Essstörungen: SIGN-Leitlinie 2022
Hintergrund
Essstörungen wie Anorexia nervosa (AN), Bulimia nervosa (BN) und Binge-Eating-Störung (BED) beginnen häufig in der frühen bis mittleren Adoleszenz. Die schottische SIGN-Leitlinie betont, dass diese Erkrankungen durch eine starke Beschäftigung mit Gewicht, Figur und Kalorienbilanz gekennzeichnet sind. Jugendliche weisen höhere Raten an vollständiger Genesung und eine geringere Mortalität auf als Erwachsene. Es wird hervorgehoben, dass eine frühzeitige Intervention entscheidend ist, da sich Schäden durch unbehandelte Erkrankungen akkumulieren können. Zudem wird darauf hingewiesen, dass Essstörungen bei Menschen mit Typ-1-Diabetes doppelt so häufig auftreten, was besondere therapeutische Herausforderungen mit sich bringt.
Empfehlungen
Für die frühe Intervention bei jungen Erwachsenen (16 bis 25 Jahre) mit einer Krankheitsdauer von unter drei Jahren kann laut Leitlinie das FREED-Modell erwogen werden. Bei Anorexia nervosa empfiehlt die SIGN-Leitlinie routinemäßig ein Refeeding auf ein optimiertes gesundes Gewicht, um das Leben zu retten und Rückfälle zu reduzieren. Für Kinder und Jugendliche mit Anorexia nervosa wird als psychologische Therapie primär eine familienbasierte Behandlung (FBT) empfohlen. Alternativ kann eine erweiterte kognitive Verhaltenstherapie (CBT-E) angeboten werden. Jugendlichen mit Bulimia nervosa sollte gemäß der Leitlinie eine kognitive Verhaltenstherapie oder eine familienbasierte Behandlung angeboten werden. Für Erwachsene mit Anorexia nervosa stuft die Leitlinie CBT-E oder andere Formen der kognitiven Verhaltenstherapie als Erstlinientherapie ein. Sollte dies nicht wirksam sein, können laut aktuellem Expertenkonsens Ansätze wie das Maudsley Model of Anorexia Treatment (MANTRA) oder Specialist Supportive Clinical Management (SSCM) in Betracht gezogen werden. Bei Erwachsenen mit Bulimia nervosa wird ebenfalls primär eine kognitive Verhaltenstherapie empfohlen. Für Patienten mit Typ-1-Diabetes und einer Essstörung empfiehlt die Leitlinie eine integrierte, intensive fachärztliche Versorgung durch Diabetes- und psychologische Fachkräfte.
Dosierung
Obwohl psychologische Verfahren im Vordergrund stehen, enthält der Text spezifische Hinweise zur medikamentösen Therapie. Laut Leitlinie kann Fluoxetin (60 mg pro Tag) bei Patienten mit Bulimia nervosa im Alter von 16 bis 18 Jahren für den kurzfristigen Einsatz in Kombination mit einer psychologischen Therapie erwogen werden. Für Erwachsene mit Anorexia nervosa kann gemäß der Leitlinie Olanzapin angeboten werden, um die Genesung zu unterstützen, jedoch nicht als alleinige Behandlung.
Kontraindikationen
Die SIGN-Leitlinie warnt vor bestimmten Risiken bei der medikamentösen Behandlung. Die Anwendung von Fluoxetin bei unter 25-Jährigen ist mit einem erhöhten Blutungsrisiko sowie einem erhöhten Risiko für suizidale oder selbstverletzende Gedanken und Aggressionen verbunden, insbesondere zu Beginn der Therapie. Daher wird eine engmaschige Überwachung empfohlen. Zudem rät die Leitlinie, bei stark untergewichtigen Patienten mit Anorexia nervosa psychotrope Medikamente besonders vorsichtig einzusetzen und ein Ausgangs-EKG sowie weitere Kontrollen durchzuführen, da diese Medikamente Risiken für das Herz und andere Organe bergen. Ältere Antipsychotika sollten laut Leitlinie aufgrund potenziell gefährlicher Nebenwirkungen nach Möglichkeit vermieden werden.
💡Praxis-Tipp
Laut SIGN-Leitlinie ist bei Patienten mit Typ-1-Diabetes im Rahmen der Routineuntersuchung an ein Screening auf Essstörungen zu denken, da das Weglassen von Insulin zur Gewichtskontrolle eine häufige und gefährliche Praxis darstellt.
Häufig gestellte Fragen
Die SIGN-Leitlinie empfiehlt für diese Patientengruppe primär eine familienbasierte Behandlung (FBT).
Laut Leitlinie sollten fachlich überwachte Trainingsprogramme als Teil eines umfassenden Managementprogramms angeboten werden, welches auch eine psychoedukative Komponente umfasst.
Gemäß der SIGN-Leitlinie sollte Erwachsenen mit Bulimia nervosa eine kognitive Verhaltenstherapie (vorzugsweise CBT-E oder CBT-BN) angeboten werden.
Die Leitlinie empfiehlt, allen Betreuern formelle Unterstützung anzubieten, beispielsweise durch Selbsthilfematerialien oder spezielle Workshops für Angehörige.
War diese Zusammenfassung hilfreich?
Quelle: SIGN 164: Eating Disorders (SIGN, 2022). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.