Selbstverletzung: Assessment & Management (NICE-Leitlinie)
Hintergrund
Die NICE-Leitlinie befasst sich mit der Beurteilung, Behandlung und Prävention von wiederholter Selbstverletzung bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Gemäß der Leitlinie wird Selbstverletzung als absichtliche Selbstvergiftung oder -verletzung definiert, unabhängig vom offensichtlichen Zweck der Handlung. Repetitive, stereotype selbstverletzende Verhaltensweisen wie Kopfschlagen werden laut den Autoren explizit nicht abgedeckt. Die Leitlinie betont die Wichtigkeit, Menschen, die sich selbst verletzen, mit Respekt, Würde und Mitgefühl zu behandeln.
Empfehlungen
Psychosoziales Assessment
Die NICE-Leitlinie empfiehlt, dass eine psychosoziale Beurteilung durch eine psychiatrische Fachkraft zum frühestmöglichen Zeitpunkt nach einer Selbstverletzung durchgeführt wird. Laut Leitlinie soll diese Beurteilung nicht verzögert werden, bis die medizinische Behandlung abgeschlossen ist. Ebenso wird davon abgeraten, Atem- oder Blutalkoholspiegel als Grund für eine Verzögerung heranzuziehen.
Risikoeinschätzung
Es wird von der Leitlinie stark davon abgeraten, Risikobewertungsinstrumente oder -skalen zur Vorhersage von zukünftigen Suiziden oder wiederholter Selbstverletzung zu verwenden. Gemäß den Empfehlungen darf eine globale Risikostratifizierung (in niedrig, mittel oder hoch) nicht darüber entscheiden, wer eine Behandlung erhält oder entlassen wird.
Interventionen
Für Erwachsene empfiehlt die Leitlinie eine strukturierte, personenzentrierte, kognitiv-verhaltenstherapeutisch (CBT) fundierte psychologische Intervention, die typischerweise 4 bis 10 Sitzungen umfasst. Für Kinder und Jugendliche mit erheblichen Schwierigkeiten in der emotionalen Dysregulation wird laut NICE-Leitlinie die dialektisch-behaviorale Therapie für Adoleszente (DBT-A) in Betracht gezogen.
Sicherheitsplanung
Die Erstellung eines Sicherheitsplans in partnerschaftlicher Zusammenarbeit mit der betroffenen Person wird empfohlen.
Medikamentöse Therapie
Die Leitlinie rät explizit davon ab, medikamentöse Behandlungen als spezifische Intervention zur Reduzierung von Selbstverletzungen anzubieten.
Kontraindikationen
Laut NICE-Leitlinie dürfen keine aversiven Behandlungen, strafenden Ansätze oder strafrechtlichen Maßnahmen als Intervention für häufige Selbstverletzungsepisoden eingesetzt werden. In Notaufnahmen wird von der Anwendung mechanischer Fixierungen zur Verhinderung von Selbstverletzungen oder zur Verhinderung des Verlassens der Notaufnahme abgeraten. Zudem warnt die Leitlinie davor, Diagnosen, Alter, Substanzmissbrauch oder Begleiterkrankungen als Gründe für das Vorenthalten psychologischer Interventionen heranzuziehen.
💡Praxis-Tipp
Gemäß der NICE-Leitlinie ist bei der Verschreibung von Medikamenten an Personen mit einer Vorgeschichte von Selbstverletzungen auf die Toxizität der Präparate bei Überdosierung zu achten, wobei eine Begrenzung der Abgabemenge (beispielsweise durch wöchentliche Rezepte) in gemeinsamer Entscheidungsfindung erwogen werden sollte.
Häufig gestellte Fragen
Die NICE-Leitlinie rät ausdrücklich davon ab, Risikobewertungsinstrumente und -skalen zu verwenden, um zukünftige Suizide vorherzusagen oder um zu bestimmen, wer eine Behandlung erhalten soll.
Laut Leitlinie wird für Erwachsene eine strukturierte, kognitiv-verhaltenstherapeutisch (CBT) fundierte psychologische Intervention empfohlen, die in der Regel 4 bis 10 Sitzungen umfasst.
Gemäß den Empfehlungen der Leitlinie sollen medikamentöse Behandlungen nicht als spezifische Intervention zur Reduzierung von Selbstverletzungen angeboten werden.
Die Leitlinie empfiehlt, das psychosoziale Assessment zum frühestmöglichen Zeitpunkt durchzuführen und es nicht bis zum Abschluss der körperlichen medizinischen Behandlung aufzuschieben.
Laut Leitlinie sollen Strategien zur Schadensminimierung nur dann in Betracht gezogen werden, wenn die Person dem Drang zur Selbstverletzung noch nicht widerstehen kann, und dies nur als Teil eines umfassenden, auf Genesung ausgerichteten Betreuungsansatzes.
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Quelle: NICE Guideline on Self-Harm Assessment (NICE, 2022). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.