Oberarmschaftfraktur: Leitlinie (AWMF) & Therapie

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Oberarmschaftfraktur zeigt zwei Altersgipfel: 20.-30. Lebensjahr (Hochrasanztrauma) und >60 Jahre (osteoporotisch).
  • Eine primäre Radialisläsion stellt keine absolute Operationsindikation dar, da die Spontanheilungsrate hoch ist.
  • Die konservative Standardtherapie besteht aus 2-3 Wochen Ruhigstellung, gefolgt von 8-10 Wochen im funktionellen Sarmiento-Brace.
  • Absolute OP-Indikationen sind offene Frakturen ab Grad 2, Kompartmentsyndrom, Gefäßschäden und sekundäre Radialisschäden nach Manipulation.
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Hintergrund

Die Oberarmschaftfraktur macht ca. 3 % aller langen Röhrenknochenfrakturen aus. Es zeigen sich zwei deutliche Altersgipfel: das 20. bis 30. Lebensjahr (häufig durch Hochrasanztraumen oder Sportverletzungen wie Armdrücken) und jenseits des 60. Lebensjahres (meist osteoporotische Frakturen durch häusliche Stürze).

Klassifikation

Die Einteilung der Frakturen erfolgt standardmäßig nach der AO/OTA-Klassifikation:

TypBeschreibungDetails
12 AEinfache FrakturA1-A3: spiral, schräg (>30°), quer (<30°)
12 BKeilfrakturB2-B3: Biegungskeil, fragmentierter Keil
12 CKomplexe FrakturC2-C3: spiralförmig mit Zwischenfragmenten, etagenförmig

Diagnostik

Die Basisdiagnostik umfasst die klinische Untersuchung und die konventionelle Bildgebung. Krepitationen dürfen klinisch nicht geprüft werden, um den N. radialis nicht zu gefährden.

  • Klinik: Prüfung der peripheren Durchblutung, Motorik und Sensibilität (pMDS). Besondere Beachtung erfordert das autonome Gebiet des N. radialis (Gefahr der Holstein-Lewis-Fraktur am Übergang vom mittleren zum distalen Drittel).
  • Röntgen: Oberarmschaft in 2 Ebenen inklusive der angrenzenden Gelenke (Schulter und Ellbogen).
  • CT: Nur fakultativ bei Verdacht auf Frakturausläufer in den Oberarmkopf, die supra-/diacondyläre Region oder als CT-Angiographie bei Verdacht auf Gefäßläsionen.

Therapieentscheidung

Die Wahl des Verfahrens hängt maßgeblich von Frakturtyp, Knochenqualität (Osteoporose), Alter und Begleiterkrankungen ab.

Operationsindikationen

IndikationsartKriterien
AbsolutOffene Fraktur (ab Grad 2), drohendes Kompartmentsyndrom, Defektfraktur, persistierende Diastase, Kettenverletzung ("Floating elbow"), Gefäßschäden, sekundärer Nervenschaden nach Manipulation
RelativPolytrauma, offene Fraktur Grad 1, pathologische Fraktur, beidseitige Fraktur, Adipositas, dislozierte Fraktur (>20° Antekurvation, >30° Varus, >3cm Dislokation)

Wichtig: Die primäre Radialisläsion stellt KEINE absolute Operationsindikation dar, da eine hohe spontane Erholungsrate besteht.

Konservative Therapie

Die konservative Therapie erfolgt meist ambulant und ist eine gute Option bei Schaftfrakturen im mittleren Drittel ohne Diastase.

PhaseZeitraumMaßnahme
1. Ruhigstellung2-3 WochenKurzfristige Ruhigstellung (z.B. Gilchristverband mit Gips-U-Schiene oder Desaultverband)
2. Funktionell8-10 WochenWeiterbehandlung mit (Sarmiento)-Brace; passive und aktive Bewegungsübungen bis zur Schmerzgrenze

Operative Therapie

Die operative Versorgung erfolgt in der Regel stationär. Die Knochenqualität und das Ausmaß der Dislokation müssen vorab genau eingeschätzt werden.

  • Plattenosteosynthese: Konventionell, winkelstabil oder minimalinvasiv (MIPO).
  • Marknagelung: Ante- oder retrograd, konventionell oder winkelstabil verriegelt.
  • Fixateur externe: Ausnahmsverfahren bei schwerem Weichteiltrauma oder Polytrauma.

Komplikationen

Sowohl konservative als auch operative Verfahren bergen spezifische Risiken:

  • Neurologisch: Sekundäre Radialisausfälle können auftreten (konservativ ca. 9,5 %, operativ 4-16 %).
  • Knöchern: Verzögerte Heilung und Pseudarthrosenbildung (konservativ ca. 2 %, operativ 3-34,8 %), Heilung in Fehlstellung (bis zu 15 % bei konservativer Therapie).
  • Weichteile: Hämatombedingtes Kompartmentsyndrom, Druckstellen durch Stützverbände, Wundheilungsstörungen nach OP.

💡Praxis-Tipp

Lassen Sie sich von einer primären Radialisläsion nicht sofort zur Operation drängen – die Spontanheilungsrate ist hoch. Tritt der Radialisschaden jedoch sekundär nach einer Repositionsmaßnahme auf, besteht eine absolute OP-Indikation.

Häufig gestellte Fragen

Nein, eine primäre Radialisläsion stellt keine absolute Operationsindikation dar, da die spontane Erholungsrate sehr hoch ist.
Die konservative Therapie besteht aus einer kurzfristigen Ruhigstellung für 2-3 Wochen (z.B. Gilchristverband), gefolgt von einer funktionellen Weiterbehandlung im Sarmiento-Brace für 8-10 Wochen.
Ein CT ist nur fakultativ indiziert, insbesondere bei Verdacht auf Frakturausläufer in den Oberarmkopf oder das Ellbogengelenk, sowie als CT-Angiographie bei Verdacht auf Gefäßverletzungen.
Absolute Indikationen sind offene Frakturen ab Grad 2, ein drohendes Kompartmentsyndrom, Defektfrakturen, Gefäßschäden, Kettenverletzungen (Floating elbow) und sekundäre Radialisschäden nach Manipulation.

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