionen (HCAI) erfordern ein kontinuierliches Qualitätsmanagement auf allen Ebenen, von der Klinikleitung bis zur Station.
- •Ein Vorstandsmitglied muss explizit für die Infektionsprävention und -kontrolle verantwortlich sein.
- •Klinisches Personal muss innerhalb der ersten Woche nach Dienstantritt zwingend eine Schulung zur Infektionsprävention absolvieren.
- •Ein robustes Surveillance-System zur Echtzeit-Überwachung von Infektionsraten und Ausbrüchen ist zwingend erforderlich.
- •Bei Aufnahme, Verlegung und Entlassung müssen Infektionsrisiken systematisch erfasst und zwischen den Einrichtungen kommuniziert werden.
Hintergrund
Krankenhausinfektionen (Healthcare-associated infections, HCAIs) entstehen als direktes Resultat medizinischer Behandlungen, durch Kontakt mit Gesundheitseinrichtungen oder werden von außen in die Klinik eingeschleppt (z. B. Norovirus). Zu den bekanntesten und relevantesten Erregern zählen MRSA, MSSA, Clostridium difficile und Escherichia coli. HCAIs stellen ein erhebliches Risiko für Patienten, Personal und Besucher dar und verursachen signifikante Kosten für das Gesundheitssystem. Die vorliegende Leitlinie definiert Qualitätsstandards für das Management und die Organisation der Infektionsprävention.
Führung und Qualitätsverbesserung
Die Klinikleitung (Board) trägt die Hauptverantwortung für die Etablierung einer Kultur der kontinuierlichen Qualitätsverbesserung (CQI).
- Vorstandsverantwortung: Ein Vorstandsmitglied muss explizit als Verantwortlicher für die Infektionsprävention benannt werden.
- Leistungskennzahlen (KPIs): Das Board muss KPIs zur Infektionskontrolle (inklusive der Einhaltung von Antibiotika-Verschreibungsrichtlinien) festlegen und regelmäßig überwachen.
- Lernende Organisation: Erfahrungen aus eigenen Vorfällen (Adverse Events) sowie von anderen Gesundheitseinrichtungen müssen systematisch ausgewertet und zur Anpassung klinischer Prozesse genutzt werden.
Surveillance (Überwachung)
Ein flexibles und gut ausgestattetes Surveillance-System ist das Rückgrat der Infektionsprävention.
- Echtzeit-Analyse: Daten aus Epidemiologie, Klinik, Mikrobiologie, Chirurgie und Pharmazie sollen kombiniert werden, um abnormale Trends frühzeitig zu erkennen.
- Transparenz: Überwachungsergebnisse müssen transparent an das Personal und (im Rahmen der "Duty of Candour") an Patienten kommuniziert werden.
- Ausbruchsmanagement: Ein krankenhausweiter Notfallplan zur Untersuchung und Bewältigung größerer Infektionsausbrüche muss etabliert und regelmäßig überprüft werden.
Personal und Schulung
Eine gut ausgebildete und gesunde Belegschaft ist essenziell zur Minimierung von Infektionsrisiken.
| Maßnahme | Zielgruppe | Anforderung / Bemerkung |
|---|---|---|
| Initialschulung | Alle klinischen Mitarbeiter | Abschluss zwingend innerhalb von 1 Woche nach Dienstantritt |
| Link Practitioners | Jede klinische Einheit | Benennung von spezialisierten Verbindungsmitarbeitern mit geschützter Zeit |
| Arbeitsmedizin | Gesamtes Personal | Fokus auf Prävention von blutübertragbaren Viren, Tuberkulose und impfpräventablen Krankheiten |
| Zielvereinbarungen | Alle Mitarbeiter | Infektionsprävention muss Teil der regelmäßigen Mitarbeitergespräche (Appraisals) sein |
Umgebungshygiene und Infrastruktur
Die Standards für die Umgebungsreinigung sollen über die aktuellen nationalen Mindestanforderungen hinausgehen.
- Reinigungsmatrix: Für jeden Patientenbereich muss ein risikobasierter Reinigungsplan mit definierten Verantwortlichkeiten und Frequenzen vorliegen.
- Infrastruktur (Trust Estates): Bei der Planung, dem Bau, der Beschaffung und der Instandhaltung von Klinikgebäuden und -einrichtungen muss das Infektionspräventionsteam zwingend eingebunden werden, um Infektionsrisiken baulich zu minimieren ("designing out").
Patientenpfad: Aufnahme, Verlegung und Entlassung
Um einen nahtlosen Infektionsschutz zu gewährleisten, ist eine einrichtungsübergreifende Zusammenarbeit (Multi-Agency Working) erforderlich.
| Phase | Maßnahme | Fokus |
|---|---|---|
| Aufnahme | Risikobewertung | Identifikation bestehender Infektionen oder potenzieller Übertragungsrisiken |
| Verlegung | Informationsaustausch | Lückenlose Dokumentation und Weitergabe des Infektionsstatus zur Fortführung von Isolationsmaßnahmen |
| Entlassung | Patientenaufklärung | Klare Beratung der Patienten zur weiteren Antibiotika-Einnahme und zum Umgang mit Medizinprodukten |
Kommunikation und Patientenbeteiligung
Patienten, Angehörige und Besucher müssen Zugang zu aktuellen, verständlichen Informationen über HCAIs und Präventionsmaßnahmen (z. B. Händehygiene) haben. Patienten mit einer nachgewiesenen HCAI müssen umgehend über ihre Infektion, die Auswirkungen auf ihre Behandlung und Maßnahmen zum Schutz anderer informiert werden. Zudem sollen Patientenvertreter aktiv in die Entscheidungsfindung zur Qualitätsverbesserung der Infektionsprävention eingebunden werden.
💡Praxis-Tipp
Stellen Sie sicher, dass neue Mitarbeiter im klinischen Bereich ausnahmslos innerhalb der ersten Woche nach Dienstantritt eine Schulung zur Infektionsprävention erhalten. Dokumentieren und kommunizieren Sie den Infektionsstatus eines Patienten bei jeder Verlegung oder Entlassung lückenlos an die weiterbehandelnden Stellen.