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Chronische Hepatitis B: AASLD-Leitlinie 2024

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf American Association for the Study of Liver Diseases (AASLD) Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Schwangere mit einer HBV-DNA > 200.000 IU/mL sollten ab Schwangerschaftswoche 28 mit Tenofovir (TDF oder TAF) behandelt werden.
  • In der immuntoleranten Phase wird eine Therapie ab 40 Jahren oder bei signifikanter Fibrose (≥ F2) empfohlen.
  • Ein Absetzen der antiviralen Therapie bei HBeAg-negativen Patienten ohne Zirrhose wird erst nach HBsAg-Verlust empfohlen.
  • Bei HBV-HDV-Koinfektion wird eine HCC-Surveillance für alle Erwachsenen unabhängig vom Zirrhosestatus empfohlen.
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Hintergrund

Die Ziele der antiviralen Therapie der chronischen Hepatitis B (CHB) umfassen die Prävention von Zirrhose, dekompensierter Lebererkrankung, hepatozellulärem Karzinom (HCC) und leberbedingtem Tod. Zudem sollen die Transmission reduziert und die Lebensqualität verbessert werden. Die Erkrankung wird in verschiedene Phasen eingeteilt:

PhaseHBeAgHBV-DNAALT
ImmuntolerantPositiv> 10.000.000 IU/mLNormal (< 25 U/L Frauen, < 35 U/L Männer)
ImmunaktivPositiv≥ 20.000 IU/mL≥ 2x ULN
ImmunaktivNegativ≥ 2.000 IU/mL≥ 2x ULN
InaktivNegativ< 2.000 IU/mLNormal
IndeterminiertPositiv/NegativAußerhalb obiger KriterienAußerhalb obiger Kriterien

Therapieoptionen

Zur Behandlung der chronischen Hepatitis B stehen verschiedene Wirkstoffe zur Verfügung. Vor Beginn einer Therapie mit Nukleos(t)id-Analoga muss immer ein HIV-Test erfolgen.

WirkstoffDosierung (Erwachsene)Potenzielle NebenwirkungenMonitoring
Peg-IFN-α-2a180 mcg s.c. wöchentlichSchilddrüsendysfunktion, Zytopenie, NeuropsychiatrischBlutbild, Leberwerte, TSH
Entecavir (ETV)0.5 mg p.o. täglichLaktatazidose, HIV-Resistenz (bei unbehandelter HIV)Laktat bei klinischem Verdacht
Tenofovir (TDF)300 mg p.o. täglichNierenfunktionsstörung, OsteoporoseKreatinin, Phosphor, Knochendichte
Tenofovir (TAF)25 mg p.o. täglichHypercholesterinämie (weniger Nieren-/Knochen-NW als TDF)Kreatinin, Lipide

Therapie in der Schwangerschaft

Für schwangere Personen mit einer HBV-DNA > 200.000 IU/mL zu einem beliebigen Zeitpunkt der Schwangerschaft (unabhängig vom HBeAg-Status) wird der Beginn von Tenofovir (TDF oder TAF) in der 28. Schwangerschaftswoche empfohlen, um eine Mutter-Kind-Übertragung zu verhindern. TDF hat hierbei die umfangreichere Sicherheitsdatenlage. Entecavir und Peginterferon sind in der Schwangerschaft kontraindiziert.

Spezielle Therapieindikationen

  • Immuntolerante Phase: Eine antivirale Therapie wird für Personen > 40 Jahre oder bei signifikanter Leberentzündung (≥ Grad 2) bzw. Fibrose (≥ F2) empfohlen. Bei jüngeren Patienten (< 40 Jahre) sollte eine gemeinsame Entscheidungsfindung (Shared Decision-Making) erfolgen.
  • Indeterminierte Phase: Bei HBsAg-positiven, HBeAg-negativen Erwachsenen ohne Zirrhose wird ein Shared Decision-Making Ansatz empfohlen. Die Entscheidung sollte bei jedem Follow-up neu bewertet werden.
  • Hohes Transmissionsrisiko: Bei Virämie ohne krankheitsspezifische Therapieindikation, aber hohem Übertragungsrisiko (z.B. ungeschützter Sex, medizinisches Personal bei risikoreichen Eingriffen), wird ebenfalls eine gemeinsame Entscheidungsfindung bezüglich einer antiviralen Therapie empfohlen.

Therapiebeendigung

Bei Erwachsenen mit HBeAg-negativer CHB ohne Zirrhose und anhaltend nicht nachweisbarer HBV-DNA unter Nukleos(t)id-Analoga wird empfohlen, die Therapie nicht vor einem HBsAg-Verlust abzusetzen.

Falls die Therapie dennoch nach strenger Nutzen-Risiko-Abwägung beendet wird, ist folgendes Monitoring zwingend erforderlich:

Zeitraum nach AbsetzenMonitoring-Intervall (HBV-DNA und ALT)
Monate 1-6Alle 1-3 Monate
Monate 6-18Alle 3 Monate
DanachAlle 3-6 Monate

HCC-Surveillance

Die Überwachung auf ein hepatozelluläres Karzinom (HCC) erfolgt mittels Ultraschall und Serum-AFP alle 6 Monate. Die Indikation richtet sich nach Risikogruppen:

PatientengruppeIndikation zur HCC-Surveillance
Mit ZirrhoseAlle Patienten (Child-Pugh A-B, transplantable C)
Ohne Zirrhose (erhöhtes Risiko)Männer > 40 (Endemiegebiet), Frauen > 50 (Endemiegebiet), Afrikaner (früher), Familienanamnese, PAGE-B ≥ 10
Koinfektionen (ohne Zirrhose)HBV/HDV: Alle Erwachsenen. HBV/HIV: Männer ≥ 18, Frauen ≥ 40. HBV/HCV: Wie HBV-Monoinfektion.
Nach HBsAg-VerlustPatienten mit Zirrhose, Familienanamnese, Männer > 40 bei Verlust, Frauen > 50 bei Verlust

💡Praxis-Tipp

Setzen Sie Nukleos(t)id-Analoga bei HBeAg-negativen Patienten ohne Zirrhose idealerweise erst nach vollständigem HBsAg-Verlust ab. Falls dennoch abgesetzt wird, müssen ALT und HBV-DNA in den ersten 6 Monaten engmaschig (alle 1-3 Monate) kontrolliert werden.

Häufig gestellte Fragen

Bei einer HBV-DNA > 200.000 IU/mL sollte ab der 28. Schwangerschaftswoche Tenofovir (TDF oder TAF) eingesetzt werden.
Entecavir und Peginterferon dürfen in der Schwangerschaft nicht angewendet werden.
Bei Patienten über 40 Jahren oder bei Vorliegen einer signifikanten Leberentzündung (≥ Grad 2) bzw. Fibrose (≥ F2).
Patienten mit Zirrhose, positiver Familienanamnese für HCC, sowie Männer, die den HBsAg-Verlust nach dem 40. Lebensjahr, und Frauen, die ihn nach dem 50. Lebensjahr hatten.
Bei einer Koinfektion mit HDV wird eine HCC-Surveillance für alle Erwachsenen unabhängig vom Vorliegen einer Zirrhose empfohlen.

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