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Odontogene Sinusitis maxillaris: AWMF-Leitlinie

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: AWMF|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die AWMF-Leitlinie definiert die odontogene Sinusitis maxillaris als eine entzündliche Veränderung der Kieferhöhlenschleimhaut, die überwiegend durch zahnmedizinische Infektionen oder Behandlungen verursacht wird. Meist ist nur die Kieferhöhle einer Seite betroffen. Die Erkrankung ist bezüglich ihrer Ätiologie und Therapie klar von der klassischen Rhinosinusitis abzugrenzen.

Als häufigste Ursache wird eine persistierende Mund-Kieferhöhlen-Verbindung, beispielsweise nach einer Zahnextraktion, genannt. Die zweithäufigste Ursache stellt die apikale Parodontitis dar. Weitere Auslöser können dislozierte Zähne, Implantate oder überstopftes Wurzelkanalfüllmaterial sein, wobei letzteres die Entstehung einer Aspergillose begünstigt.

Die Häufigkeit der odontogenen Sinusitis maxillaris wird im klinischen Alltag oft unterschätzt. Laut Leitlinie liegt die Inzidenz bei 10 bis 40 Prozent aller Fälle mit einer Sinusitis maxillaris. Die Erkrankung tritt am häufigsten zwischen der dritten und sechsten Lebensdekade auf.

Empfehlungen

Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen für den klinischen Ablauf:

Anamnese und klinische Untersuchung

Bei Beschwerden im Bereich des Sinus maxillaris wird eine gezielte Anamnese bezüglich einseitiger Symptome und vorausgegangener zahnärztlicher Eingriffe empfohlen (starke Empfehlung). Zusätzlich sollte nach typischen Sinusitis-Symptomen wie einer Schmerzzunahme beim Vornüberbeugen gefragt werden (moderate Empfehlung).

Es wird eine extra- und intraorale Untersuchung empfohlen, um eine Mund-Kieferhöhlen-Verbindung oder pathologische Zahnbefunde zu prüfen (moderate Empfehlung). Findet sich keine odontogene Ursache, soll eine Untersuchung der inneren Nase mittels Endoskopie erfolgen (starke Empfehlung).

Bildgebende Diagnostik

Zur radiologischen Ursachensuche empfiehlt die Leitlinie ein stufenweises Vorgehen:

  • Als Basisdiagnostik soll eine Panoramaschichtaufnahme (PSA) und/oder eine intraorale Röntgenaufnahme angefertigt werden (starke Empfehlung).

  • Bei Unklarheiten sollte eine schichtbildgebende Untersuchung wie die digitale Volumentomographie (DVT) erfolgen (moderate Empfehlung).

  • Zur Planung und Durchführung einer Kieferhöhlenoperation wird ein low-dose CT oder ein DVT empfohlen (starke Empfehlung).

Zahnärztliche und chirurgische Therapie

Im Zentrum der Behandlung steht die Beseitigung der Infektionsursache (starke Empfehlung). In vielen Fällen ist eine rein zahnärztliche Behandlung ausreichend, um die Kieferhöhlenentzündung zur Ausheilung zu bringen.

Eine operative Therapie wird empfohlen, wenn sich der pathologische Prozess in die Kieferhöhle ausdehnt oder die Ventilation langfristig gestört ist (moderate Empfehlung). Dabei gelten laut Leitlinie folgende chirurgische Prinzipien:

  • Ein transorales Vorgehen wird aufgrund der besseren Einsicht in den Recessus alveolaris bevorzugt (starke Empfehlung).

  • Auf eine komplette Ausräumung der Kieferhöhlenschleimhaut und die dauerhafte Entfernung des facialen Kieferhöhlendeckels soll verzichtet werden (starke Empfehlung).

  • Die Drainage zur Nase kann über eine Fensterung im unteren oder mittleren Nasengang erfolgen (starke Empfehlung).

  • Bei Tumorverdacht muss zwingend eine Biopsie entnommen werden (starke Empfehlung).

Medikamentöse Therapie

Auf mikrobiologische Routineabstriche kann gemäß Leitlinie verzichtet werden (starke Empfehlung). Zur symptomatischen Linderung können abschwellende Nasentropfen für maximal sieben Tage eingesetzt werden (moderate Empfehlung).

Bei einer antibiotischen Therapie im Sinne einer Infektion mit Ausbreitungstendenz empfiehlt die Leitlinie folgendes Stufenschema:

WahlWirkstoffklasseIndikation
1. WahlAminopenicillin (ggf. mit Betalactamaseinhibitor)Kalkulierte Initialtherapie
2. WahlClindamycinBei Penicillin-Allergie

Kontraindikationen

Die Leitlinie formuliert folgende Warnhinweise und Kontraindikationen:

  • Benzalkoniumchlorid: Bei der Verwendung von abschwellenden Nasentropfen wird von Präparaten mit Benzalkoniumchlorid abgeraten, da dieser Konservierungsstoff die mukoziliäre Clearance hemmt.

  • Penicillin-Allergie: Bei Vorliegen einer Penicillin-Allergie ist der Einsatz von Aminopenicillinen kontraindiziert; stattdessen wird Clindamycin empfohlen.

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💡Praxis-Tipp

Die Leitlinie warnt vor potenziell gefährlichen Verläufen, die sich durch starke Schmerzen, Gesichtsschwellungen, anhaltendes Fieber, Lethargie oder neurologische Symptome äußern. Es wird dringend empfohlen, Patienten mit diesen Warnzeichen, relevanten Komorbiditäten oder einer Ausbreitungstendenz der Entzündung umgehend stationär einzuweisen.

Häufig gestellte Fragen

Ein starker Hinweis ist eine einseitige Kieferhöhlensymptomatik, oft in Verbindung mit Zahnschmerzen oder vorausgegangenen zahnärztlichen Eingriffen. Die Leitlinie empfiehlt, gezielt nach diesen Faktoren sowie nach einer Schmerzzunahme beim Vornüberbeugen zu fragen.

Als primäre Bildgebung wird eine Panoramaschichtaufnahme (PSA) oder ein intraorales Röntgenbild empfohlen. Bei Unklarheiten oder zur Operationsplanung sollte ein DVT oder ein low-dose CT durchgeführt werden.

Nein, laut Leitlinie genügt in vielen Fällen eine rein zahnärztliche Behandlung der Ursache, wie beispielsweise eine Wurzelkanalbehandlung oder eine Extraktion. Eine Operation der Kieferhöhle wird nur empfohlen, wenn sich der Prozess ausdehnt oder die Drainage langfristig gestört ist.

Als Mittel der ersten Wahl empfiehlt die Leitlinie ein Aminopenicillin, gegebenenfalls in Kombination mit einem Betalactamaseinhibitor. Bei einer Penicillin-Allergie sollte auf Clindamycin ausgewichen werden.

Die Leitlinie rät von routinemäßigen mikrobiologischen Testverfahren ab. Da es sich meist um Mischinfektionen mit Anaerobiern handelt, ist die Probengewinnung schwierig und das Züchten der Kulturen oft nicht zielführend.

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KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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