Adipositas & Schwangerschaft: AWMF S3-Leitlinie

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: AWMF|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Laut der AWMF S3-Leitlinie stellt Adipositas ein zunehmendes Problem bei Schwangeren dar. Epidemiologische Daten der Perinatalerhebung zeigen, dass im Jahr 2017 in Deutschland 36 Prozent der Schwangeren übergewichtig oder adipös waren. Die Leitlinie betont, dass dieses Risikokollektiv mit erheblichen Komplikationen für Mutter und Kind einhergehen kann. Daher zielt die Leitlinie darauf ab, die Prävention und Versorgung in der Schwangerenvorsorge zu verbessern und zu vereinheitlichen.

Empfehlungen

Die AWMF S3-Leitlinie formuliert klare Empfehlungen zur Betreuung adipöser Schwangerer.

Präkonzeptionelle Betreuung und Lebensstil Laut Leitlinie sollten adipöse Frauen mit Kinderwunsch zu einer präkonzeptionellen Lebensstilintervention motiviert werden, da vermehrte Bewegung das Risiko für einen Gestationsdiabetes senken kann.

Folsäuresupplementierung Gemäß der Leitlinie sollen Frauen mit Adipositas bei Kinderwunsch 400 µg Folsäure pro Tag einnehmen. Die Leitlinie empfiehlt den Beginn mindestens vier Wochen vor der Konzeption bis zum Ende des ersten Trimenons. Nach bariatrischen Operationen wird laut Expertenkonsens eine Dosis von 800 µg empfohlen.

Präeklampsie-Prophylaxe Da Adipositas das Risiko für eine Präeklampsie um den Faktor 3 bis 5 erhöht, empfiehlt die Leitlinie eine individuelle Risikokalkulation zwischen der 11+0. und 13+6. Schwangerschaftswoche (SSW). Bei einem Risiko von über 1:100 oder einem BMI über 35 kg/m2 wird laut Leitlinie die Gabe von Acetylsalicylsäure (ASS) zur Prävention empfohlen.

Bariatrische Chirurgie Nach einem adipositaschirurgischen Eingriff rät die Leitlinie zu einer sicheren Empfängnisverhütung während der Gewichtsreduktionsphase (erste 12 bis 24 Monate). Es wird darauf hingewiesen, dass orale Kontrazeptiva nach malabsorptiven Eingriffen nicht zuverlässig wirken.

Thromboseprophylaxe Die Leitlinie beschreibt Adipositas als Risikofaktor für venöse Thromboembolien. Bei übergewichtigen Schwangeren mit zusätzlichen Risikofaktoren sollte laut Leitlinie eine medikamentöse Prophylaxe erfolgen. Nach einer Sectio wird eine siebentägige Prophylaxe empfohlen.

Dosierung

Die AWMF S3-Leitlinie enthält folgende Dosierungsangaben für die Schwangerschaft bei Adipositas:

WirkstoffDosierungIndikation / Zeitraum
Folsäure400 µg/TagPräkonzeptionell (4 Wochen vorher) bis Ende 1. Trimenon
Folsäure800 µg/TagNach bariatrischer Operation
Acetylsalicylsäure (ASS)150 mg/TagPräeklampsie-Prophylaxe ab 11+0 SSW (bei BMI > 35 oder Risiko > 1:100)
Vitamin D200 - 600 IE/TagIm Einzelfall bei fehlender Eigensynthese (keine adipositasspezifische Dosis)

Kontraindikationen

Gemäß der AWMF S3-Leitlinie sind bei der präkonzeptionellen Umstellung der Medikation folgende Kontraindikationen in der Schwangerschaft zu beachten:

ACE-Hemmer und AT1-Blocker

Diese Antihypertensiva sind in der Schwangerschaft kontraindiziert. Die Leitlinie empfiehlt eine Umstellung auf Alpha-Methyldopa, Beta-Blocker oder Nifedipin.

Statine (Lipidsenker)

Eine Hyperlipidämie ist laut Leitlinie in der Schwangerschaft medikamentös nicht behandelbar, Statine sollen nicht eingesetzt werden.

Orale Kontrazeptiva

Nach bariatrischen Bypass-Verfahren gelten diese laut Leitlinie aufgrund mangelnder Resorption als nicht sicher.

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💡Praxis-Tipp

Laut der AWMF S3-Leitlinie sollte eine bestehende Medikation bei adipösen Frauen mit Kinderwunsch stets interdisziplinär überprüft und frühzeitig vor Eintritt der Schwangerschaft umgestellt werden, um embryotoxische Risiken zu vermeiden.

Häufig gestellte Fragen

Die AWMF S3-Leitlinie empfiehlt für adipöse Frauen die gleiche Dosis wie für normalgewichtige Frauen, nämlich 400 µg Folsäure pro Tag. Eine Ausnahme bilden Frauen nach bariatrischen Operationen, für die laut Expertenkonsens 800 µg empfohlen werden.

Gemäß der Leitlinie sollte die Gabe von 150 mg Acetylsalicylsäure (ASS) bei einem BMI über 35 kg/m2 oder einem erhöhten Risiko ab der 11+0. Schwangerschaftswoche und vor der 16. SSW gestartet werden.

Die Leitlinie rät davon ab. Es wird empfohlen, in der Phase der Gewichtsreduktion nach dem Eingriff eine sichere Empfängnisverhütung anzuwenden, da eine Minderversorgung des Fötus drohen kann.

Laut Leitlinie sind ACE-Hemmer und AT1-Blocker kontraindiziert. Stattdessen wird eine Umstellung auf Alpha-Methyldopa, Beta-Blocker oder Nifedipin empfohlen.

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KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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