HIV-Testung: Leitlinie zur Diagnostik (NICE)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf NICE Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Teststrategie richtet sich maßgeblich nach der lokalen HIV-Prävalenz (hoch: 2-5/1000, extrem hoch: >5/1000).
  • In Gebieten mit extrem hoher Prävalenz sollte jedem Patienten bei Krankenhausaufnahme oder in der Hausarztpraxis ein Test angeboten werden.
  • Männer, die Sex mit Männern haben (MSM), sollten mindestens jährlich, bei wechselnden Partnern alle 3 Monate getestet werden.
  • Viertgenerations-Tests (Antikörper und p24-Antigen) verkürzen das diagnostische Fenster auf etwa einen Monat.
  • Point-of-Care-Tests (POCT) erfordern bei reaktivem Ergebnis immer eine serologische Bestätigung.
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Hintergrund

Die NICE-Leitlinie zielt darauf ab, die Rate unerkannter HIV-Infektionen durch eine Ausweitung der Testangebote zu senken. Die Intensität der Teststrategie richtet sich nach der lokalen HIV-Prävalenz in der Altersgruppe der 15- bis 59-Jährigen.

Prävalenz-KategorieDefinition (Diagnostizierte Fälle)
Hoch2 bis 5 pro 1.000 Personen
Extrem hoch$\ge$ 5 pro 1.000 Personen

Testmethoden und Diagnostik

Die Leitlinie unterscheidet verschiedene Testverfahren, über deren Spezifität, Sensitivität und diagnostisches Fenster Patienten aufgeklärt werden müssen:

TestverfahrenEigenschaften & FensterphaseBemerkung
Serologischer Test (4. Generation)Detektiert Antikörper und p24-Antigen simultan. Fensterphase: ca. 1 Monat.Goldstandard in der klinischen Routine.
Point-of-Care-Test (POCT)Schnelltest. Geringere Spezifität/Sensitivität als 4. Gen.Bei reaktivem Ergebnis ist immer ein serologischer Bestätigungstest erforderlich.
Selbstentnahme (Self-sampling)Patient entnimmt Blut/Speichel selbst und sendet es ins Labor.Besonders für schwer erreichbare Risikogruppen empfohlen.

Indikationen nach Behandlungseinrichtung

Spezialisierte Zentren für sexuelle Gesundheit

  • Jedem Patienten, der zur Testung oder Behandlung vorstellig wird, ist ein HIV-Test anzubieten.
  • Es müssen sowohl Tests der 4. Generation als auch POCT verfügbar sein.

Krankenhäuser und Notaufnahmen

Ein routinemäßiger Test wird bei Erstvorstellung in folgenden Bereichen empfohlen:

  • Drogenentzugsprogramme
  • Schwangerschaftsabbrüche
  • Behandlung von Hepatitis B, Hepatitis C, Lymphomen oder Tuberkulose

Zusätzlich ist ein Test bei Aufnahme anzubieten, wenn:

  • Indikatorerkrankungen vorliegen (z.B. Mononukleose-artiges Syndrom).
  • Zugehörigkeit zu einer Risikogruppe besteht (z.B. MSM, Herkunft aus Hochprävalenzland, i.v. Drogenkonsum, Chemsex).
  • In Gebieten mit hoher Prävalenz: Bei allen Patienten, denen aus anderen Gründen Blut abgenommen wird.
  • In Gebieten mit extrem hoher Prävalenz: Bei allen Patienten (unabhängig von anderen Blutentnahmen).

Hausarztpraxen (Allgemeinmedizin)

Die Indikationen entsprechen weitgehend denen im Krankenhaus (Risikogruppen, Indikatorerkrankungen).

  • In Gebieten mit hoher Prävalenz: Testangebot bei Neuregistrierung in der Praxis oder bei anderweitiger Blutentnahme (sofern kein Test im letzten Jahr erfolgte).
  • In Gebieten mit extrem hoher Prävalenz: Opportunistisches Testangebot bei jeder Konsultation erwägen, basierend auf klinischer Einschätzung.

Wiederholungstests und Partnerbenachrichtigung

Für Personen mit anhaltend hohem Expositionsrisiko werden regelmäßige Wiederholungstests empfohlen:

RisikogruppeEmpfohlenes Testintervall
MSM (Männer, die Sex mit Männern haben)Mindestens jährlich
MSM mit neuen/wechselnden PartnernAlle 3 Monate
Schwarzafrikanische Männer und FrauenRegelmäßig bei ungeschütztem Sex mit neuen/wechselnden Partnern

Praxisrelevante Maßnahmen:

  • Bei negativem Test nach kürzlicher Exposition: Erneuter Test nach Ablauf der Fensterphase.
  • Nutzung von Call-Recall-Systemen (z.B. SMS, E-Mail) oder elektronischen Erinnerungen in der Patientenakte zur Förderung von Wiederholungstests.
  • Partner von positiv getesteten Personen müssen durch strukturierte Partnerbenachrichtigungsverfahren umgehend ein Testangebot erhalten.

Abbau von Barrieren

  • Wenn eine venöse Blutentnahme abgelehnt wird, sollten weniger invasive Methoden (Mundabstrich, Fingerprick) angeboten werden.
  • Positiv getestete Patienten sollten idealerweise innerhalb von 48 Stunden, spätestens jedoch nach 2 Wochen, von einem HIV-Spezialisten gesehen werden.

💡Praxis-Tipp

Nutzen Sie in Gebieten mit hoher HIV-Prävalenz routinemäßige Blutentnahmen (z.B. im Krankenhaus oder beim Hausarzt) konsequent als Gelegenheit, einen HIV-Test anzubieten. Klären Sie bei Point-of-Care-Tests (Schnelltests) immer vorab darüber auf, dass ein positives Ergebnis serologisch bestätigt werden muss.

Häufig gestellte Fragen

Bei Verwendung eines serologischen Tests der 4. Generation (Antikörper und p24-Antigen) beträgt das diagnostische Fenster etwa einen Monat. Bei älteren Tests liegt es bei drei Monaten.
Männer, die Sex mit Männern haben (MSM), sollten mindestens jährlich getestet werden, bei wechselnden Partnern alle 3 Monate. Auch Personen aus Hochprävalenzgruppen sollten regelmäßige Tests erhalten.
Ein reaktiver POCT hat eine geringere Spezifität als ein Labortest und muss zwingend durch einen serologischen Test bestätigt werden. Der Patient sollte zeitnah an einen Spezialisten überwiesen werden.
Ein Test wird bei der Behandlung von Hepatitis B, Hepatitis C, Tuberkulose und Lymphomen sowie bei Vorliegen von Indikatorerkrankungen (z.B. Mononukleose-artiges Syndrom) empfohlen.

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