Indikation Hüft-TEP bei Coxarthrose: AWMF S3-Leitlinie
Hintergrund
Die Implantation einer Hüfttotalendoprothese (Hüft-TEP) stellt laut der AWMF S3-Leitlinie den häufigsten endoprothetischen Eingriff in Deutschland dar. Da regional deutliche Unterschiede in der Versorgungshäufigkeit bestehen, zielt die Leitlinie darauf ab, evidenz- und konsensbasierte Indikationskriterien für die Hüft-TEP bei Coxarthrose zu definieren. Gemäß der Leitlinie soll durch eine fundierte ärztliche Indikationsstellung eine bedarfsgerechte und zweckmäßige Patientinnenversorgung sichergestellt werden. Die Leitlinie richtet sich an alle Behandelnden im ambulanten und stationären Bereich, die Patientinnen mit Coxarthrose versorgen.
Empfehlungen
Die AWMF S3-Leitlinie formuliert klare Schlüsselempfehlungen für die Indikationsstellung zur Hüft-TEP. Zunächst soll die Diagnose Coxarthrose laut Leitlinie klinisch anhand einer spezifischen Anamnese (Hüftschmerzen, Morgensteifigkeit unter 60 Minuten) sowie einer klinischen Untersuchung gesichert werden. Vor der Indikationsstellung wird eine Bildgebung mittels konventionellem Röntgen zwingend empfohlen, wobei eine Operation gemäß Leitlinie nur bei radiologisch nachgewiesener fortgeschrittener Coxarthrose (Kellgren & Lawrence Grad 3 oder 4) erfolgen soll. Weiterführende Bildgebungen wie MRT oder CT sollen nach aktueller Leitlinienempfehlung nur bei Diskrepanzen zwischen Klinik und Röntgenbefund eingesetzt werden. Ein weiteres zentrales Kriterium ist der subjektive Leidensdruck. Die Leitlinie stuft es als starke Empfehlung ein, dass Patientinnen trotz vorangegangener konservativer Therapie über einen hohen Leidensdruck berichten. Vor einer Operation sollen Patientinnen laut Leitlinie zwingend mit einer Kombination aus medikamentöser und nicht-medikamentöser konservativer Therapie behandelt worden sein. Als Kernelemente benennt die Leitlinie die Patient*innenedukation, Bewegungstherapie sowie eine Gewichtsreduktion bei Übergewicht.
Kontraindikationen
Die Leitlinie benennt spezifische Kontraindikationen und Risikofaktoren. Eine aktive Infektion soll laut Leitlinie vollständig ausgeheilt sein, bevor die Versorgung vorgenommen wird. Bei Begleiterkrankungen mit erhöhtem Sterblichkeitsrisiko wird eine anästhesiologische und internistische Risikoeinschätzung gefordert. Bei Patientinnen mit einem BMI ab 40 kg/m2 soll aufgrund der deutlich erhöhten Komplikationsgefahr eine besonders kritische Abwägung erfolgen (starke Empfehlung). Zudem empfiehlt die AWMF S3-Leitlinie die Optimierung modifizierbarer Risikofaktoren: Raucherinnen soll ein Nikotinverzicht mindestens einen Monat vor der Operation empfohlen werden. Bei Diabetes mellitus wird ein HbA1c-Wert unter 8 Prozent angestrebt. Nach einer intraartikulären Injektion von Cortikosteroiden sollte die Operation laut Leitlinie frühestens nach 6 Wochen, idealerweise erst nach 3 Monaten, erfolgen.
💡Praxis-Tipp
Laut der AWMF S3-Leitlinie sollen Patient*innen im Rahmen der partizipativen Entscheidungsfindung dazu angeregt werden, individuelle Therapieziele zu formulieren, welche gemeinsam dokumentiert werden sollten, um sicherzustellen, dass der zu erwartende Nutzen die möglichen Risiken überwiegt.
Häufig gestellte Fragen
Die AWMF S3-Leitlinie empfiehlt, die Vor- und Nachteile einer frühen oder späten Indikationsstellung individuell abzuwägen, da der subjektive Leidensdruck und die Einschränkungen im Alltag ausschlaggebend sind.
Laut Leitlinie sollen mindestens die Kernelemente der nicht-medikamentösen Therapie, bestehend aus Patient*innenedukation, Bewegungstherapie und gegebenenfalls Gewichtsreduktion, über mindestens drei Monate durchgeführt worden sein.
Nach aktueller Leitlinienempfehlung soll eine Operation nur bei einer radiologisch nachgewiesenen, fortgeschrittenen Coxarthrose der Grade 3 oder 4 nach Kellgren & Lawrence erfolgen.
Nein, die Leitlinie gibt an, dass eine weiterführende Bildgebung mittels MRT oder CT nur dann erfolgen soll, wenn eine Diskrepanz zwischen dem klinischen und dem röntgenologischen Befund besteht.
Gemäß der Leitlinie sollte eine Hüft-TEP-Operation frühestens 6 Wochen nach einer intraartikulären Corticosteroid-Injektion erfolgen, wobei ein Abstand von 3 Monaten empfohlen wird.
War diese Zusammenfassung hilfreich?
Quelle: Evidenz- und konsensbasierte Indikationskriterien zur Hüfttotalendoprothese bei Coxarthrose (EKIT-Hüfte) (AWMF). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.