Postnatale Versorgung: WHO-Leitlinie für Mutter & Kind
Hintergrund
Die postnatale Phase ist eine kritische Zeit für Mütter und Neugeborene, in der laut der WHO-Leitlinie die meisten mütterlichen und kindlichen Todesfälle auftreten. Dennoch wird diese Periode in der Gesundheitsversorgung häufig vernachlässigt. Die vorliegende Leitlinie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) aus dem Jahr 2013 fokussiert sich auf die postnatale Versorgung in ressourcenschwachen Gebieten. Ziel der Empfehlungen ist es, die mütterliche Morbidität (wie Hämorrhagien, Infektionen, Anämie und Depressionen) sowie die neonatale Mortalität und Morbidität zu senken.
Empfehlungen
Nach einer unkomplizierten vaginalen Geburt in einer Gesundheitseinrichtung empfiehlt die WHO-Leitlinie, dass gesunde Mütter und Neugeborene für mindestens 24 Stunden in der Einrichtung betreut werden sollten (schwache Empfehlung). Bei Hausgeburten sollte der erste postnatale Kontakt laut Leitlinie so früh wie möglich innerhalb der ersten 24 Stunden stattfinden. Die Leitlinie empfiehlt zudem mindestens drei weitere postnatale Kontakte: an Tag 3 (48-72 Stunden), zwischen Tag 7 und 14 sowie sechs Wochen nach der Geburt (starke Empfehlung). •
Neugeborenenversorgung
Die WHO rät zu Hausbesuchen in der ersten Lebenswoche (starke Empfehlung). Bei jedem Kontakt sollen Neugeborene auf Gefahrenzeichen untersucht werden. Dazu zählen laut Leitlinie unter anderem Trinkschwäche, Krämpfe, schnelle Atmung (über 60/Minute), Fieber (über 37,5 °C), Untertemperatur (unter 35,5 °C) sowie Gelbsucht in den ersten 24 Stunden. Es wird empfohlen, das Baden des Neugeborenen auf 24 Stunden nach der Geburt zu verschieben. Alle Säuglinge sollten laut WHO-Leitlinie in den ersten sechs Lebensmonaten ausschließlich gestillt werden (starke Empfehlung). Für Hausgeburten in Regionen mit hoher Neugeborenensterblichkeit empfiehlt die Leitlinie die tägliche Anwendung von Chlorhexidin (4%) auf den Nabelschnurstumpf in der ersten Lebenswoche. Bei Geburten in Gesundheitseinrichtungen wird eine trockene und saubere Nabelschnurpflege empfohlen. •
Mütterliche Versorgung
In den ersten 24 Stunden nach der Geburt empfiehlt die Leitlinie regelmäßige Kontrollen von vaginalen Blutungen, Uteruskontraktionen, Fundusstand, Temperatur und Puls. Eine Eisen- und Folsäure-Supplementierung wird für mindestens drei Monate nach der Geburt empfohlen. Die Leitlinie empfiehlt den Einsatz von prophylaktischen Antibiotika bei Frauen mit vaginaler Geburt und Dammrissen 3. oder 4. Grades zur Vermeidung von Wundkomplikationen (starke Empfehlung). Eine routinemäßige Antibiotikagabe zur Prävention einer Endometritis bei risikoarmen Frauen wird nicht empfohlen. Zur Prävention von postpartalen Depressionen bei Hochrisikofrauen empfiehlt die Leitlinie psychosoziale Unterstützung durch geschultes Personal.
💡Praxis-Tipp
Laut WHO-Leitlinie sollten Mütter und ihre Familien bei den postnatalen Kontakten umfassend über Warnzeichen aufgeklärt werden. Es wird empfohlen, gezielt auf Symptome wie plötzlichen und starken Blutverlust, Kopfschmerzen mit Sehstörungen sowie Fieber und übelriechenden Ausfluss hinzuweisen, damit frühzeitig medizinische Hilfe in Anspruch genommen wird.
Häufig gestellte Fragen
Die WHO-Leitlinie empfiehlt, dass gesunde Mütter und Neugeborene nach einer unkomplizierten vaginalen Geburt für mindestens 24 Stunden in der Gesundheitseinrichtung betreut werden sollten.
Laut Leitlinie sollte der erste Kontakt so früh wie möglich innerhalb der ersten 24 Stunden erfolgen. Weitere empfohlene Kontakte liegen an Tag 3, zwischen Tag 7 und 14 sowie sechs Wochen nach der Geburt.
Bei Hausgeburten in Gebieten mit hoher Neugeborenensterblichkeit empfiehlt die Leitlinie die tägliche Anwendung von Chlorhexidin in der ersten Lebenswoche. In Einrichtungen oder Gebieten mit niedriger Sterblichkeit wird eine saubere, trockene Pflege empfohlen.
Nach aktueller Leitlinienempfehlung sollte das erste Bad bis 24 Stunden nach der Geburt aufgeschoben werden. Ist dies aus kulturellen Gründen nicht möglich, wird eine Wartezeit von mindestens sechs Stunden empfohlen.
Die WHO-Leitlinie sieht keine ausreichende Evidenz für eine routinemäßige Antibiotikagabe bei risikoarmen Frauen zur Vermeidung einer Endometritis. Bei Dammrissen 3. oder 4. Grades wird eine Antibiose jedoch empfohlen.
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Quelle: WHO Recommendations on Postnatal Care of the Mother and Newborn (WHO, 2023). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.