Therapie der Colitis ulcerosa: S3-Leitlinie
Hintergrund
Die Colitis ulcerosa ist eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung mit weltweit steigender Inzidenz und Prävalenz. In Deutschland sind bis zu 300.000 Menschen von dieser Erkrankung betroffen.
Die aktualisierte S3-Leitlinie der DGVS (2025) bietet umfassende, evidenzbasierte Empfehlungen zur Diagnostik und Therapie. Sie wird als sogenannte "Living Guideline" kontinuierlich an neue wissenschaftliche Erkenntnisse angepasst.
Die aktuelle Version beinhaltet vollständige Überarbeitungen aller Kapitel. Zudem wurde ein neues Kapitel zur Behandlung der Colitis ulcerosa in der Kinder- und Jugendmedizin integriert.
Empfehlungen
Die S3-Leitlinie zur Colitis ulcerosa (2025) formuliert folgende Kernempfehlungen für den klinischen Alltag:
Diagnostik und Therapieziele
Laut Leitlinie sollte die Mukosaheilung als primäres Therapieziel angestrebt werden (Evidenzgrad 1, Empfehlungsgrad B). Zur Beurteilung des Ansprechens wird eine endoskopische Kontrolle nach 6 bis 12 Monaten empfohlen.
Zusätzlich kann die histologische Heilung als langfristiges Ziel definiert werden.
Die Darmsonographie sollte bei Erstdiagnose zur Erfassung von Krankheitsaktivität und -ausdehnung eingesetzt werden. Auch beim schweren akuten Schub wird sie zur Komplikationserfassung empfohlen (Evidenzgrad 2, Empfehlungsgrad B).
Überwachungskoloskopie
Die Leitlinie empfiehlt eine individuelle Überwachungsstrategie basierend auf einer Risikostratifizierung. Als Verfahren der Wahl wird die Chromoendoskopie mit gezielten Biopsien ohne zusätzliche zufällige Biopsien empfohlen (Evidenzgrad 1, Empfehlungsgrad A).
Alternativ kann eine hochauflösende Weißlicht-Endoskopie (HDWLE) mit segmentaler Re-Inspektion und gezielten Biopsien erfolgen.
| Risikogruppe | Kriterien | Untersuchungsintervall |
|---|---|---|
| Hohes Risiko | PSC, Stenose, IEN (letzte 5 Jahre), ausgedehnte Colitis mit ausgeprägter Entzündung, erstgradige Verwandte mit KRK < 50 J. | Jährlich |
| Intermediäres Risiko | Colitis mit milder/mäßiger Entzündung, viele Pseudopolypen, erstgradige Verwandte mit KRK ≥ 50 J. | Alle 2-3 Jahre |
| Niedriges Risiko | Keine der genannten Faktoren | Alle 4 Jahre |
| Proktitis | Kontrolle des Befallsmusters | Alle 5 Jahre |
Medikamentöse Therapie
Bei mittelschwerer bis schwerer Krankheitsaktivität und unzureichendem Ansprechen auf systemische Steroide empfiehlt die Leitlinie den Einsatz folgender Substanzklassen (Empfehlungsgrad B):
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Calcineurininhibitoren (Ciclosporin, Tacrolimus)
-
IL-23-Antikörper (Guselkumab, Mirikizumab, Risankizumab)
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JAK-Inhibitoren (Filgotinib, Tofacitinib, Upadacitinib)
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S1PR-Modulatoren (Etrasimod, Ozanimod)
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TNF-alpha-Antikörper (Adalimumab, Golimumab, Infliximab)
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Ustekinumab oder Vedolizumab
Spezifische klinische Situationen
Bei einer Infektion mit Clostridioides difficile wird eine Behandlung mit Fidaxomicin empfohlen (Evidenzlevel 2, Empfehlungsgrad B).
Bei aktiver Colitis ulcerosa und begleitendem Eisenmangel ist laut Leitlinie die intravenöse Eisengabe zu bevorzugen (Evidenzgrad 3, Empfehlungsgrad B).
Ein fäkaler Mikrobiomtransfer (FMT) soll derzeit ausschließlich im Rahmen klinischer Studien durchgeführt werden (Evidenzgrad 1, Empfehlungsgrad A).
Schwangerschaft
Akute Krankheitsschübe während der Schwangerschaft sollten gemäß Leitlinie ohne Verzögerung therapiert werden.
Als sichere Substanzen gelten unter anderem TNF-alpha-Antikörper, Ciclosporin, Ustekinumab und Vedolizumab. Bei einem stabilen Verlauf unter diesen Medikamenten sollte die Therapie fortgeführt werden.
Kontraindikationen
Die Leitlinie benennt folgende Kontraindikationen und Warnhinweise:
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Kortikosteroide sollen nicht zur Remissionserhaltung eingesetzt werden (Evidenzgrad 1, Empfehlungsgrad A). Dies gilt auch während der Schwangerschaft.
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EBV-seronegative erwachsene Personen dürfen nicht mit Thiopurinen behandelt werden (Expertenkonsens).
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Eine partielle kolorektale Resektion sollte bei therapierefraktärer Colitis in der Regel nicht durchgeführt werden.
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie warnt ausdrücklich davor, Kortikosteroide zur Remissionserhaltung einzusetzen. Zudem wird betont, dass vor einer geplanten Therapie mit Thiopurinen der EBV-Status erhoben werden muss, da EBV-seronegative Erwachsene diese Medikamente nicht erhalten dürfen.
Häufig gestellte Fragen
Die Intervalle richten sich nach dem individuellen Risikoprofil. Bei hohem Risiko wird eine jährliche Kontrolle empfohlen, bei intermediärem Risiko alle 2 bis 3 Jahre und bei niedrigem Risiko alle 4 Jahre.
Die Leitlinie empfiehlt den Einsatz von Biologika (wie TNF-alpha- oder IL-23-Antikörpern), JAK-Inhibitoren, S1PR-Modulatoren oder Calcineurininhibitoren. Die Auswahl sollte individuell getroffen werden.
Laut Leitlinie soll der fäkale Mikrobiomtransfer derzeit ausschließlich im Rahmen von klinischen Studien zur Behandlung eingesetzt werden.
Bei einer aktiven Erkrankung wird die intravenöse Eisengabe gegenüber der oralen Substitution bevorzugt. Ziel ist der vollständige Ausgleich der Anämie und des Eisenmangels.
Ja, die Leitlinie empfiehlt eine sofortige Therapie akuter Schübe während der Schwangerschaft. Substanzen wie TNF-alpha-Antikörper, Vedolizumab oder Ustekinumab gelten als sicher und sollten bei stabilem Verlauf fortgeführt werden.
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Quelle: S3-Leitlinie Colitis ulcerosa v7.0 (AWMF 021-009, 2025) (AWMF / DGVS, 2025). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.