Berufliche Hautmittel: Leitlinie (AWMF)
📋Auf einen Blick
- •Hautschutzmittel vor und während der Arbeit auftragen, Hautpflegemittel nach der Arbeit.
- •Hautschutzmittel ersetzen keine flüssigkeitsdichten Schutzhandschuhe (fSH).
- •Bei nicht sichtbarer Verschmutzung ist Händedesinfektion dem Händewaschen vorzuziehen.
- •Hautschutzmittel können die Penetration von Gefahrstoffen erhöhen und schützen nicht vor systemtoxischen Arbeitsstoffen.
- •Für die Oberfläche einer Hand wird mindestens eine Fingertip-Unit (FTU) Creme empfohlen.
Hintergrund
Berufliche Hautmittel sind Teil der persönlichen Schutzmaßnahmen zur Prävention beruflich bedingter Hauterkrankungen (z. B. irritative Kontaktekzeme durch Feuchtarbeit). Das integrative Hautschutzkonzept (3-Säulen-Modell) umfasst Hautschutz, Hautreinigung und Hautpflege.
Stufenschema der Anwendung
| Säule | Zeitpunkt | Ziel | Bemerkung |
|---|---|---|---|
| Hautschutz | Vor der Arbeit & nach Pausen | Protektion vor Irritanzien | Ersetzt keine Schutzhandschuhe! |
| Hautreinigung | Bei sichtbarer Verschmutzung | Schonende Entfernung von Noxen | Waschfrequenz auf Minimum reduzieren |
| Hautpflege | Nach der Arbeit & in längeren Pausen | Regeneration der Hautbarriere | Präparate nach aktuellem Hautzustand wählen |
Auswahl und Dosierung
- Wirksamkeit: Bevorzugung von Hautschutzmitteln mit experimentell belegter klinischer Wirksamkeit gegen wässrige Irritanzien (z. B. DGUV-Test Prüfzeichen).
- Dosierung: Für die Oberfläche einer Hand sollte mindestens eine Fingertip-Unit (FTU) aufgetragen werden.
- Hygiene: Bereitstellung in Einmal- oder Pressspendersystemen (keine Tiegel) zur Vermeidung mikrobiologischer Kontaminationen.
Hautschutzmittel und Schutzhandschuhe
Hautschutzmittel dürfen nicht als Ersatz für flüssigkeitsdichte Schutzhandschuhe (fSH) verwendet werden.
- Hautschutzmittel nicht unmittelbar vor dem Anziehen von fSH auftragen, da sie die Handschuheigenschaften beeinflussen und die Hautempfindlichkeit verstärken können.
- Wenn fSH nach dem Eincremen getragen werden, muss das Mittel vollständig eingezogen sein (keine sichtbaren Rückstände).
Händereinigung vs. Händedesinfektion
| Maßnahme | Indikation | Irritative Potenz |
|---|---|---|
| Händedesinfektion | Bei nicht sichtbarer Verschmutzung (infektionsgefährdende Tätigkeiten) | Gering (alkoholische Desinfizientien) |
| Händewaschen | Bei sichtbarer Verschmutzung | Hoch (Detergenzien stören Hautbarriere) |
Starker Konsens: Die Händedesinfektion ist der Hautreinigung mit Detergenzien vorzuziehen, da die kumulative irritative Potenz wesentlich geringer ist.
Unerwünschte Wirkungen und Penetrationsförderung
Hautschutzmittel können die Penetration von Fremd- und Gefahrstoffen (z. B. Lösungsmittel) in die Haut beschleunigen. Sie dürfen nicht zum Schutz vor der perkutanen Aufnahme systemtoxischer, krebserzeugender oder hautresorptiver Arbeitsstoffe verwendet werden.
Sensibilisierungsrisiko
Bei vorgeschädigter Haut sollten bestimmte Inhaltsstoffe in beruflichen Hautmitteln vermieden werden:
| Substanzklasse | Zu vermeidende Inhaltsstoffe (Auswahl) |
|---|---|
| Konservierungsmittel | Chlormethylisothiazolinon (MCI), Methylisothiazolinon (MI) |
| Duftstoffe | Citral, Eugenol, Farnesol, Geraniol, Isoeugenol, Zimtaldehyd |
| Naturstoff-Extrakte | Perubalsam, Propolis, Lemongrasöl, Ylang-Ylang Öl, Nelkenöl |
Besonderheiten im Gesundheitswesen
Um den direkten Kontakt mit Reinigungsmitteln, Wasser und sensibilisierenden Inhaltsstoffen zu reduzieren, sollten flüssigkeitsdichte Handschuhe getragen werden bei:
- Körperwaschungen von Patient:innen
- Auftragen von Pflegeprodukten auf die Haut von Patient:innen
💡Praxis-Tipp
Tragen Sie Hautschutzcremes niemals unmittelbar vor dem Anziehen von flüssigkeitsdichten Schutzhandschuhen auf. Bevorzugen Sie bei nicht sichtbarer Verschmutzung immer die Händedesinfektion gegenüber dem Händewaschen.