Berufliche Hautmittel: Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Hautschutzmittel vor und während der Arbeit auftragen, Hautpflegemittel nach der Arbeit.
  • Hautschutzmittel ersetzen keine flüssigkeitsdichten Schutzhandschuhe (fSH).
  • Bei nicht sichtbarer Verschmutzung ist Händedesinfektion dem Händewaschen vorzuziehen.
  • Hautschutzmittel können die Penetration von Gefahrstoffen erhöhen und schützen nicht vor systemtoxischen Arbeitsstoffen.
  • Für die Oberfläche einer Hand wird mindestens eine Fingertip-Unit (FTU) Creme empfohlen.
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Hintergrund

Berufliche Hautmittel sind Teil der persönlichen Schutzmaßnahmen zur Prävention beruflich bedingter Hauterkrankungen (z. B. irritative Kontaktekzeme durch Feuchtarbeit). Das integrative Hautschutzkonzept (3-Säulen-Modell) umfasst Hautschutz, Hautreinigung und Hautpflege.

Stufenschema der Anwendung

SäuleZeitpunktZielBemerkung
HautschutzVor der Arbeit & nach PausenProtektion vor IrritanzienErsetzt keine Schutzhandschuhe!
HautreinigungBei sichtbarer VerschmutzungSchonende Entfernung von NoxenWaschfrequenz auf Minimum reduzieren
HautpflegeNach der Arbeit & in längeren PausenRegeneration der HautbarrierePräparate nach aktuellem Hautzustand wählen

Auswahl und Dosierung

  • Wirksamkeit: Bevorzugung von Hautschutzmitteln mit experimentell belegter klinischer Wirksamkeit gegen wässrige Irritanzien (z. B. DGUV-Test Prüfzeichen).
  • Dosierung: Für die Oberfläche einer Hand sollte mindestens eine Fingertip-Unit (FTU) aufgetragen werden.
  • Hygiene: Bereitstellung in Einmal- oder Pressspendersystemen (keine Tiegel) zur Vermeidung mikrobiologischer Kontaminationen.

Hautschutzmittel und Schutzhandschuhe

Hautschutzmittel dürfen nicht als Ersatz für flüssigkeitsdichte Schutzhandschuhe (fSH) verwendet werden.

  • Hautschutzmittel nicht unmittelbar vor dem Anziehen von fSH auftragen, da sie die Handschuheigenschaften beeinflussen und die Hautempfindlichkeit verstärken können.
  • Wenn fSH nach dem Eincremen getragen werden, muss das Mittel vollständig eingezogen sein (keine sichtbaren Rückstände).

Händereinigung vs. Händedesinfektion

MaßnahmeIndikationIrritative Potenz
HändedesinfektionBei nicht sichtbarer Verschmutzung (infektionsgefährdende Tätigkeiten)Gering (alkoholische Desinfizientien)
HändewaschenBei sichtbarer VerschmutzungHoch (Detergenzien stören Hautbarriere)

Starker Konsens: Die Händedesinfektion ist der Hautreinigung mit Detergenzien vorzuziehen, da die kumulative irritative Potenz wesentlich geringer ist.

Unerwünschte Wirkungen und Penetrationsförderung

Hautschutzmittel können die Penetration von Fremd- und Gefahrstoffen (z. B. Lösungsmittel) in die Haut beschleunigen. Sie dürfen nicht zum Schutz vor der perkutanen Aufnahme systemtoxischer, krebserzeugender oder hautresorptiver Arbeitsstoffe verwendet werden.

Sensibilisierungsrisiko

Bei vorgeschädigter Haut sollten bestimmte Inhaltsstoffe in beruflichen Hautmitteln vermieden werden:

SubstanzklasseZu vermeidende Inhaltsstoffe (Auswahl)
KonservierungsmittelChlormethylisothiazolinon (MCI), Methylisothiazolinon (MI)
DuftstoffeCitral, Eugenol, Farnesol, Geraniol, Isoeugenol, Zimtaldehyd
Naturstoff-ExtraktePerubalsam, Propolis, Lemongrasöl, Ylang-Ylang Öl, Nelkenöl

Besonderheiten im Gesundheitswesen

Um den direkten Kontakt mit Reinigungsmitteln, Wasser und sensibilisierenden Inhaltsstoffen zu reduzieren, sollten flüssigkeitsdichte Handschuhe getragen werden bei:

  • Körperwaschungen von Patient:innen
  • Auftragen von Pflegeprodukten auf die Haut von Patient:innen

💡Praxis-Tipp

Tragen Sie Hautschutzcremes niemals unmittelbar vor dem Anziehen von flüssigkeitsdichten Schutzhandschuhen auf. Bevorzugen Sie bei nicht sichtbarer Verschmutzung immer die Händedesinfektion gegenüber dem Händewaschen.

Häufig gestellte Fragen

Hautschutzmittel werden vor der hautbelastenden Tätigkeit und nach Pausen aufgetragen. Hautpflegemittel dienen der Regeneration und werden nach der Arbeit angewendet.
Nein. Hautschutzmittel bieten keinen ausreichenden Schutz gegen hautresorptive Gefahrstoffe oder komplexe Verschmutzungen und ersetzen flüssigkeitsdichte Schutzhandschuhe nicht.
Für die Oberfläche einer Hand wird als Richtwert mindestens eine Fingertip-Unit (FTU) empfohlen.
Nein, im Gegenteil. Hautschutzmittel können die Penetration von Gefahrstoffen (wie Lösungsmitteln) in die Haut sogar beschleunigen.
Die Handwaschfrequenz sollte auf ein Minimum reduziert werden. Bei nicht sichtbarer Verschmutzung ist eine Händedesinfektion hautschonender als das Waschen mit Detergenzien.

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