Frakturen distaler Unterschenkel Kinder | AWMF Leitlinie
Hintergrund
Laut der AWMF S2k-Leitlinie machen Frakturen der distalen Tibia bis zu 8,9 Prozent aller Frakturen der langen Röhrenknochen im Kindesalter aus. Die Leitlinie beschreibt, dass es sich dabei meist um Verletzungen bei offenen Wachstumsfugen handelt. Etwa 10,8 Prozent dieser Verletzungen sind sogenannte Übergangsfrakturen. Gemäß der Leitlinie orientiert sich die Einteilung an der Salter-Harris-Klassifikation (Typ I bis IV). Bei beginnendem Fugenschluss ab einem Alter von etwa 12 Jahren beschreibt der Text das Auftreten von Übergangsfrakturen. Dazu zählen laut Leitlinie die Two-plane-Fraktur (auch Tillaux-Fraktur genannt) sowie die Tri-plane-Fraktur, bei der zusätzlich ein dorsaler metaphysärer Keil ausbricht.
Empfehlungen
Zur präklinischen Erstversorgung empfiehlt die AWMF-Leitlinie in der Regel eine Immobilisation auf einer Schiene sowie eine angepasste Analgesie. Eine Reposition vor Ort wird laut Leitlinie nur bei grober Dislokation mit drohender Weichteilkompromittierung unter Analgosedierung empfohlen.
Für die radiologische Diagnostik wird als Standard ein konventionelles Röntgen in zwei Ebenen gefordert, wobei die a.p.-Aufnahme in 20 Grad Innenrotation erfolgen soll. Eine CT-Untersuchung kann nach Leitlinienangaben beim Adoleszenten zur präoperativen Planung von Übergangsfrakturen sinnvoll sein.
Die Indikation zur operativen oder konservativen Therapie richtet sich laut Leitlinie nach definierten Toleranzgrenzen:
Salter-Harris I/II (< 10 Jahre)
Die Leitlinie nennt als Toleranz 10° Re-/Antekurvation, 5-10° Valgus, 0° Varus und keinen Rotationsfehler.
Salter-Harris I/II (> 10 Jahre)
Hier gelten laut Expertenkonsens 5° Re-/Antekurvation, 5° Valgus und 0° Varus.
Gelenkfrakturen (Salter-Harris III/IV & Übergangsfrakturen)
Die Leitlinie empfiehlt eine Frakturdehiszenz von maximal 2 mm und toleriert keine Gelenkstufe.
Frakturen innerhalb dieser Grenzen werden gemäß Leitlinie konservativ mit einer primär gespaltenen Gipsruhigstellung für 4 Wochen (bei Adoleszenten 6 Wochen) behandelt. Bei Überschreitung der Toleranzgrenzen oder bei Instabilität wird eine operative Therapie empfohlen. Hierbei nennt die Leitlinie Verfahren wie die gekreuzte K-Drahtosteosynthese oder die Schraubenosteosynthese.
💡Praxis-Tipp
Laut der AWMF-Leitlinie ist eine Röntgenuntersuchung der unverletzten Gegenseite zum Vergleich obsolet. Zudem wird darauf hingewiesen, dass bei offenen Fugen der Schraubenverlauf parallel zur Fuge gewählt werden sollte, um iatrogene Fugenverletzungen zu vermeiden.
Häufig gestellte Fragen
Gemäß der AWMF-Leitlinie erfolgt die Einteilung nach der Salter-Harris-Klassifikation (Typ I bis IV) sowie bei älteren Kindern als Übergangsfrakturen (Two-plane oder Tri-plane).
Die Leitlinie empfiehlt als Standard ein konventionelles Röntgen in zwei Ebenen, wobei die a.p.-Aufnahme in 20 Grad Innenrotation erfolgen sollte.
Laut Leitlinie ist ein operatives Vorgehen bei instabilen Frakturen sowie bei Dislokationen indiziert, die außerhalb der definierten altersspezifischen Toleranzgrenzen liegen.
Die Leitlinie empfiehlt eine Gipsruhigstellung für 4 Wochen bei Kindern und für 6 Wochen bei Adoleszenten.
Nach Angaben der Leitlinie besteht insbesondere bei Salter-Harris I und II Frakturen ein Risiko für hemmende Wachstumsstörungen. Bei Gelenkfrakturen wird zudem vor einer frühzeitigen Arthroseentwicklung gewarnt.
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Quelle: Frakturen des distalen Unterschenkels im Kindesalter (AWMF). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.