Kreuzschmerzen und Ischias: NICE-Leitlinie
Hintergrund
Die NICE-Leitlinie (NG59) befasst sich mit der Beurteilung und Behandlung von Kreuzschmerzen (Low Back Pain) und Ischiasbeschwerden bei Personen ab 16 Jahren.
Laut Leitlinie ist es bei der Untersuchung essenziell, alternative Diagnosen und spezifische Ursachen wie Krebserkrankungen, Infektionen, Traumata oder entzündliche Erkrankungen (z. B. Spondyloarthritis) auszuschließen.
Das erklärte Ziel der Leitlinie ist es, die Lebensqualität der Betroffenen durch die Förderung der wirksamsten Behandlungsformen zu verbessern und eine Chronifizierung der Beschwerden zu verhindern.
Empfehlungen
Diagnostik und Risikobewertung Die NICE-Leitlinie empfiehlt, bei jedem neuen Schmerzereignis eine Risikostratifizierung (z. B. mit dem STarT Back Tool) in Betracht zu ziehen, um die Intensität der Unterstützung anzupassen. Es wird laut Leitlinie davon abgeraten, in nicht-spezialisierten Einrichtungen routinemäßig bildgebende Verfahren anzubieten.
Nicht-medikamentöse Therapie Gemäß der Leitlinie sollen Patienten zur Selbstbehandlung angeleitet und ermutigt werden, normalen Aktivitäten nachzugehen. Ein Gruppen-Übungsprogramm wird als therapeutische Option genannt. Manuelle Therapien (wie Manipulation oder Massage) sowie psychologische Ansätze (kognitive Verhaltenstherapie) werden von der Leitlinie nur als Teil eines umfassenden Behandlungspakets empfohlen, das zwingend auch körperliche Übungen beinhaltet.
Medikamentöse Therapie bei Kreuzschmerzen Nach aktueller Leitlinienempfehlung können orale NSAR in Betracht gezogen werden, wobei die niedrigste wirksame Dosis für die kürzestmögliche Zeit gewählt werden soll. Schwache Opioide werden laut Leitlinie nur bei akuten Kreuzschmerzen erwogen, falls NSAR kontraindiziert, nicht verträglich oder unwirksam sind.
Invasive Verfahren Bei chronischen Kreuzschmerzen kann nach Leitlinienangaben eine Radiofrequenzdenervation nach positivem diagnostischem Block erwogen werden, sofern nicht-operative Maßnahmen versagt haben. Bei akuter, schwerer Ischialgie zieht die Leitlinie epidurale Injektionen (Lokalanästhetikum und Steroid) in Betracht. Eine spinale Dekompression wird laut Leitlinie bei Ischiasbeschwerden erwogen, wenn konservative Behandlungen keine Besserung bringen.
Kontraindikationen
Medikamentöse Kontraindikationen und Warnhinweise Die NICE-Leitlinie rät explizit davon ab, Paracetamol als Monotherapie bei Kreuzschmerzen einzusetzen. Ebenso wird der Einsatz von Gabapentinoiden, anderen Antiepileptika, oralen Kortikosteroiden und Benzodiazepinen bei Ischiasbeschwerden aufgrund fehlender Wirksamkeit und möglicher Schäden nicht empfohlen. Opioide sollen laut Leitlinie weder bei chronischen Kreuzschmerzen noch bei chronischem Ischias angeboten werden. Auch Antidepressiva (SSRI, SNRI, trizyklische Antidepressiva) werden für die Behandlung von Kreuzschmerzen abgelehnt.
Nicht empfohlene physikalische Therapien und Hilfsmittel Gemäß der Leitlinie sollen folgende Maßnahmen nicht angeboten werden:
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Stützgürtel und Korsetts
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Fußorthesen und Schuhe mit abgerundeter Sohle (Rocker Sole Shoes)
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Traktionsbehandlungen
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Akupunktur
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Ultraschall, TENS, PENS und Interferenzstromtherapie
Nicht empfohlene invasive Verfahren Die Leitlinie rät von spinalen Injektionen zur Behandlung von Kreuzschmerzen ab. Ebenso sollen Wirbelsäulenfusionen (außerhalb von randomisierten Studien) und Bandscheibenersatz bei unspezifischen Kreuzschmerzen laut Leitlinie nicht angeboten werden.
💡Praxis-Tipp
Laut NICE-Leitlinie ist bei der Verordnung von NSAR stets auf mögliche gastrointestinale, hepatische und kardiorenal-toxische Risiken zu achten und der Einsatz einer begleitenden gastroprotektiven Therapie zu prüfen.
Häufig gestellte Fragen
Nein, die NICE-Leitlinie rät davon ab, in der primärärztlichen Versorgung routinemäßig bildgebende Verfahren für Kreuzschmerzen oder Ischias anzubieten.
Laut Leitlinie soll Paracetamol nicht als alleinige Therapie (Monotherapie) zur Behandlung von Kreuzschmerzen angeboten werden.
Die aktuelle Leitlinienempfehlung spricht sich explizit gegen den Einsatz von Opioiden bei der Behandlung von chronischen Kreuzschmerzen und chronischem Ischias aus.
Nein, die NICE-Leitlinie empfiehlt weder Akupunktur noch TENS, PENS oder Ultraschall zur Behandlung von Kreuzschmerzen und Ischiasbeschwerden.
Gemäß der Leitlinie kann eine manuelle Therapie erwogen werden, jedoch ausschließlich als Teil eines multimodalen Behandlungspakets, das auch körperliche Übungen einschließt.
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Quelle: NICE Guideline on Low Back Pain (NICE, 2016). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.